Autoimmunerkrankungen, Infektionen

Autoimmunerkrankungen: Infektionen erhöhen Schubrisiko um das 7,4-Fache

14.06.2026 - 07:11:35 | boerse-global.de

Wissenschaftler identifizieren neue Biomarker bei Darmerkrankungen und melden positive Studienergebnisse für innovative Wirkstoffe.

Autoimmunforschung Juni 2026: Neue Biomarker und Therapieerfolge
Autoimmunerkrankungen - Nahaufnahme einer menschlichen Zelle mit leuchtenden blauen und roten Partikeln, die Entzündungen und Autoimmunreaktionen darstellen. 14.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Wissenschaftler identifizieren neue Biomarker, entschlüsseln Infektionsrisiken und melden positive Studienergebnisse für innovative Wirkstoffe.

Neue Biomarker bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa

Forscher der Universitäten Oxford, Newcastle und Cambridge haben einen bisher unbekannten Mechanismus bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (CED) entdeckt. In einer Untersuchung von Blut- und Genetikdaten von 4.909 Betroffenen und 1.006 gesunden Probanden fanden sie bei 173 Patienten (3,5 Prozent) spezifische Autoantikörper gegen Interleukin-10 (IL-10). In der gesunden Kontrollgruppe traten diese Antikörper nicht auf.

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IL-10 fungiert im Immunsystem als wichtige Entzündungsbremse. Die Autoantikörper blockieren diese Schutzfunktion und begünstigen chronische Entzündungen. Die Studie zeigt zudem einen Zusammenhang mit der Genvariante HLA-DRB1*01:03, einem bekannten Risikofaktor für Colitis ulcerosa. Die Entdeckung einer klar abgrenzbaren Patientengruppe eröffnet neue Möglichkeiten für diagnostische Bluttests und personalisierte Therapieansätze.

Infektionsrisiken in der Rheumatologie

Das 21. Rheumatologie-Update-Seminar Mitte Juni lieferte kritische Daten zur Mortalität bei rheumatischen Erkrankungen. Schwere Infektionen erhöhen die Sterblichkeit bei Lupus erythematodes, dem VEXAS-Syndrom und Vaskulitiden signifikant. Bei Patienten mit Lupusnephritis starben in einer Langzeitbeobachtung über durchschnittlich 9,6 Jahre drei von vier Patienten an den Folgen von Infektionen.

Eine Amsterdamer Kohorte mit 203 Teilnehmern belegt: Nach einer schweren Infektion steigt das Risiko für einen Krankheitsschub um das 7,4-Fache. Auch bei medikamentösen Therapien zeigen sich Unterschiede. Unter Anifrolumab lag das Zoster-Risiko bei 3,8 Prozent, unter Belimumab bei 1,1 Prozent. Parallel dazu deutet eine schwedische Kohortenstudie darauf hin, dass die systemische Gabe von Glukokortikoiden mit einem erhöhten Darmkrebsrisiko assoziiert sein könnte – besonders bei jüngeren Erwachsenen.

Fortschritte in der klinischen Entwicklung

Das Unternehmen Hutchmed präsentierte auf dem EHA-Kongress in Stockholm positive Ergebnisse einer Phase-III-Studie zu Sovleplenib. Bei der Behandlung der warmen Autoimmunhämolytischen Anämie (wAIHA) erreichte das Medikament ein dauerhaftes Ansprechen bei 66 Prozent der Patienten – in der Placebogruppe waren es nur 15 Prozent. Die Notwendigkeit für Notfalltherapien sank von 54 auf 16 Prozent.

Novartis legte auf einem Fachkongress Daten zur Phase-III-Studie RemIND vor. Der Wirkstoff Remibrutinib (Rhapsido) erreichte die primären Endpunkte bei der Behandlung der chronisch induzierbaren Urtikaria. In den USA wurde bereits ein Zulassungsantrag eingereicht, weitere Einreichungen folgen im Laufe des Jahres 2026.

Neue Bildgebung für Herzinfarkt-Prognosen

Die Medizinische Hochschule Hannover (MHH) liefert neue Ansätze zur personalisierten Prognose nach Herzinfarkten. Mittels CXCR4-PET/CT-Bildgebung wiesen Forscher bei 49 Patienten nach: Eine überschießende Entzündungsreaktion korreliert direkt mit dem Umbau der linken Herzkammer und einer drohenden Herzinsuffizienz.

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„Vision Zero“ für Allergien und Asthma

Auf dem Jahreskongress der European Academy of Allergy and Clinical Immunology (EAACI) in Istanbul rückte die Organisation das Ziel einer „Vision Zero" in den Mittelpunkt. Angestrebt wird eine Zukunft ohne Belastungen durch Allergien und Asthma. Die Experten setzen auf eine Kombination aus wissenschaftlichen Innovationen und gezielten politischen Maßnahmen zur Prävention.

Grundlagenforschung liefert zudem neue Details zur Immunregulation. Forscher der Universität Mainz fanden heraus: Interferon-alpha entfaltet seine Wirkung bei der Blutkrankheit Polycythaemia vera über die Aktivierung natürlicher Killerzellen (NK-Zellen). Diese Erkenntnis könnte NK-Zellen künftig als Biomarker für das Therapieansprechen nutzbar machen.

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