Ausbildung: 94% der Azubis nennen praktische Arbeit entscheidend
09.06.2026 - 19:41:41 | boerse-global.de
16.213 Lehrstellen blieben 2025 bundesweit unbesetzt. Die Unternehmen reagieren: Statt nur Fachwissen zu vermitteln, rĂŒcken sie psychische WiderstandsfĂ€higkeit und Motivation ihrer Azubis in den Fokus.
Frust in Lernerfolg verwandeln
Ein zentraler Hebel gegen AusbildungsabbrĂŒche ist der Umgang mit Lernfrust. Experten setzen auf gestĂ€rkte Frustrationstoleranz und eine positive Lernkultur. Mitte Juni bieten Bildungsorganisationen spezielle Formate an, die genau diesen Stoff behandeln.
Die ersten Monate entscheiden oft darĂŒber, ob ein Azubi seine Ausbildung erfolgreich beendet oder vorzeitig abbricht. Dieser kostenlose Leitfaden unterstĂŒtzt Ausbilder mit Strukturen und Empathie-Tipps dabei, NachwuchskrĂ€fte motiviert durch die kritische Anfangsphase zu begleiten. Mehr Azubis halten durch die Probezeit â jetzt Leitfaden sichern
Parallel dazu rĂŒckt die Kommunikation zwischen Ausbildern und Azubis in den Vordergrund. Ein aktueller Schwerpunkt: die professionelle Beobachtung und RĂŒckmeldung. Wer in FeedbackgesprĂ€chen prĂ€zise zwischen objektiver Beobachtung und subjektiver Interpretation unterscheidet, schafft eine sachliche AtmosphĂ€re.
Praxis schlÀgt Theorie
Eine IHK-Umfrage unter rund 5.300 Azubis in Brandenburg zeigt, was wirklich zĂ€hlt: 94 Prozent der Befragten nennen praktische TĂ€tigkeit und VerantwortungsĂŒbernahme als entscheidende Motivationsfaktoren. Die Bindung an den Betrieb ist hoch â 85 Prozent wĂŒrden ihre Ausbildung im eigenen Haus weiterempfehlen.
Die Umfrage offenbart auch die LebensrealitĂ€t: Rund ein Viertel der Azubis fĂ€hrt ein bis zwei Stunden zur Berufsschule. Und wĂ€hrend 62 Prozent KĂŒnstliche Intelligenz in der Freizeit nutzen, kommt KI im Betrieb nur bei 22 Prozent zum Einsatz.
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Vom Azubi zum Chefdenker
Persönlichkeitsentwicklung gewinnt an Bedeutung. Handwerksbetriebe vermitteln nicht nur handwerkliche FĂ€higkeiten, sondern auch Strategie und FĂŒhrung. Das zahlt sich aus: Ein niedersĂ€chsisches Unternehmen erhielt auf 50 Ausbildungsstellen rund 300 Bewerbungen â trotz FachkrĂ€ftemangel.
Auch soziale Vernetzung bindet Azubis ans Unternehmen. Ein 24-Stunden-Mountainbike-Rennen der Firma Herman Hartje oder das âAzubi-Sommerhausâ am Biggesee stĂ€rken das ZusammengehörigkeitsgefĂŒhl.
Der Bewerber hat die Wahl
Recruitingexperte Karsten Poppe sieht einen klaren Wandel: Der Lehrstellenmarkt ist zum Entscheidungsmarkt fĂŒr Bewerber geworden. Junge Talente suchen nach guter AtmosphĂ€re, aktiver UnterstĂŒtzung, authentischen Ansprechpartnern, Sinnhaftigkeit und Zukunftsperspektive.
In Wien zeigt die ĂŒberbetriebliche Lehrausbildung (ĂBA), wie es lĂ€uft: Bei rund 1.100 Jugendlichen in zwölf Fachrichtungen liegt die Abschlussquote bei ĂŒber 80 Prozent, die Dropout-Quote bei etwa zehn Prozent. Allerdings kommen rechnerisch 5,4 Suchende auf eine offene Lehrstelle. 30 bis 40 Prozent der ĂBA-Teilnehmer werden direkt von ihren Praktikumsfirmen ĂŒbernommen.
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