Australien: WhatsApp und Roblox könnten Social-Media-Verbot treffen
30.05.2026 - 13:16:32 | boerse-global.deDie australische Regulierungsbehörde prüft, ob die Plattformen zu „sozial" geworden sind und damit unter das strenge Gesetz fallen.
Schärfere Regeln für digitale Kindersicherheit
Seit Dezember 2025 gilt in Australien eines der weltweit härtesten Gesetze: Kinder unter 16 Jahren dürfen Social-Media-Plattformen nicht mehr nutzen. Betroffen sind bereits Facebook, Instagram, TikTok, Snapchat, Reddit, YouTube, X, Threads, Kick und Twitch. Bei Verstößen drohen den Unternehmen Bußgelder von bis zu 50 Millionen Australischen Dollar – umgerechnet rund 31 Millionen Euro.
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Doch die Liste ist nicht in Stein gemeißelt. Wie die zuständige Kommissarin für Online-Sicherheit am heutigen Samstag bestätigte, werden nun auch Dienste wie WhatsApp und Roblox genauer unter die Lupe genommen. Bislang waren sie von den strengsten Maßnahmen ausgenommen. Sollten sie jedoch zunehmend soziale Netzwerkfunktionen integrieren, könnten sie ihre Sonderstellung verlieren.
Die Regierung begründet das harte Vorgehen mit der besonderen Verletzlichkeit von Kindern unter 16 Jahren. Sie sieht sie als schutzbedürftig gegenüber sogenannten „räuberischen Algorithmen", die gezielt Aufmerksamkeit binden.
Durchsetzung bleibt eine Herausforderung
Trotz des Verbots zeigt sich ein gemischtes Bild. Ein aktueller Bericht der Aufsichtsbehörde offenbart: Fast 70 Prozent der unter 16-Jährigen sind weiterhin auf den gesperrten Plattformen aktiv. Zwar wurden allein im ersten Monat nach Inkrafttreten rund 4,7 Millionen Konten blockiert. Doch die Kehrseite: Teenager zwischen 13 und 17 Jahren nutzen vermehrt VPN-Dienste, um die Sperren zu umgehen.
Die Behörde ermittelt derzeit gegen fünf große Tech-Konzerne – Snapchat, TikTok, YouTube, Instagram und Facebook – wegen möglicher Verstöße. Bislang wurden keine Strafen verhängt. Immerhin: Erste Fortschritte sind erkennbar. So setzen die Plattformen inzwischen strengere Altersverifikationen ein, etwa wenn Nutzer ihr Geburtsdatum ändern wollen. Auch die Altersfreigaben in den App-Stores wurden verschärft.
Internationale Blicke auf Australien
Das australische Modell findet weltweit Beachtung. Der britische Minister für Online-Sicherheit, Kanishka Narayan, reiste Ende Mai nach Australien, um sich vor Ort ein Bild zu machen. Großbritannien will in den kommenden Wochen eigene Maßnahmen ankündigen. Auch andere Länder ziehen nach: Frankreich plant ab September 2026 ein Verbot für unter 15-Jährige. Malaysia und die USA erwägen ähnliche Altersbeschränkungen.
Doch es gibt auch warnende Stimmen. Das UN-Menschenrechtsbüro veröffentlichte am Freitag neue Leitlinien zum Kinderschutz im Netz. UN-Hochkommissar Volker Türk betonte: Verbote und Altersgrenzen seien kein Allheilmittel. Er forderte Regierungen und Tech-Firmen auf, stärker auf Sicherheit durch Design zu setzen. Statt Kinder einfach auszuschließen, sollten suchtfördernde Funktionen wie endloses Scrollen oder Autoplay abgeschafft werden.
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Sport als digitale Alternative
Die australische Regierung setzt nicht nur auf Verbote. Sie investiert umgerechnet rund 127 Millionen Euro in das Programm „Play Our Way". Ziel ist es, Jugendliche durch Sportangebote von den Bildschirmen wegzubekommen.
Eine Umfrage unter rund 1.300 Lesern einer australischen Nachrichtenplattform ergab zwar, dass über 60 Prozent der Teilnehmer das Verbot derzeit für wirkungslos halten. Die Regierung stellt jedoch klar: Die Hauptverantwortung für die Durchsetzung liege bei den Technologiekonzernen – nicht bei Eltern oder Kindern.
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