Atlas-Hand, GR3

Atlas-Hand GR3: Vier Finger und 13 Freiheitsgrade für präzise Arbeit

Veröffentlicht am: 05.10.2026 um 19:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Boston Dynamics präsentierte eine neue Atlas-Greifhand; Hyundai plant bis 2028 eine US-Fabrik für jährlich bis zu 30.000 Roboter.

Hyundai plant US-Roboterfabrik: Atlas soll in die Serienfertigung
Moderne, hochtechnisierte Fertigungslinie in einer Automobilfabrik mit mechanischen Roboterarmen in einer Industriehalle. Illustration mit AI erstellt.

Die Automatisierung in der industriellen Fertigung erreicht eine neue Phase, in der humanoide Systeme zunehmend für reale Produktionsumgebungen vorbereitet werden.

Während Boston Dynamics am 1. Oktober 2026 eine Neuentwicklung bei den Manipulationsfähigkeiten des humanoiden Roboters Atlas präsentierte, zeichnen sich nun auch die konkreten Dimensionen für die industrielle Großserie ab: Der Automobilkonzern Hyundai plant bis 2028 eine eigene Fabrik in den USA, die eine jährliche Produktionskapazität von bis zu 30.000 Robotern erreichen soll. Zudem beabsichtigen Hyundai und Kia den Einsatz von 25.000 Atlas-Einheiten in den eigenen Werken.

Konstruktion mit vier Fingern und 13 Freiheitsgraden

Grundlage für den praktischen Einsatz in Werkshallen sind feinfühlige Greifwerkzeuge. Die am 1. Oktober 2026 von Boston Dynamics vorgestellte Hand trägt die interne Bezeichnung GR3 und löst das Vorgängermodell GR2 ab.

Während die frühere Variante über sieben Freiheitsgrade verfügte, bietet die GR3-Hand 13 Freiheitsgrade. Diese verteilen sich auf vier Finger: Der Daumen verfügt über vier Freiheitsgrade, während die übrigen drei Finger mit jeweils drei Freiheitsgraden ausgestattet sind.

Anzeige

Robotik und KI verändern die industrielle Fertigung grundlegend und schaffen völlig neue Marktbedingungen. In diesem kostenlosen Report erfahren Sie, welche Unternehmen von den Milliarden-Investitionen in diese Zukunftstechnologien am stärksten profitieren. Profiteure der neuen Industrieära jetzt entdecken

Das Unternehmen begründete den bewussten Verzicht auf einen fünften Finger mit der Reduzierung von Komplexität, Kosten und Ausfallrisiken. Ein kleiner Finger hätte den Energieverbrauch und den Konstruktionsaufwand unverhältnismäßig erhöht. Laut Berichten testete ein Ingenieur die praktische Machbarkeit zuvor einen vollen Arbeitstag lang mit an den Ringfinger geklebter Handkante.

Konstruktiv setzt die Neuentwicklung auf einen einheitlichen Aktuatortyp, Direktantriebe sowie rücktreibbare Gelenke. Druckempfindliche Sensoren an den Fingerspitzen sowie auf der Handfläche liefern taktiles Feedback. Bei den Abmessungen orientiert sich die Baugruppe an einer großen menschlichen Hand, soll jedoch Lasten von mehr als 45 Kilogramm tragen können.

Werkzeugeinsatz und Software-Training

Die Funktionalität zielt auf industrielle Standardwerkzeuge ab. Nach Angaben von Boston Dynamics kann die Greifhand Arbeitsmittel wie Bohrmaschinen, Hochdrehmoment-Schrauber, Schleifgeräte, Nagelpistolen und Schweißbrenner führen. In Demonstrationen zeigte das System unter anderem das Bohren in Holz, das manuelle Anziehen einer Mutter sowie die feine Koordination beim gleichzeitigen Bewegen zweier Golfbälle in einer Hand.

Anzeige

Der technologische Umbruch in der Industrie durch KI und Robotik bietet weitreichende Chancen für vorausschauende Anleger. Ein aktueller Spezialreport analysiert die Unternehmen, die diesen Wandel bereits heute erfolgreich vollziehen. Kostenlosen Report zur industriellen Revolution herunterladen

Für das Einlernen der Bewegungsabläufe kommt simulationsbasiertes Reinforcement Learning zum Einsatz. Bei diesem sogenannten Sim-to-Real-Training werden Steuerungsmodelle virtuell vortrainiert und anschließend auf die physische Hardware übertragen. Boston Dynamics meldete hierbei erste vielversprechende Resultate, nannte bislang jedoch keine genauen Erfolgsquoten oder Versuchsanzahlen.

Zeitplan für den industriellen Rollout

Die Skalierung in Richtung Serienfertigung wird durch modulare und vereinfachte Komponenten unterstützt, was auch die spätere Wartung erleichtern soll. Für den operativen Einsatz existiert ein mehrstufiger Zeitplan: Atlas trainiert derzeit im Robotics Metaplant Application Center im Hyundai-Werk HMGMA im US-Bundesstaat Georgia.

Dort ist ab 2028 zunächst die Übernahme von Aufgaben in der Teilesortierung und Materialbereitstellung vorgesehen, bevor ab 2030 die Erweiterung auf komplexe Teilemontagen folgen soll. Wie aus Berichten vom 3. Oktober 2026 hervorgeht, bereitet das Unternehmen darüber hinaus bereits für 2027 Einsätze in der Luftfahrtindustrie, der Halbleiterfertigung sowie im Logistiksektor vor.

Disclaimer...

de | wissenschaft | 70235578 |