Atemwegssaison beginnt: Erst Erkältungsviren, dann Corona, Grippe und RSV
Veröffentlicht am: 07.10.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWSMit dem Herbst nimmt in Deutschland die Saison der Atemwegserkrankungen Fahrt auf, zunächst vor allem durch Erkältungsviren.
Erkältungsviren machen den Anfang
Berit Lange vom Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung berichtet von einem langsamen Anstieg entsprechender Symptome. Nach Angaben von Ulrike Protzer von der Technischen Universität München zirkulieren derzeit vor allem Rhinoviren und Parainfluenzaviren, gegen die es keine Impfungen gibt.
Im Abwassermonitoring seien diese Viren bereits sichtbar. Dass inzwischen in allen Bundesländern die Schule wieder begonnen habe, lasse sich daran deutlich erkennen. Auch das Oktoberfest gilt regelmäßig als Ort, an dem sich viele Menschen infizieren.
Corona, Grippe und RSV folgen
Eine Maske kann nach Einschätzung Protzers schützen, insbesondere wenn Erkrankte sie tragen. Auch vermeintlich harmlose Erkältungen können bei Menschen mit Immunschwäche zu Krankenhaus- oder Intensivbehandlungen führen.
Erfahrungsgemäß folgt auf die Erkältungsviren das Coronavirus. Die Covid-19-Welle kann laut Lange bereits im Spätsommer beginnen. Richtung Jahresende und zum Beginn des nächsten Jahres werden zudem Grippe- und RSV-Viren voraussichtlich wieder eine größere Rolle spielen.
Verlauf nur teilweise vorhersehbar
Die Entwicklung der kommenden zwei bis vier Wochen lasse sich relativ gut prognostizieren, sagte Lange. Schwieriger sei vorherzusagen, wie die gesamte Saison verlaufe und wann die Höhepunkte erreicht würden.
Viren verändern sich fortlaufend. Manche Varianten vermehren sich besser, sind ansteckender oder werden vom Immunsystem schlechter erkannt. Auch die Impfquote beeinflusst den Saisonverlauf.
Impfungen für Risikogruppen
Die derzeit verwendeten Corona-Impfstoffe schützen laut Protzer auch gegen neu auftretende Varianten. Bei Influenza können sich die Viren stärker verändern; deshalb werden zirkulierende Viren insbesondere auf der Südhalbkugel überwacht und die Impfstoffe angepasst.
Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Grippeimpfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Personen mit Vorerkrankungen, Schwangeren sowie Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen. Eine Impfung gegen Covid-19 und RSV wird Menschen ab 75 Jahren sowie jüngeren Personen mit Grunderkrankungen empfohlen.
Der Aufbau des Impfschutzes dauert etwa zwei Wochen und hält anschließend mehrere Monate. Impfungen bieten Haus- und Betriebsärzte sowie viele Apotheken an. Nach Angaben des Stiko-Vorsitzenden Reinhard Berner sind die Impfquoten seit Jahren zu niedrig, besonders bei gefährdeten Menschen.
Viele Atemwegserkrankungen in der Vorsaison
In der Wintersaison 2025/26 registrierte das Robert Koch-Institut rund 180 Millionen Atemwegserkrankungen, darunter Influenza, Covid-19, RSV, Rhinoviren und saisonale Coronaviren. Kleinkinder erkrankten durchschnittlich 4,6-mal akut an den Atemwegen, Erwachsene ab 60 Jahren 1,3-mal.
Rund 429.000 schwere akute respiratorische Infekte wurden in Kliniken behandelt. Etwa 22.700 Menschen starben. Das RKI stufte die Saison anhand dieser Zahlen als moderat und vergleichbar mit der Entwicklung in anderen Ländern ein.
Warum Atemwegsinfekte im Herbst zunehmen
Mit sinkenden Temperaturen verbringen Menschen mehr Zeit in geschlossenen Räumen. Dadurch wachsen die Kontakte und damit die Möglichkeiten für Viren, sich über Tröpfchen und Aerosole zu verbreiten. Abwasserproben können das Infektionsgeschehen und zirkulierende Varianten weiterhin grob abbilden, ersetzen aber keine vollständige Erfassung einzelner Infektionen.
Die Saison verläuft typischerweise nicht als einheitliche Welle. Erkältungsviren können den Anfang machen; Covid-19 kann bereits im Spätsommer oder Herbst stärker auftreten, während Influenza und RSV häufig später im Jahr an Bedeutung gewinnen. Der genaue Zeitpunkt der Höhepunkte hängt unter anderem von Virusveränderungen, Kontakthäufigkeit und der Impfbereitschaft ab.
Bedeutung für besonders gefährdete Menschen
Für gesunde Menschen verlaufen viele Infektionen mild. Bei älteren Menschen, Schwangeren, Personen mit Vorerkrankungen oder geschwächtem Immunsystem können Atemwegsinfektionen jedoch schwerer verlaufen und Klinikaufenthalte erforderlich machen. Die in der Meldung genannten Impfempfehlungen konzentrieren sich deshalb auf Gruppen mit erhöhtem Risiko.
Praktisch wichtig ist der zeitliche Vorlauf: Der Impfschutz entsteht nicht unmittelbar, sondern benötigt etwa zwei Wochen. Impfungen sind unter anderem in Arztpraxen, bei Betriebsärzten und in vielen Apotheken möglich. Bei Symptomen können Rücksichtnahme, Abstand und eine Maske insbesondere in Innenräumen das Ansteckungsrisiko für andere verringern.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
WEB.DE: „Wem die Stiko die Corona-Impfung empfiehlt“ (06.10.2026)
Der Bericht bestätige den saisonalen Anstieg von Atemwegsinfekten im Herbst und stelle die veränderte Zielgruppe der Covid-19-Impfempfehlung heraus. Anders als die dpa-Meldung konzentriere er sich stärker auf die Einordnung der Varianten und darauf, dass Impfungen gegen Covid-19, Influenza, RSV oder Keuchhusten grundsätzlich kombiniert werden könnten.
MDR: „Gesetzliche Kassen zahlen nur für ältere Covid-Impfstoffe“ (06.10.2026)
Der Artikel bestätige die Bedeutung der Corona-Impfung für Risikogruppen, setze den Schwerpunkt aber auf die Kostenübernahme. Er schreibe, der Impfstoff gegen die derzeit dominierende XFG-Variante müsse vielfach selbst bezahlt werden, während der zentral beschaffte Impfstoff gegen LP.8.1 von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werde; beide Impfstoffe schützten nach Darstellung des Berichts vergleichbar vor schweren Verläufen.
Medienübergreifend werde der Herbst als Beginn einer Phase mit mehr Atemwegskontakten beschrieben. Unterschiede ergäben sich vor allem beim Schwerpunkt: Während die dpa-Meldung die Abfolge mehrerer Virusgruppen und die Impfquoten beleuchte, rückten die Beiträge Impfempfehlungen, Varianten und praktische Kostenfragen in den Vordergrund.
