Atlas-Hand, Freiheitsgrade

Atlas-Hand: 13 Freiheitsgrade statt 7 sollen Greifen und Steuerung verbessern

Veröffentlicht am: 13.10.2026 um 23:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der Prototyp vereinfacht den Greiferaufbau und setzt auf modulare Komponenten; ein Serieneinsatz ist bislang nicht erfolgt.

Boston Dynamics zeigt Atlas-Hand mit vier Fingern für die Serienfertigung
Eine Werkbank mit präzisen mechanischen Bauteilen und Aktuatoren in einer industriellen Fertigungsumgebung. Illustration mit AI erstellt.

Das US-amerikanische Robotikunternehmen Boston Dynamics hat am 1. Oktober 2026 einen neuen Hand-Prototyp für seinen humanoiden Roboter Atlas vorgestellt. Die Neuentwicklung bricht mit dem rein menschenähnlichen Ansatz und setzt auf ein vierfingriges Design mit drei Fingern und einem Daumen. Durch den Verzicht auf den kleinen Finger soll die Hand mechanisch vereinfacht und gezielt für die künftige industrielle Serienproduktion optimiert werden.

Abschied vom fünften Finger für mehr Effizienz

Die neue Greifhand verfügt über 13 Freiheitsgrade, was fast einer Verdopplung gegenüber den 7 Freiheitsgraden des Vorgängermodells entspricht. Während der Daumen mit 4 Freiheitsgraden beweglich ist, entfallen auf die übrigen drei Finger jeweils 3 Freiheitsgrade.

Nach Angaben von Dylan Thrush habe die Beweglichkeit eines kleinen Fingers den zusätzlichen Aufwand von drei Gelenken nicht gerechtfertigt, da ein Layout mit fünf Fingern 16 Freiheitsgrade erfordert hätte.

Zudem hatte CTO Zack Jackowski das Team angewiesen, den Ring- und Kleinfinger im Experiment einen Tag lang zusammenzubinden, um den praktischen Nutzen zu testen. Ingenieure klebten auch eigene Finger ab, wobei sich zeigte, dass der fünfte Finger für Werkzeuge und Feinmanipulation kaum Vorteile bot.

Jedes Gelenk wird von einem einheitlichen Aktuatortyp angetrieben. Insgesamt kommen 13 identische, voll gekapselte Aktuatoren zum Einsatz, wodurch anfällige Kabelverbindungen über die Gelenke und bruchanfällige Sehnen entfallen. An den Fingerspitzen und auf der Handfläche sind drucksensitive Taktilsensoren integriert. Die Stärke entspricht dem Vorgänger, frühere Hände konnten über 100 Pfund heben.

Für die Entwickler stand jedoch nicht die maximale Kraft im Fokus, sondern die Transparenz und Steuerbarkeit für Simulationen und Bestärkendes Lernen. In ersten Vorführungen demonstrierte die Hand das Einsetzen eines Bohrer-Bits, In-Hand-Manipulationen wie das Drehen von Gegenständen sowie das Drehen von Muttern auf Bolzen.

Fokus auf Modularität und industrielle Skalierung

Die Überarbeitung markiert nach Branchenanalysen einen strategischen Wechsel weg von reiner Fähigkeitsmaximierung hin zur Fertigungsoptimierung. Alle Finger außer dem Daumen sowie die Motorpakete sind als modulare Einheiten austauschbar, während die Spreizweite der Finger die einer menschlichen Hand übertrifft.

Zudem weisen Analysen auf eine rechnerische Senkung der Stückkosten um rund 30 bis 40 Prozent hin. Boston Dynamics selbst veröffentlichte bisher weder Stückkosten noch Gewicht, Nutzlast oder Zykluslebensdauern.

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Alberto Rodriguez, Leiter für Roboterverhalten bei Boston Dynamics, nannte als langfristiges Ziel die Fertigung von 100.000 Händen pro Jahr. Er wies zugleich darauf hin, dass die Hardware derzeit noch kein Serienprodukt sei und Langzeitprobleme oft erst nach rund 1.000 Einsätzen sichtbar würden.

Das System wurde am Hauptsitz getestet, jedoch noch nicht auf der gesamten Flotte ausgerollt. Prognosen gehen von einem Flotteneinsatz im zweiten Quartal 2027 und ersten kommerziellen Deployments Ende 2027 aus. Parallel ordnet sich das Unternehmen personell neu: Rohit Prasad, zuvor bei Amazon tätig, übernahm mit Wirkung zum 7. Oktober 2026 den CEO-Posten des Unternehmens.

Branchenweiter Wettlauf um praxistaugliche Robotergreifsysteme

Greifwerkzeuge gelten branchenweit als eine der größten Hürden für humanoide Roboter. Tesla-Chef Elon Musk bezeichnete die Konstruktion von Roboterhänden als außerordentlich schwierig und verwies darauf, dass Tesla langfristig eine Million Einheiten seines Optimus-Roboters pro Jahr anstrebe.

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Während Tesla bei Optimus auf fünf Finger, 22 Freiheitsgrade und ein sehnenbasiertes Kabelsystem setzt, identifizierten Marktbeobachter und Analysten die manuelle Montage von mehr als 100 Miniaturteilen als Engpass der Produktion.

Der Mutterkonzern Hyundai strebt für Atlas ein Fabrik-Deployment und die Volumenproduktion bis 2028 an. Bis zu diesem Zeitpunkt erwartet Boston Dynamics eine jährliche Produktionskapazität von 30.000 Atlas-Robotern. Das veränderte Handkonzept bildet einen zentralen Baustein, um diese Stückzahlen technisch beherrschbar zu machen.

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