Ausbildung, Azubi

Ausbildung: Fast jeder zweite Azubi leidet unter psychischer Belastung

Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DGB-Ausbildungsreport 2026 zeigt: Fast die Hälfte der Azubis fühlt sich psychisch belastet, die Zufriedenheit sinkt und die Zahl neuer Ausbildungsverträge geht zurück.

DGB-Ausbildungsreport 2026: Psychischer Druck und Unzufriedenheit bei Azubis nehmen zu
Ein erschöpfter Auszubildender sitzt nachdenklich an einem Werkplatz in einer Werkstatt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die Situation junger Nachwuchskräfte in Deutschland ist von zunehmendem Druck und sinkender Zufriedenheit geprägt. Wie aus dem im August 2026 vorgestellten DGB-Ausbildungsreport hervorgeht, fühlt sich knapp die Hälfte der Befragten durch die täglichen Anforderungen psychisch belastet.

Die Untersuchung basiert auf einer Befragung von 13.227 Auszubildenden, die im Zeitraum bis Mai 2026 durchgeführt wurde. Sie gibt Aufschluss über die Arbeitsbedingungen, die finanzielle Lage und die strukturellen Probleme in der beruflichen Bildung.

Leistungsdruck und Personalmangel als zentrale Belastungsfaktoren

Ein zentrales Ergebnis der Erhebung ist das Ausmaß der psychischen Beanspruchung: 49,9 % der befragten Auszubildenden gaben an, sich belastet zu fühlen. Als wesentliche Ursachen identifiziert der Bericht eine Kombination aus Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck. Verschärft wird diese Situation durch einen spürbaren Personalmangel in den Ausbildungsbetrieben.

Die Belastung spiegelt sich auch in den Arbeitszeiten und der Qualität der Anleitung wider. Demnach leisten 35,4 % der Auszubildenden regelmäßig Überstunden. Zudem verrichten 16,3 % der Befragten Tätigkeiten, die nicht ihrem eigentlichen Ausbildungsziel entsprechen – ein Wert, der einen neuen Höchststand markiert.

Besonders kritisch bewerteten die Autoren des Berichts den Umstand, dass 8,9 % der Auszubildenden angaben, über keinen Ausbilder im Betrieb zu verfügen, der sie direkt betreut.

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Sinkende Zufriedenheit und prekäre finanzielle Rahmenbedingungen

Die allgemeinen Arbeitsbedingungen wirken sich unmittelbar auf die Identifikation mit dem gewählten Berufsweg aus. Die Gesamtzufriedenheit mit der Ausbildung ist laut den Daten auf 65,7 % gesunken, was einem deutlichen Rückgang um 5,9 Prozentpunkte im Vergleich zu früheren Erhebungen entspricht.

Für einen Teil der jungen Menschen ist die Ausbildung zudem keine bewusste Entscheidung für einen Wunschberuf: 8,4 % der Befragten bezeichneten ihren aktuellen Ausbildungsplatz als Notlösung.

Neben der inhaltlichen und zeitlichen Belastung stellt die ökonomische Situation eine erhebliche Hürde dar. Der Report zeigt, dass 49,9 % der Auszubildenden unter finanzieller Belastung leiden. Für eine Mehrheit von 65,3 % reicht die Ausbildungsvergütung nicht aus, um ein eigenständiges Leben ohne zusätzliche Unterstützung zu führen.

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Strukturelle Defizite am Ausbildungsmarkt und rückläufige Vertragszahlen

Über die individuelle Situation in den Betrieben hinaus weist der Bericht auf tiefgreifende strukturelle Probleme am deutschen Ausbildungsmarkt hin. Im Jahr 2025 wurden insgesamt 476.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, was einem Rückgang um 2,1 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Gleichzeitig blieben 19,9 % der Bewerber bei ihrer Suche nach einem Ausbildungsplatz erfolglos.

Die langfristigen Folgen dieser Entwicklung zeigen sich in der hohen Zahl junger Menschen ohne formale Qualifikation. Derzeit verfügen 2,76 Millionen junge Erwachsene in Deutschland über keinen Berufsabschluss.

Angesichts der sinkenden Zufriedenheit und der hohen Abbruchrisiken durch psychische Belastungen verdeutlichen die Daten des DGB-Ausbildungsreports 2026 den dringenden Handlungsbedarf bei der Verbesserung der Ausbildungsqualität und der finanziellen Absicherung von Nachwuchskräften.

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