Atherosklerose und Aortenaneurysma: ACADM trennt zwei GefĂ€Ăkrankheiten
Veröffentlicht am: 02.11.2026 um 18:02 Uhr | Redaktion boerse-global.deNeue wissenschaftliche Untersuchungen liefern vertiefte Einblicke in die molekularen Mechanismen vaskulÀrer Erkrankungen. Eine im Fachjournal European Heart Journal veröffentlichte Forschungsarbeit unter der Leitung von Zhang und Kollegen verdeutlicht, dass die durch das Enzym ACADM vermittelte FettsÀure-?-Oxidation eine entscheidende funktionelle Trennlinie zwischen der Atherosklerose und dem Bauchaortenaneurysma darstellt.
WĂ€hrend bei der Atherosklerose neutrale Lipide wie Triglyceride und Cholesterinester dominieren, lassen sich beim Bauchaortenaneurysma vorwiegend Phosphoglyceride nachweisen.
Differenzierte Lipidprofile und Machine-Learning-Diagnostik
Die Analyse von Daten der UK-Biobank untermauert diese biochemischen Unterschiede auf epidemiologischer Ebene. Serumkonzentrationen von Triglyceriden, Cholesterin und FettsÀuren korrelieren demnach positiv mit dem Auftreten der koronaren Herzkrankheit. Im Gegensatz dazu stehen Phosphoglyceride in einer inversen Korrelation zum Risiko eines Bauchaortenaneurysmas.
Auf zellulÀrer Ebene beobachtete das Forschungsteam um Zhang, dass die ACADM-vermittelte FettsÀure-?-Oxidation bei Vorliegen einer Atherosklerose vermindert ist, wohingegen sie beim Bauchaortenaneurysma kaum beeintrÀchtigt wird.
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Eine gezielte Wiederherstellung der ACADM-AktivitÀt bremste im Experiment das Fortschreiten der Atherosklerose, indem sie LipotoxizitÀt reduzierte und die Funktion der Mitochondrien stabilisierte. Auf das Bauchaortenaneurysma zeigte diese Intervention hingegen kaum Auswirkungen.
Aufbauend auf diesen spezifischen Lipidmustern entwickelte die Arbeitsgruppe ein Machine-Learning-Modell, das eine hochprÀzise Differenzierung zwischen den beiden vaskulÀren Krankheitsbildern ermöglicht.
Autoantikörper und Immunmechanismen treiben GefĂ€ĂverĂ€nderungen
Parallel dazu beleuchtet ein internationales Konsortium unter deutsch-chinesischer Leitung in der Fachzeitschrift Nature Cardiovascular Research immunologische Treiber der GefĂ€Ăverkalkung. Die Forscher um C. Zhang identifizierten Autoantikörper gegen Histon 2B sowie weitere körpereigene Proteine.
Der experimentelle Transfer dieser Antikörper sowie eine gezielte Impfung mit Histon 2B fĂŒhrten im Mausmodell zu einer verstĂ€rkten AusprĂ€gung der Atherosklerose. Die Relevanz dieser Mechanismen fĂŒr den Menschen bestĂ€tigte sich in einer begleitenden klinischen Untersuchung an 495 Patienten, ĂŒber welche die Ludwig-Maximilians-UniversitĂ€t MĂŒnchen berichtete.
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Weitere AufschlĂŒsse ĂŒber entzĂŒndliche Signalwege liefert eine Studie von Jiacheng Chen, Li Jiang, Fengying Zhang, Yan Luo, Bibiao Shen und Kollegen im Fachjournal International Immunopharmacology. Ihre Daten zeigen, dass hĂ€matopoetisches HCAR2 gefĂ€ĂschĂ€digende Prozesse dĂ€mpft. Dieser Schutzmechanismus wird ĂŒber den AMPK/ABCA1-Signalweg vermittelt und verbessert die Efferozytose, also die Beseitigung abgestorbener Zellen im Gewebe.
Verbindungsglied zwischen chronischer EntzĂŒndung und GefĂ€Ărisiko
ErgĂ€nzend dazu beschreibt eine Untersuchung zum Peptid LL-37 einen direktem Zusammenhang zwischen systemischen EntzĂŒndungen und kardiovaskulĂ€ren SchĂ€den. Das aus 37 AminosĂ€uren bestehende Peptid lagert sich an LDL-Partikel an und bildet Komplexe. Diese LL-37-LDL-Verbindungen werden ĂŒber die Rezeptoren LDLR, SR-B1 sowie CD36 verstĂ€rkt von Makrophagen und Endothelzellen in den ArterienwĂ€nden aufgenommen.
Die daraus resultierende, beschleunigte Anreicherung von Cholesterin gilt als ein wesentliches SchlĂŒsselereignis bei der Entstehung von Arteriosklerose.
Laut der Untersuchung liefert dieser Mechanismus eine biochemische ErklĂ€rung dafĂŒr, warum Patienten mit chronisch-entzĂŒndlichen Erkrankungen wie Psoriasis, rheumatoider Arthritis oder chronisch-entzĂŒndlichen Darmerkrankungen infolge erhöhter LL-37-Spiegel ein gesteigertes Risiko fĂŒr Herz-Kreislauf-Erkrankungen aufweisen.
