Atomic Arch: Großangriff auf Linux-AUR mit Rootkit am 11. Juni
13.06.2026 - 19:46:52 | boerse-global.de
Angreifer haben am 11. Juni 2026 das Arch User Repository (AUR) ins Visier genommen und Hunderte verwaiste Pakete gekapert. Die als „Atomic Arch“ bekannte Kampagne verbreitet einen hochentwickelten Rust-basierten Datendieb – und optional ein Rootkit, das selbst erfahrene Administratoren übersehen könnten.
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Wie die Angreifer vorgingen
Die Taktik ist perfide: Das AUR erlaubt es Entwicklern, verwaiste Pakete zu übernehmen – also Projekte, deren ursprüngliche Betreuer sie nicht mehr pflegen. Genau diese Lücke nutzten die Angreifer aus. Sie übernahmen die verlassenen Projekte und manipulierten die Build-Skripte, genauer gesagt die PKGBUILD- und .install-Dateien.
Sicherheitsforscher von Sonatype entdeckten, dass die modifizierten Skripte beim Bauprozess heimlich schädliche Abhängigkeiten installierten. In der ersten Angriffswelle war das ein npm-Paket namens atomic-lockfile. Eine zweite Welle nutzte ein Bun-basiertes Paket namens js-digest. Beide enthielten eine Linux-ELF-Binärdatei – den Rust-basierten Infostealer namens deps.
Besonders dreist: Die Angreifer fälschten Commit-Metadaten, sodass die bösartigen Änderungen von vertrauenswürdigen Herausgebern zu stammen schienen. Zu den bestätigt kompromittierten Paketen gehören alvr und premake-git.
Was der Datendieb stiehlt
Der Schaden könnte enorm sein. Der Infostealer zielt gezielt auf Entwickler-Systeme und sammelt:
- Browser-Daten: Cookies und Sitzungen von Chromium-basierten Browsern
- Messenger-Zugänge: Daten aus Slack, Discord, Microsoft Teams und Telegram
- Hochwertige Secrets: SSH-Schlüssel, Shell-Historien, GitHub- und npm-Tokens sowie HashiCorp-Vault-Zugänge
- Container-Zugänge: Anmeldedaten für Docker, Podman und diverse VPN-Dienste
- Cloud-Zugänge: AWS-, Google-Cloud- und Azure-Anmeldeinformationen
Die gestohlenen Daten werden per HTTP an temp.sh geschickt. Zudem kommuniziert die Malware mit einem Command-and-Control-Server über einen Tor-Onion-Dienst.
Die unsichtbare Gefahr: eBPF-Rootkit
Läuft die Malware mit Root-Rechten, wird es richtig gefährlich. Dann installiert sie ein eBPF-basiertes Rootkit. Dieses nutzt BPF-Maps, um schädliche Prozesse vor Überwachungstools zu verstecken – eine Entdeckung wird massiv erschwert.
Sonatype bewertet die Bedrohung mit einem CVSS-Score von 8,7 (hoch kritisch) und führt sie unter der Kennung Sonatype-2026-003775.
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Größere Zusammenhänge: Hades-Kampagne parallel aktiv
Die Atomic-Arch-Kampagne ist kein Einzelfall. Nur einen Tag später, am 12. Juni 2026, meldeten Forscher von Orca Security die Hades-Kampagne. Sie traf 26 PyPI-Pakete und nutzte Python-Startup-Hooks, um Cloud-Zugangsdaten zu stehlen. Auch hier kam die Bun-JavaScript-Laufzeitumgebung zum Einsatz – ein Trend zu sprachübergreifender Malware-Verteilung zeichnet sich ab.
Reaktion und Schutzmaßnahmen
Die Arch-Linux-Betreuer haben reagiert: Sie entfernen bösartige Commits und setzen betroffene Pakete auf den letzten bekannten sauberen Zustand zurück. Ein Community-Erkennungsskript ist auf GitHub verfügbar.
Sicherheitsexperten raten dringend:
- Wer seit dem 11. Juni 2026 AUR-Pakete installiert oder aktualisiert hat, sollte seine Systeme sofort überprüfen
- Alle Zugangsdaten und Tokens müssen rotiert werden
- Wurden die Build-Skripte mit Root-Rechten ausgeführt, empfehlen Analysten eine komplette Neuinstallation von einem vertrauenswürdigen Medium – nur so lassen sich potenzielle eBPF-Rootkits oder persistente systemd-Dienste sicher entfernen
Die Community steht vor einer ihrer größten Sicherheitsherausforderungen. Denn eines ist klar: Supply-Chain-Angriffe dieser Qualität werden nicht die letzten bleiben.
