Autonomes, Fahren

Autonomes Fahren: Valeo und KE:SAI öffnen Modelle, Code und Datensätze

Veröffentlicht am: 14.10.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Die Partner wollen ein vielseitiges Fahrsystem schaffen und Code, Modelle sowie Trainingsdaten frei zugänglich machen.

Valeo und KE:SAI entwickeln offene KI für autonomes Fahren
Ein minimalistisches, modernes Forschungslabor mit Serverinfrastruktur und Blick auf eine bewaldete Landschaft. Illustration mit AI erstellt.

Der französische Automobilzulieferer Valeo und die Forschungsorganisation KE:SAI haben in Paris eine deutsch-französische Open-Science-Kooperation zur Entwicklung eines generalistischen, vollständig reproduzierbaren KI-Fahrsystems für autonome Fahrzeuge angekündigt. Wie aus Medienberichten hervorgeht, sollen der Programmcode, die trainierten Modelle sowie die zugrunde liegenden Datensätze vollständig als Open Source veröffentlicht werden.

Offene Alternative zu proprietären KI-Systemen

Bislang basieren fast alle produktiven Fahrmodelle der Automobilindustrie auf geschlossenen, proprietären Softwarearchitekturen. Die offengelegten Modelle, Programmcodes und Modellgewichte aus dem neuen Projekt sollen europäischen Automobilherstellern eine transparente Alternative zu Systemen von Technologiekonzernen wie Tesla, Nvidia oder chinesischen Entwicklern bieten.

Über frei zugängliche Publikationen erhalten Hersteller, Zulieferer und Forschungsteams die Möglichkeit, die Ergebnisse unabhängig zu reproduzieren und eigene Entwicklungen an einer gemeinsamen Referenz zu messen.

Andreas Geiger, CEO von KE:SAI, verwies darauf, dass Open-Source-Ansätze bei Sprachmodellen Entwicklungsfortschritte von Jahren in wenige Monate komprimiert hätten, während die physische KI noch weitgehend abgeschottet sei. Sämtliche im Rahmen der Kooperation entwickelten Komponenten sollen daher uneingeschränkt offen zur Verfügung gestellt werden.

Marc Vrecko, CEO von Valeo Brain, bezeichnete die Initiative als strategischen Meilenstein für Valeo sowie das europäische Automobil-Ökosystem. Durch die Zusammenführung industrieller Expertise mit frei zugänglicher Spitzenforschung entstehe eine gemeinsame Basis für physische KI im Mobilitätssektor.

Forschungsstandorte in Paris und Tübingen

Das Vorhaben bündelt Forschungsaktivitäten an zwei zentralen Standorten in Paris und Tübingen. Aufseiten des an der Pariser Börse notierten Zulieferers wird das Projekt von der Geschäftseinheit Valeo Brain geleitet.

Konkret bringt das Forschungsteam valeo.ai aus Paris seine Vorarbeiten zu Modellen wie DrivoR und VaVAM ein. Aus Deutschland beteiligt sich das Gründungsteam von KE:SAI, das für etablierte Branchen-Benchmarks wie KITTI, NAVSIM und TransFuser bekannt ist.

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Bei KE:SAI (Kyutai ELLIS Scalable Autonomous Intelligence) handelt es sich um ein gemeinnütziges Open-Science-Labor mit Standorten in Tübingen und Paris. Die Organisation wurde im Mai 2026 von Kyutai und dem ELLIS Institute Tübingen mithilfe einer Gründungsspende von Kyutai ins Leben gerufen. Zu den Gründungsmitgliedern zählen Andreas Geiger, Bernhard Schölkopf, Kashyap Chitta, Daniel Dauner und Bernhard Jaeger.

Technischer Ansatz und Grenzen von Benchmark-Modellen

Ziel der Partner ist es, zunächst den aktuellen Stand der Technik auf allen bedeutenden öffentlichen Fahr-Benchmarks zu erreichen und diesen anschließend zu übertreffen. Geplant ist ein kompaktes Modell, das unterschiedliche Fahrzeugtypen, Sensorkonfigurationen, Kameratypen und Umweltbedingungen abdecken kann.

Beim Trainingsansatz setzen die beteiligten Entwicklerteams auf eine mehrstufige Strategie: Das System startet das Training auf Basis umfangreicher realer Fahraufzeichnungen. Anschließend kommen Reinforcement Learning in Simulationsumgebungen sowie gelernte Weltmodelle zum Einsatz, um insbesondere seltene und sicherheitskritische Fahrsituationen gezielt abzubilden.

Fachberichte weisen jedoch darauf hin, dass Spitzenwerte auf theoretischen Benchmarks nicht automatisch die Straßensicherheit garantieren. Die abschließende Produktionssicherheitsvalidierung sowie die rechtlichen Haftungsfragen verbleiben weiterhin in der Verantwortung der Fahrzeughersteller.

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Industrielles Umfeld bei Valeo

Für Valeo fügt sich das Forschungsprojekt in bestehende strategische Initiativen im Bereich automatisierter Fahrsysteme ein. Am 1. Oktober 2026 wurde das Unternehmen als System-Tier-1-Zulieferer für Nissans nächste ProPILOT-Generation ausgewählt, bei der Technologie von Wayve in ein Gesamtsystem nach Automobilstandards integriert wird.

Der Zulieferer wies mit Stand vom 26. Februar 2026 für das Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 20,9 Milliarden Euro aus, beschäftigte 100.000 Mitarbeiter in 29 Ländern und betrieb 149 Produktionsstätten, 59 Forschungs- und Entwicklungszentren sowie 19 Distributionsplattformen.

Zu den weiteren Kennzahlen zählten ein Umsatz von 10.378 Millionen Euro bei einem Umsatzwachstum von -2,6 Prozent, ein EBITDA von 1.492 Millionen Euro mit einer EBITDA-Marge von 14,4 Prozent sowie ein Nettoergebnis von 105 Millionen Euro.

Alle Unternehmensziele für 2026 wurden bestätigt. Analysten stuften die Aktie laut Konsens von 14 Marktbeobachtern mit Outperform ein, bei einem letzten Schlusskurs von 13,50 Euro.

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