Atherosklerose, LDL

Atherosklerose: LDL unter 55 mg/ dl kann Ablagerungen zurĂŒckbilden

Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 17:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Medikamente ergÀnzen Statine und ermöglichen bei schwer behandelbaren Patienten niedrigere LDL-Werte.
Nahaufnahme von gesundem menschlichen Arteriengewebe mit glatten GefĂ€ĂŸwĂ€nden in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

GefĂ€ĂŸverengende Ablagerungen in den Arterien mĂŒssen kein unumkehrbares Schicksal sein. Eine RĂŒckbildung der Atherosklerose ist erreichbar, wenn das sogenannte LDL-Cholesterin im Blut unter einen Wert von 55 mg/dl gesenkt wird.

Darauf wies der Kardiologe Silviu Dumitrescu vom UniversitĂ€ts-Notfallkrankenhaus des MilitĂ€rs „Dr. Carol Davila“ in Bukarest hin. Voraussetzung fĂŒr diesen therapeutischen Effekt sei jedoch ein konsequentes und individuell abgestimmtes Therapiemanagement.

Sinkende Grenzwerte und Leitlinienvorgaben

Die Festlegung von Zielwerten fĂŒr das LDL-Cholesterin orientiert sich heute streng am persönlichen kardiovaskulĂ€ren Risiko sowie an der Ă€rztlichen EinschĂ€tzung. Historisch unterlagen diese Richtwerte einem deutlichen Wandel.

Bereits im Jahr 1986 postulierten die Wissenschaftler Goldstein und Brown einen physiologischen LDL-Spiegel von 25 bis 50 mg/dl. Zu dieser Zeit lag das mittlere LDL in der europÀischen Bevölkerung bei etwa 130 bis 140 mg/dl, wÀhrend vor 1990 Werte von bis zu 160 mg/dl noch als normal eingestuft wurden.

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EuropĂ€ische Leitlinien empfehlen inzwischen bei Patienten mit sehr hohem Risiko – beispielsweise nach einem erlittenen Herzinfarkt – einen LDL-Zielwert von unter 55 mg/dl sowie eine Reduktion des Ausgangswerts um mindestens 50 Prozent.

Wie dringlich diese Maßnahmen sind, unterstreichen globale Statistiken: Weltweit sterben jĂ€hrlich fast 18 Millionen Menschen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen, wobei ĂŒber vier FĂŒnftel dieser TodesfĂ€lle auf Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle zurĂŒckzufĂŒhren sind.

Erweiterte Optionen in der medikamentösen Therapie

Statine bilden nach wie vor das Fundament der lipidsenkenden Therapie. Eine Metaanalyse der Cholesterol Treatment Trialists' Collaboration (CTT), die 19 placebokontrollierte Studien mit 123.940 Teilnehmenden und einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 4,5 Jahren untersuchte, bestĂ€tigte deren VertrĂ€glichkeit: Von 66 untersuchten Nebenwirkungen blieben lediglich vier statistisch signifikant, darunter ein geringfĂŒgiger Anstieg von Leberenzymen. FĂŒr kognitive BeeintrĂ€chtigungen, Depressionen oder Schlafstörungen fanden sich keine Belege.

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Gleichzeitig erweitern neue Wirkstoffklassen das Spektrum zur Cholesterinsenkung. Auf dem Fachkongress Cardiacto 2026 in Palermo stellte Professor Alberto Corsini von der UniversitĂ€t Mailand neue Strategien vor. Monoklonale Antikörper ergĂ€nzen die Standardtherapie wirksam bei Patienten mit sehr hohem Risiko und in der SekundĂ€rprĂ€vention; mittlerweile liegen zudem Daten fĂŒr Hochrisikopatienten ohne vorherige kardiovaskulĂ€re Ereignisse vor.

Einen weiteren Entwicklungsschritt markiert der Wirkstoff Enlicitid. Als erste orale Version eines PCSK9-Hemmers erhielt die Tablette im Juli die Zulassung durch die US-Arzneimittelbehörde FDA. Die einmal tÀgliche Einnahme senkt das LDL-Cholesterin um fast 60 Prozent und erzielt damit vergleichbare Effekte wie injizierbare PCSK9-Inhibitoren.

Nach Angaben von Dr. Robert H. Shmerling von der UniversitĂ€t Harvard eignet sich dieser Ansatz besonders fĂŒr Patienten, deren LDL-Werte trotz maximaler Statintherapie ĂŒber den Empfehlungen verbleiben.

ErgĂ€nzend kommen fĂŒr seltene Indikationen wie die homozygote familiĂ€re HypercholesterinĂ€mie Substanzen wie Lomitapid zum Einsatz, das die VLDL-Ausschleusung in der Leber hemmt und das LDL-Cholesterin in Studien zusĂ€tzlich um mehr als 50 Prozent verringerte.

Neue therapeutische Möglichkeiten erlauben es FachĂ€rzten somit zunehmend, auch bei schwer einstellbaren Patienten jene niedrigen LDL-Spiegel zu erreichen, die fĂŒr einen Stillstand oder gar die RĂŒckbildung atherosklerotischer Plaques erforderlich sind.

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