Augen-KI, FDA-Produkte

Augen-KI: Nur 0,2% der FDA-Produkte auf echte Wirkung getestet

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 03:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de

ZEISS CLINIC 360 erhÀlt FDA-Zulassung, wÀhrend Studien KI-Diagnostik und die mangelnde klinische Validierung solcher Systeme beleuchten.

ZEISS erhĂ€lt FDA-Zulassung fĂŒr Cloud-Software: KI-Screening-Systeme im Aufwind
Ein Augenarzt untersucht in einer modernen Praxis mit einem Spaltlampenmikroskop das Auge eines Patienten. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die Augenheilkunde durchlĂ€uft eine Phase spĂŒrbarer technologischer Verdichtung. Cloud-basierte Analyseplattformen, smartphonebasierte Diagnosesysteme und neue Regelungen zur Nutzung von Patientendaten prĂ€gen derzeit die Debatte darĂŒber, wie Screening-Prozesse effizienter und zugĂ€nglicher werden können. Gleichzeitig mahnen wissenschaftliche Untersuchungen zu Vorsicht bei der klinischen Validierung solcher Systeme.

ZEISS erhĂ€lt FDA-Zulassung fĂŒr cloud-basierte Analysesoftware

Im August 2026 erteilte die US-Arzneimittelbehörde FDA dem Unternehmen ZEISS eine 510(k)-Zulassung der Klasse II fĂŒr die Software ZEISS CLINIC 360. Das System handelt es sich um eine cloud-basierte Analyseplattform fĂŒr ophthalmologische ArbeitsablĂ€ufe, die Patientendaten sowohl von ZEISS-eigenen als auch von GerĂ€ten anderer Hersteller zusammenfĂŒhrt.

Eine zentrale Funktion ist die farbcodierte Darstellung der Glaukom-Progression, mit der Behandelnde den Krankheitsverlauf schneller einschÀtzen können sollen.

Laut Angaben rund um die Zulassung soll die Software ab FrĂŒhherbst 2026 im Abo-Modell verfĂŒgbar sein und neben der Progressionsanalyse auch Funktionen zur BehandlungsunterstĂŒtzung und zur Steigerung der Workflow-Effizienz in Praxen und Klinik bieten.

Smartphonebasierte KI-Diagnostik aus Indien

Parallel dazu berichtete eine im European Journal of Ophthalmology veröffentlichte Studie ĂŒber ein smartphonebasiertes KI-System namens Medios-AI, das in einer Untersuchung an 193 Erwachsenen beziehungsweise 371 Augen in Pune getestet wurde.

Das System soll diabetische Retinopathie, Glaukom und altersbedingte Makuladegeneration mit hoher Genauigkeit erkennen und dabei offline funktionieren – ein Vorteil fĂŒr Regionen mit eingeschrĂ€nkter Internetanbindung.

Die Studie wurde unter anderem von Dr. Aditya Kelkar vom NIO Super Specialty Hospital mitverfasst. Das System verfĂŒgt bereits ĂŒber eine Zulassung der indischen Behörde CDSCO sowie ĂŒber eine CE-Kennzeichnung der Klasse II.

Ultraschnelle OCT-Bildgebung aus China

Auf der Fachveranstaltung Retina China 2026 prĂ€sentierte das Unternehmen Intalight?? im August 2026 seine Multi-Modal-Imaging-Plattform "????" sowie das OCT-GerĂ€t "??600", das nach eigenen Angaben 600.000 Scans pro Sekunde durchfĂŒhrt und fĂŒr eine Ultraweitwinkel-OCTA-Aufnahme mit 150 Grad lediglich fĂŒnf Sekunden benötigt.

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Das Unternehmen bewirbt das GerÀt als weltweit erste kommerzielle 600k-OCT-Lösung und verweist auf mehr als 230 wissenschaftliche Publikationen, die im Zusammenhang mit der GerÀteserie entstanden seien.

ValidierungslĂŒcke bei KI-Medizinprodukten

Wie belastbar solche Technologien tatsĂ€chlich sind, bleibt jedoch Gegenstand kritischer Forschung. Eine Untersuchung, veröffentlicht in PLOS Digital Health, analysierte 1.357 von der FDA zugelassene KI-Medizinprodukte und kam zu dem Ergebnis, dass lediglich drei davon – entsprechend 0,2 Prozent – tatsĂ€chlich auf ihre Auswirkungen auf Patientenergebnisse getestet wurden.

Nur 34 Produkte, also 2,5 Prozent, verfĂŒgten ĂŒber registrierte klinische Studien. Die Autoren der Untersuchung fordern deshalb eine gestufte Validierung, um die klinische ZuverlĂ€ssigkeit solcher Systeme besser abzusichern.

Ärztliche Einordnung: KI als Screening-Werkzeug, nicht als Ersatz

Die American Academy of Ophthalmology verweist darauf, dass KI-Algorithmen Retinografien inzwischen in unter einer Minute analysieren und dabei etwa diabetische Retinopathie erkennen können. Die Systeme berechneten dabei jedoch lediglich Wahrscheinlichkeiten, die endgĂŒltige Diagnose bleibe Aufgabe der behandelnden Ärztin oder des Arztes.

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Die Ärztin Marina Crespo Soares von der Unicamp betonte in diesem Zusammenhang, dass eine Diagnose stets eine individuelle klinische Analyse erfordere und KI-Systeme als Screening-Werkzeug zu verstehen seien, nicht als Ersatz Ă€rztlicher Beurteilung.

Einordnung fĂŒr Patientinnen und Patienten

FĂŒr Ă€ltere Menschen und Risikogruppen, die regelmĂ€ĂŸig auf Augenscreenings angewiesen sind, dĂŒrften diese Entwicklungen mittelfristig zu schnelleren und breiter verfĂŒaguaren Untersuchungen fĂŒhren – etwa durch cloud-basierte Auswertungen wie bei ZEISS CLINIC 360 oder offline-fĂ€hige Diagnosetools wie Medios-AI.

Gleichzeitig zeigen die Erkenntnisse aus PLOS Digital Health, dass die regulatorische Zulassung eines Systems nicht automatisch mit einer umfassenden klinischen Validierung gleichzusetzen ist. Fachleute empfehlen daher, KI-gestĂŒtzte Screening-Ergebnisse weiterhin als ErgĂ€nzung und nicht als Ersatz der Ă€rztlichen Untersuchung zu betrachten.

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