Azubi-Stress: 85 Prozent der Ausbilder beobachten psychische Belastung
28.05.2026 - 08:06:58 | boerse-global.de
85 Prozent der Ausbilder beobachten bei ihren Nachwuchskräften eine Belastung, die deutlich über dem Niveau der Vor-Corona-Zeit liegt. Das zeigt die aktuelle Studie zu Ausbildungstrends 2026, an der rund 9.500 Azubis und über 2.000 Ausbilder teilnahmen.
Drei Viertel der Ausbilder berichten von gestiegenen krankheitsbedingten Ausfällen. Besonders alarmierend: Ein Viertel der befragten Azubis gab an, sich bereits wegen psychischer Probleme krankgemeldet zu haben.
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Wahrnehmungskluft zwischen Azubis und Ausbildern
Trotz dieser Zahlen klafft eine große Lücke in der Bewertung der Vorsorgemaßnahmen. Während 74 Prozent der Ausbilder die psychische Gesundheitsvorsorge in ihren Betrieben als gut einstufen, sehen das nur 53 Prozent der Azubis so.
Ein weiterer Trend überrascht: 53 Prozent der Nachwuchskräfte sagen, dass Künstliche Intelligenz Sachverhalte besser erkläre als ihre Ausbilder. Bei Berufsschullehrern liegt dieser Wert sogar bei 74 Prozent.
Hochschulen unter Druck: Proteste gegen Kürzungen
Auch an den Hochschulen brodelt es. In Österreich demonstrierten am 27. Mai Studierende und Lehrende in Wien, Graz und Salzburg gegen geplante Kürzungen im Hochschulbudget. Die Organisatoren warnen vor einer Gefährdung der Lehr- und Forschungsqualität.
Die individuelle Belastungsgrenze zeigt ein prominentes Beispiel: Der österreichische Rekordläufer Aaron Gruen sagte seine Marathon-Teilnahme bei der EM in Birmingham ab – wegen Panikattacken. Der 27-Jährige studiert Medizin in Harvard und führt die Probleme auf eine extreme Dreifachbelastung aus Studium, Spitzensport und Musik zurück.
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An der Universität Halle-Wittenberg zeigt eine Bewertung des Pharmaziestudiums vom März die strukturellen Probleme: 97 Prozent der Befragten gaben an, dass die Regelstudienzeit kaum einzuhalten sei.
Neue Angebote: Von Podcasts bis zu Online-Workshops
Die Hochschule Kempten reagiert: Seit dem 26. Mai erweitert sie ihr studentisches Gesundheitsmanagement um Ersthelfer-Schulungen, Kurse für mentale Gesundheit und einen eigenen Podcast. Einen Tag später startete eine bundesweite Online-Workshopreihe zu Klimaangst und Zukunftssorgen.
Stressimpfung statt Vermeidung
Der Hirnforscher Volker Busch von der Universitätsklinik Regensburg plädiert für ein ungewöhnliches Konzept: Stressimpfung. Statt Belastungen auszuweichen, sollen Menschen ihre Resilienz durch das bewusste Meistern von Herausforderungen stärken. Stress sei nicht grundsätzlich schädlich – entscheidend seien Regeneration und Selbstmitgefühl.
Psychologe Steffen Häfner empfiehlt stabile Routinen und das Aufteilen großer Aufgaben in kleine Schritte. Der Handlungsdruck ist enorm: Laut Techniker Krankenkasse fühlen sich 66 Prozent der Menschen in Deutschland häufig oder zeitweise gestresst. Chronischer Stress kann zu Schlafstörungen, geschwächtem Immunsystem und einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko führen.
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