Autismusforschung: P2Y2-Rezeptor stellt bei MĂ€usen die Durchblutung wieder her
Veröffentlicht am: 03.10.2026 um 07:53 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Autismusforschung galt lange Zeit die Annahme, dass primĂ€r Fehlfunktionen oder Defekte von Nervenzellen fĂŒr die typischen Verhaltensmerkmale verantwortlich sind.
Eine im Fachjournal Neuron veröffentlichte Untersuchung von Forschenden des Ottawa Hospital und der University of Ottawa stellt diesen ErklĂ€rungsansatz nun infrage. Den Erkenntnissen zufolge könnten auch Durchblutungsstörungen im Gehirn manche Autismus-Symptome hervorrufen oder maĂgeblich beeinflussen.
Verminderte Energieversorgung in HirngefĂ€Ăen
Im Zentrum der Forschungsarbeit stand ein Tiermodell mit einer sogenannten 16p11.2-Deletion. Diese spezifische genetische VerĂ€nderung tritt bei rund 2 % der Menschen mit Autismus auf. Bei den untersuchten MĂ€usen stellten die Wissenschaftler fest, dass in den endothelialen HirngefĂ€Ăzellen nur etwa halb so viel Adenosintriphosphat (ATP) vorhanden war wie unter normalen Bedingungen.
Infolge dieses deutlichen Energiemangels waren die GefĂ€Ăwandzellen mangelhaft aktiviert. Dies fĂŒhrte dazu, dass bestimmte Hirnareale wĂ€hrend spezifischer Aufgaben nicht ausreichend mit Blut und NĂ€hrstoffen versorgt werden konnten. Das Zusammenspiel zwischen neuronaler AktivitĂ€t und gezielter GefĂ€Ăerweiterung war somit spĂŒrbar gestört.
Gezielte Aktivierung des P2Y2-Rezeptors
Um diesen GefĂ€Ădefiziten entgegenzuwirken, untersuchte das Forschungsteam die gezielte Stimulation des sogenannten P2Y2-Rezeptors in den Endothelzellen der HirngefĂ€Ăe. Durch die Verabreichung eines entsprechenden Wirkstoffs gelang es den Wissenschaftlern, die Funktion der GefĂ€Ăzellen zu normalisieren und die aufgabenabhĂ€ngige Hirndurchblutung wiederherzustellen.
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In der Folge besserten sich auch die Verhaltenssymptome bei den erwachsenen MĂ€usen beziehungsweise lieĂen sich bestimmte Verhaltensmuster umkehren. FĂŒr diese Versuche griffen die Forschenden auf eine Substanz zurĂŒck, die in Japan und SĂŒdkorea bereits als Medikament gegen trockene Augen zugelassen ist und den P2Y2-Rezeptor aktiviert.
Ăbertragbarkeit auf den Menschen bleibt offen
Trotz der vielversprechenden Beobachtungen im Tiermodell betonen die Wissenschaftler des Ottawa Hospital und der University of Ottawa, dass die Resultate bislang ausschlieĂlich fĂŒr MĂ€use gelten. Geplant sei, insbesondere die Möglichkeiten einer frĂŒhen Behandlung genauer zu erforschen. Klinische Studien an Menschen stehen jedoch noch aus, weshalb Fragen zur tatsĂ€chlichen Wirksamkeit sowie zu potenziellen Nebenwirkungen derzeit unbeantwortet sind.
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Auch Fachleute mahnen zur ZurĂŒckhaltung bei der Verallgemeinerung. So hĂ€lt Nils Brose Durchblutungsstörungen zwar fĂŒr einen möglichen, keineswegs jedoch fĂŒr einen allgemeinen oder alleinigen Auslöser von Autismus. Ob sich die GefĂ€Ăaktivierung ĂŒber den P2Y2-Rezeptor kĂŒnftig als therapeutischer Ansatz beim Menschen eignet, mĂŒssen erst weiterfĂŒhrende Untersuchungen zeigen.
