Autonomes, Fahren

Autonomes Fahren: Xpeng und Waymo greifen deutsche Hersteller an

Veröffentlicht am: 20.07.2026 um 19:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Chinesische und US-Firmen wie Xpeng und Waymo drängen mit autonomer Technik nach München und setzen die deutsche Autoindustrie unter Zugzwang.

Xpeng & Waymo: Internationale Konzerne fordern deutsche Autoindustrie heraus
Ein autonomes Fahrzeug fährt durch eine Münchner Straße, Symbol für den Wettbewerb in der selbstfahrenden Technologie. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der Wettlauf um die Zukunft der Mobilität hat die bayerische Landeshauptstadt erreicht. Gleich mehrere internationale Player machen München zum Schauplatz ihrer europäischen Ambitionen. Der chinesische Hersteller Xpeng demonstrierte am heutigen Montag sein Fahrerassistenzsystem NGP im Stadtzentrum. Zeitgleich bestätigen Unternehmensregister, dass Alphabet-Tochter Waymo bereits Anfang des Sommers eine deutsche Tochtergesellschaft in München angemeldet hat.

Xpeng setzt auf KI ohne teure Sensoren

Die Vorführung von Xpeng zeigte das neue VLA 2.0-System, das komplett ohne LiDAR oder hochauflösende Karten auskommt. Herzstück ist der hauseigene Turing-AI-Chip mit einer Rechenleistung von 2250 TOPS. Das Unternehmen will seine Technologie ab Anfang 2027 in ganz Europa ausrollen. In China konnte Xpeng bereits überzeugen: Dort sank die Zahl der notwendigen Fahrereingriffe pro 100 Kilometer um 26 Prozent.

Waymo bringt Millionen Kilometer Erfahrung mit

Waymo gründete die Waymo Germany GmbH am 15. Juni 2026 in München. Der US-Pionier kommt mit beeindruckenden Zahlen: 20 Millionen Fahrten weltweit und eine 90-prozentige Reduktion von Unfällen mit Verletzten in seinen Einsatzgebieten. Das sind Referenzen, die deutsche Hersteller nicht ignorieren können.

Auch andere Kooperationen zielen auf München ab. Uber und Autobrains planen für 2027 Robotaxi-Tests in der Stadt. Offizielle Genehmigungsanträge liegen zwar noch nicht vor, doch die Stadtverwaltung signalisiert Unterstützung – unter der Bedingung, dass die Tests in den öffentlichen Nahverkehr integriert werden. Aktuell schreibt die deutsche Gesetzgebung noch einen Sicherheitsfahrer vor und verbietet die Erhebung von Fahrpreisen.

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Digitale Souveränität als Antwort

Die deutsche Industrie schlägt zurück – mit eigenen Initiativen und dem Schlagwort der „digitalen Souveränität“. Projekte wie Moia und der autonome Van „Edgar“ gelten als wichtige Bausteine, um Europa nicht zur digitalen Kolonie der Robotaxi-Ära werden zu lassen.

Ein entscheidender Schritt kam am vergangenen Samstag: Die deutsche und französische Regierung einigten sich auf den Aufbau eines europäischen „Digital Backbone“. Ziel ist es, die Dominanz US-amerikanischer Technologiekonzerne zu brechen. Konkret wechseln die deutschen und französischen Geheimdienste von externen Anbietern wie Palantir zu europäischen Lösungen wie ChapsVision und der Arcadia-Plattform.

Die heimische KI-Landschaft erhielt heute zusätzlichen Schub: SAP übernahm das Freiburger Unternehmen Prior Labs für über eine Milliarde Euro. Prior Labs ist auf KI für Tabellendaten spezialisiert – mit Anwendungen von der vorausschauenden Wartung von Hochgeschwindigkeitszügen bis zur medizinischen Diagnostik.

Neue Regeln für den Straßenverkehr

Die Entwicklung autonomer Systeme fällt mit verschärften europäischen Vorschriften zusammen. Seit dem 7. Juli 2026 müssen alle Neufahrzeuge mit einem erweiterten Ablenkungswarnsystem (ADDW) ausgestattet sein. Infrarotkameras überwachen Blickrichtung und Kopfhaltung des Fahrers. Verlässt der Blick für mehr als wenige Sekunden die Straße, ertönt ein Alarm.

Am 2. August 2026 tritt zudem das EU-KI-Gesetz in Kraft. Es verpflichtet Anbieter leistungsstarker KI-Modelle zu Transparenz. Interessant: Obwohl quelloffene Modelle inzwischen auf 20 Prozent Nutzungsanteil kommen, erwirtschaften sie nur vier Prozent der globalen KI-Umsätze.

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Deutsche Hersteller unter Druck

Die technologische Offensive trifft die deutschen Premiumhersteller in einer schwierigen Phase. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichneten BMW, Mercedes und Audi Absatzrückgänge in China zwischen 19 und 30 Prozent. Während die deutschen Marken mit Verzögerungen bei neuen Elektroplattformen kämpfen, ziehen chinesische Wettbewerber mit schnellen Innovationszyklen bei Fahrerassistenz und Softwareintegration davon.

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