Aspirin, Demenz

Aspirin und Demenz: Genetische Untergruppe zeigt 70 Prozent weniger FĂ€lle

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei hohem genetischem Thrombozytenwert traten unter Aspirin weniger DemenzfÀlle auf, zugleich nahmen schwere Blutungen zu.
Ein steriler Labortisch mit GlasgefĂ€ĂŸen in einer hellen, klinischen Forschungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Eine am 24. September 2026 im Fachjournal Alzheimer's & Dementia veröffentlichte genetische Auswertung der ASPREE-Studie liefert differenzierte Erkenntnisse zur Wirkung von AcetylsalicylsÀure auf das Demenzrisiko im Alter. Wissenschaftler der Monash University untersuchten darin, inwiefern genetische Profile den prÀventiven Nutzen von niedrig dosiertem Aspirin beeinflussen können.

WĂ€hrend frĂŒhere Untersuchungen gezeigt hatten, dass das Medikament in der allgemeinen Ă€lteren Bevölkerung keinen Schutz vor Demenzerkrankungen bietet, weist die neue retrospektive Analyse auf eine spezifische Untergruppe hin, die messbar seltener erkrankte – bei allerdings gleichzeitig erhöhtem Risiko fĂŒr schwere Blutungen.

Deutliche Risikoreduktion in einer genetisch definierten Gruppe

FĂŒr die Auswertung wurden Daten von 13.541 gesunden Erwachsenen mit einem Durchschnittsalter von 75 Jahren herangezogen. Die Teilnehmenden hatten ĂŒber einen medianen Beobachtungszeitraum von 4,6 Jahren tĂ€glich entweder 100 mg Aspirin oder ein Placebo erhalten. Im Verlauf traten insgesamt 345 DemenzfĂ€lle auf.

Das Forschungsteam analysierte das Erbgut der Studienpopulation anhand eines genetischen Scores fĂŒr die Thrombozytenzahl. Bei den Personen, die in den obersten 20 Prozent dieses genetischen Werts lagen, zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Aspirin-Gruppe entwickelten lediglich 1,0 Prozent eine Demenz, wĂ€hrend es in der Placebogruppe 3,3 Prozent waren. Dies entspricht einer Verringerung des relativen Risikos um etwa 70 Prozent.

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Die absolute Risikodifferenz lag bei 2,3 Prozentpunkten, was rechnerisch rund 23 weniger DemenzfÀllen pro 1.000 Personen entspricht. Ein signifikanter Zusammenhang mit den etablierten APOE-Genvarianten bestand dabei nicht, was die Forscher als Hinweis auf die zugrundeliegende Thrombozytenbiologie einordneten.

Erhöhtes Risiko fĂŒr schwere Blutungen dĂ€mpft Hoffnungen

Der potenzielle protektive Effekt wird jedoch von gravierenden Nebenwirkungen begleitet. In derselben genetischen Untergruppe erlitten 4,4 Prozent der Behandelten unter Aspirin schwere Blutungen, verglichen mit 2,1 Prozent unter Placebo. Der Zuwachs belief sich somit auf etwa 23 zusÀtzliche schwere Blutungsereignisse pro 1.000 Personen, womit sich Nutzen und Risiko in dieser Gruppe rechnerisch nahezu die Waage halten.

Dieses Bild fĂŒgt sich in die Gesamtresultate der ASPREE-Studie ein. Über die gesamte Studienkohorte hinweg stieg die HĂ€ufigkeit schwerer Blutungen von 6,2 auf 8,6 Ereignisse pro 1.000 Personenjahre an.

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Methodische EinschrÀnkungen und Warnung vor Selbstmedikation

Studienleiter Dr. Peter Fransquet von der Monash University erlĂ€uterte, dass genetische Informationen kĂŒnftig dazu beitragen könnten, ein gĂŒnstigeres Nutzen-Risiko-VerhĂ€ltnis fĂŒr bestimmte Patientengruppen zu ermitteln. Gleichzeitig warnte Fransquet vor einer eigenmĂ€chtigen Einnahme von Aspirin zur Vorbeugung von Demenz ohne Ă€rztliche Empfehlung.

Die Autoren verwiesen zudem auf mehrere wesentliche EinschrÀnkungen der Untersuchung: Es handle sich um eine retrospektive, explorative Genanalyse mit einer relativ kleinen Hochrisikogruppe und einem vergleichsweise kurzen Nachbeobachtungszeitraum.

Zudem bestand die Kohorte ĂŒberwiegend aus Personen europĂ€ischer Abstammung. Vor einer klinischen Anwendung mĂŒssen die beobachteten Effekte daher zunĂ€chst in einer eigenstĂ€ndigen klinischen Studie ĂŒberprĂŒft und bestĂ€tigt werden.

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