Autonomes Fahren: Milliarden-Investitionen trotz schwerer RĂŒckschlĂ€ge
18.05.2026 - 10:47:29 | boerse-global.de
WÀhrend Waymo und Tesla mit Pannen und UnfÀllen kÀmpfen, pumpen Hersteller Milliarden in neue Chip-Generationen und KI-Systeme. Der Weg zum fahrerlosen Auto bleibt steiniger als gedacht.
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Waymo-RĂŒckruf und Teslas Unfall-Daten
Die Grenzen aktueller Systeme zeigen sich in den USA besonders deutlich. Am 20. April 2026 lenkte ein Softwarefehler einen fahrerlosen Waymo-Robotaxi in San Antonio in einen ĂŒberfluteten Bach. Die Folge: ein RĂŒckruf von rund 3.800 Fahrzeugen der fĂŒnften und sechsten Generation. Waymo arbeitet an Software-Updates fĂŒr Extremwetter, betont aber, dass der Betrieb in KernstĂ€dten wie Phoenix ungestört lĂ€uft.
Zuvor hatten Anwohner im Atlantaer Stadtteil Buckhead Dutzende leere Waymo-Fahrzeuge gemeldet, die im Kreisverkehr unterwegs waren. Rund 50 Robotaxis wurden in einem einzigen Wohngebiet gezĂ€hlt. Waymo verspricht, die RoutenfĂŒhrung angepasst zu haben.
Parallel dazu lieferte Tesla seltene Transparenz: Der Hersteller veröffentlichte Details zu 17 UnfĂ€llen seiner Robotaxi-Prototypen in Austin. Die VorfĂ€lle zwischen Juli 2025 und MĂ€rz 2026 offenbaren SchwĂ€chen in der Objekterkennung bei niedrigen Geschwindigkeiten. Die rein kamerabasierte Technik hatte Probleme mit Ketten, AnhĂ€ngern, Pollern und Bordsteinen. In zwei FĂ€llen fĂŒhrte der Einsatz von Fernhilfe sogar zu Kollisionen mit feststehenden Hindernissen.
Neue Chip-Generationen als Gamechanger
Die Industrie setzt auf massive Rechenleistung. XPeng stellte sein VLA 2.0-System vor, das seit MĂ€rz 2026 per Over-the-Air-Update in den Modellen P7, G7 und X9 Ultra verfĂŒgbar ist. HerzstĂŒck ist der firmeneigene Turing-AI-Chip mit beeindruckenden 2.250 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS). In Peking meisterte das System ĂŒber vier Stunden Stadtverkehr ohne menschlichen Eingriff â trainiert mit 100 Millionen Videoclips.
Tesla zieht nach: Der kommende AI5-Chip soll die fĂŒnffache Leistung des aktuellen AI4 bieten. Die Produktion beginnt Mitte 2027 bei TSMC in Arizona und Samsung in Texas. Flankiert wird das Projekt durch âTerafabâ â eine gemeinsame Infrastruktur-Initiative von SpaceX, Tesla und xAI. Die Investition wird auf 55 Milliarden Dollar geschĂ€tzt, mit Potenzial auf 119 Milliarden Dollar.
Auch Zulieferer rĂŒsten auf: Stradvision liefert ab dem dritten Quartal 2026 eine neue integrierte Plattform fĂŒr Level-2+-Autonomie. Ousters Rev8-Lidar mit 256 KanĂ€len und 500 Metern Reichweite wurde auf Nvidias DRIVE Hyperion-Plattform qualifiziert.
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Humanoide Roboter: Der nĂ€chste groĂe Wurf
Die Entwicklung autonomer Fahrzeuge verschmilzt zunehmend mit der humanoider Robotik. Teslas Optimus-Programm unter der Leitung von FSD-Architekt Ashok Elluswamy nutzt bereits 300 Einheiten zur Datensammlung. Die Produktion startet in Fremont, nachdem dort die Model-S-Fertigung eingestellt wurde. Langfristig plant Tesla eine Million Einheiten pro Jahr, spÀter sogar zehn Millionen im texanischen Werk.
Besonders China treibt die Entwicklung voran: 90 Prozent aller 2025 weltweit ausgelieferten humanoiden Roboter stammten von chinesischen Herstellern. Ăber 140 Firmen bieten 330 verschiedene Modelle an. Unitree Robotics prĂ€sentierte Mitte Mai 2026 den GD01 Mech â einen 2,8 Meter groĂen, pilotengesteuerten Roboter fĂŒr rund 500.000 Euro. Mit 70 Prozent Marktanteil bei vierbeinigen Robotern lieferte Unitree 2025 ĂŒber 5.500 humanoide Einheiten aus.
Industrielle Tests laufen bereits: UBTech erprobt seinen Walker S2 in Zusammenarbeit mit Airbus in der Flugzeugmontage. In Indien starteten IIT Madras und TechNova Robotics am 18. Mai 2026 die Massenproduktion des âManavâ-Humanoiden. Mit Preisen zwischen 18.000 und 24.000 Dollar soll er die Automatisierungskosten fĂŒr kleine und mittlere Unternehmen in der Auto- und Textilbranche um 40 Prozent senken.
Regionale Expansion und neue Gesetze
WĂ€hrend Testprogramme wachsen, schaffen Regierungen rechtliche Rahmenbedingungen. In Illinois arbeiten Behörden an Richtlinien fĂŒr autonome Fahrzeuge, orientiert an Modellen aus Arizona und Kalifornien. Offen bleibt die Frage nach der rechtlichen Verantwortung bei VerkehrsverstöĂen.
Klassische Autohersteller forcieren ihre Pilotprojekte: Volvo Autonomous Solutions startete mit DSV autonome Frachtfahrten zwischen Dallas und Houston. Die Volvo VNL Autonomous Trucks nutzen Technologie von Aurora und Waabi. Zwar sind noch Sicherheitsfahrer an Bord, doch das Programm baut auf ĂŒber einer Million Testkilometern seit 2023 auf.
In Japan testet Nissan ein KI-basiertes ProPilot-System in Tokio mit Technologie von Wayve. Das System kommt mit elf Kameras, fĂnf Radaren und einem Lidar aus â und verzichtet bewusst auf hochauflösende Karten. Ein Robotaxi-Pilotprojekt ist fĂŒr 2026 geplant, die Serienproduktion fĂŒr 2027.
Ausblick: Konsolidierung statt Expansion
Die zweite JahreshĂ€lfte 2026 wird fĂŒr die Branche zur BewĂ€hrungsprobe. Statt rascher Expansion steht die Behebung von Software-Schwachstellen im Vordergrund. Der Trend zu âEnd-to-Endâ-KI-Training, gestĂŒtzt durch Milliarden-Investitionen in Chip-Infrastruktur, deutet darauf hin: KĂŒnftige Fahrzeuge werden weniger auf fest programmierte Regeln setzen, sondern auf vorausschauende Verhaltensmodelle.
Doch die Pannen bei Waymo und Teslas Unfalldaten zeigen: Der Sprung zur vollstĂ€ndig autonomen Stadtfahrt erfordert noch erhebliche Fortschritte bei der Sensorfusion und der Objekterkennung bei niedrigen Geschwindigkeiten. Ăffentliche Sicherheit und behördliche Zulassung bleiben die entscheidenden HĂŒrden.
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