Aufmerksamkeit, Entzündung

Aufmerksamkeit lindert Entzündung: Studie zeigt 90%-Effekt

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 02:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Israelische Forscher zeigen: Bewusste Fokussierung auf entzündete Hautstellen schwächt die Immunreaktion um das 1,5-fache ab.

Studie: Gezielte Aufmerksamkeit kann Hautentzündungen messbar reduzieren
Eine Person mit geschlossenen Augen konzentriert sich auf ihren Unterarm, um die physiologische Entzündungsreaktion zu beeinflussen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Eine im August 2026 in der Fachzeitschrift „Nature Human Behaviour" veröffentlichte Studie von Forschern der Bar-Ilan-Universität in Israel deutet darauf hin, dass gezielte Aufmerksamkeit auf eine entzündete Hautstelle die körperliche Entzündungsreaktion messbar abschwächen kann.

Die Untersuchung unter Leitung von Dr. Liron Rozenkrantz, an der auch die Forscher Mizrachi und Rottem beteiligt waren, kommt zu dem Ergebnis, dass die Reaktion bei etwa 90 Prozent der Teilnehmer geringer ausfiel, wenn diese ihre Aufmerksamkeit bewusst auf die betroffene Stelle richteten.

Aufbau der Untersuchung

Für die Studie wurden 57 gesunde Probanden in drei separaten Experimenten untersucht. Die Forscher verglichen dabei Situationen, in denen die Teilnehmer ihre Aufmerksamkeit gezielt auf eine entzündete Hautpartie lenkten, mit Situationen, in denen sie abgelenkt waren. Das Ergebnis: Die Entzündungsreaktion fiel bei gerichteter Aufmerksamkeit etwa 1,5-mal schwächer aus als bei Ablenkung, und die Rückbildung der Entzündung verlief zudem schneller.

Zwei mögliche Wirkmechanismen

Die Autoren führen den beobachteten Effekt auf zwei unterschiedliche Mechanismen zurück. Zum einen spielen demnach sensorische Signale eine Rolle, zum anderen eine sogenannte Top-down-Steuerung, bei der höhere kognitive Prozesse Einfluss auf körperliche Reaktionen nehmen.

Diese Kombination aus bewusster Wahrnehmung und übergeordneter neuronaler Kontrolle könnte erklären, warum sich der bloße Akt der Aufmerksamkeitslenkung auf physiologischer Ebene niederschlägt.

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Bemerkenswert ist zudem ein Befund aus einem der Experimente: Der Effekt zeigte sich auch dann, wenn die betroffene Hautstelle zuvor lokal betäubt worden war.

Da in diesem Fall die üblichen sensorischen Signale von der Haut zumindest teilweise ausgeschaltet waren, deutet dies laut den Forschern auf einen zusätzlichen, vagalen beziehungsweise autonomen Mechanismus hin – also auf eine Beteiligung des vegetativen Nervensystems, das unabhängig von bewusster Wahrnehmung Körperfunktionen reguliert.

Grenzen der Erkenntnisse

Trotz der auf den ersten Blick deutlichen Effektstärke mahnen die Studienautoren zur Vorsicht bei der Interpretation. Bislang liegt kein Beleg dafür vor, dass sich der beobachtete Zusammenhang auch auf chronische Entzündungsprozesse übertragen lässt.

Die Untersuchung fand an gesunden Probanden mit akuten, experimentell ausgelösten Entzündungsreaktionen statt – eine grundsätzlich andere Ausgangslage als bei chronisch-entzündlichen Erkrankungen, die Millionen Menschen betreffen und oft über Jahre bestehen.

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Einordnung für die Forschung

Die Ergebnisse der Bar-Ilan-Universität reihen sich in ein wachsendes Forschungsfeld ein, das die Wechselwirkung zwischen psychologischen Zuständen und körperlichen Entzündungsprozessen untersucht.

Sollten sich die Befunde in weiteren Studien bestätigen und auf andere Anwendungsfälle übertragen lassen, könnten sie langfristig neue Ansatzpunkte für ergänzende, nicht-medikamentöse Strategien im Umgang mit Entzündungsreaktionen liefern.

Für gesicherte klinische Empfehlungen, insbesondere im Bereich chronischer Entzündungserkrankungen, ist es nach aktuellem Forschungsstand jedoch noch zu früh. Weitere Untersuchungen müssten zeigen, ob sich die beobachteten Mechanismen auch außerhalb kontrollierter Laborbedingungen und bei anderen Patientengruppen nachweisen lassen.

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