Automatisierung: 59% der Arbeitsstunden in Deutschland ersetzbar
01.06.2026 - 13:09:21 | boerse-global.deDas Ziel: Ein kontinuierlicher Materialfluss bei konstanten Taktzeiten. Manuelle Arbeitsschritte werden systematisch durch automatisierte Abläufe ersetzt.
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Plasmabehandlung trifft Dosiertechnik
Ein zentraler trend ist die Integration spezialisierter Verfahren direkt in die Fertigungslinien. Plasmatreat und Nagel Technologies realisierten im Frühsommer 2026 eine Roboterlösung, die Plasmabehandlung und Dosiertechnik kombiniert. Das System automatisiert Klebeprozesse bei ölgekühlten Elektromotoren.
Eine Rotationsplasmadüse reinigt und aktiviert die Oberflächen inline. Die anschließende Dosierung erreicht eine Präzision von 0,003 bis 1 ml/min.
Auch beim Korrosionsschutz gibt es Fortschritte. In Kooperation mit Linamar entstand ein automatisiertes Plasmaverfahren für Batteriegehäuse, das Dichtstellen inline beschichtet. Eine erste Installation lief bereits 2021 in Tschechien, nun ist die Erweiterung auf weitere Standorte geplant.
In der Halbleiterfertigung entfernen Systeme Oxidschichten ohne Flussmittel. Das sichert maximale Ausbeute bei Powermodulen.
Autonome Roboter in der Logistik
Die Automatisierung erfasst zunehmend auch die Intralogistik. Mitte Juni 2026 startet ein neues Logistikzentrum in Brühl. Auf 24.000 Quadratmetern arbeiten 89 autonome Roboter, die Höhen von bis zu 12 Metern erreichen. Sie bewegen stündlich über 1.600 Behälter. Über 100 Arbeitsplätze bleiben trotzdem erhalten.
Im Rohstoff- und Metallhandel setzen sich Wabenlagersysteme durch. Anfang Juni 2026 wurden solche Systeme für US-Standorte beschrieben. Sie maximieren die Lagerkapazität bei geringer Stellfläche und beschleunigen den Materialumschlag.
Bereits im Februar 2024 demonstrierte ein Industriegase-Spezialist in Unterschleißheim die vollständige Automatisierung von der Behältervorbereitung bis zur Auslieferung – mittels MES-Software und Gantry-Systemen.
KI und Robotik: Milliardenpotenzial
Das wirtschaftliche Potenzial der Automatisierung ist enorm. Laut einer McKinsey-Studie von Anfang Juni 2026 könnten in Deutschland rund 59 Prozent der Arbeitsstunden automatisiert werden. Das Produktivitätspotenzial bis 2030 wird auf 486 Milliarden USD geschätzt.
Der Fertigungssektor ist mit 112 Milliarden USD das größte Segment. Ein Großteil des Wachstums soll durch KI-Agenten kommen.
Startups treiben die Entwicklung voran. Ein Linzer Unternehmen stellte Ende Mai 2026 einen humanoiden Roboter vor. Er ist für repetitive und körperlich anstrengende Aufgaben in Fertigung und Logistik konzipiert. Die Plattform verfügt über mehr als 20 Sensoren. Die Auslieferung ist noch für dieses Jahr geplant.
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Ein weiteres Spezialgebiet ist „Physics AI“. Dabei werden physikalische Prozesse simuliert, um Entwicklungszyklen drastisch zu verkürzen.
Hürden und neue Strategien
Trotz der technologischen Möglichkeiten gibt es Umsetzungshürden. Eine ZVEI-Analyse aus dem Jahr 2026 bescheinigt Deutschland exzellente Forschung und hohes Wertschöpfungspotenzial. Gleichzeitig zeigt sie eine anhaltende Investitionszurückhaltung und wenige Patente.
Bereits in früheren Studien gaben über 60 Prozent der Unternehmen an: Unklarheiten über den wirtschaftlichen Nutzen bremsen Industrie 4.0-Strategien.
Um diese Lücken zu schließen, rückt modernes Shopfloor Management in den Fokus. Ende September 2026 plant die Max Bögl Wind AG eine Fachtagung im Werk Neumarkt. Themen sind der Rollout digitaler Tools, der KI-Einsatz in der Produktion und eine Problemlösungskultur.
Ressourcenschonende Verfahren gewinnen ebenfalls an Bedeutung. Eine im April 2026 vorgestellte Schneestrahltechnologie nutzt recyceltes CO2 für trockene Reinigung in der Elektronikfertigung – ohne Wasser oder zusätzliche Trocknungsprozesse.
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