Backpulver-Drink: 200 Millionen Klicks ohne wissenschaftliche Belege
Veröffentlicht: 13.07.2026 um 21:40 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die Plattform hat sich 2026 als einflussreiches Medium für Gesundheits- und Lifestyle-Themen etabliert. Während ein Teil der Inhalte auf Entschleunigung setzt, warnen Fachleute vor ungesicherten Heilsversprechen und den Folgen für die Psyche junger Nutzer.
„Nonnamaxxing": Leben wie die italienische Nonna
Ein auffälliger Trend ist das sogenannte „Nonnamaxxing". Vor allem jüngere Nutzer orientieren sich am Lebensstil italienischer Großmütter. Im Fokus stehen Entschleunigung, Gartenarbeit, Handarbeit und Kochen mit frischen Zutaten. Reale soziale Kontakte werden über digitale Interaktion gestellt.
Die Beobachtung: Dieser Fokus auf traditionelle Tätigkeiten kann positive Effekte auf die mentale und körperliche Gesundheit haben. Er fungiert als Gegenmodell zur ständigen Erreichbarkeit und zum schnellen Konsum digitaler Inhalte.
Fermentation als „natürliches Ozempic"
Im Bereich Ernährung rücken alternative Ansätze in den Vordergrund. Fermentierte Lebensmittel wie Kimchi, Kefir oder Sauerkraut erfahren durch Longevity-Influencer wie Bryan Johnson gesteigerte Aufmerksamkeit. Fachleute diskutieren, ob diese Lebensmittel die körpereigene Produktion von GLP-1 anregen – ein Mechanismus, der auch beim Diabetes-Medikament Ozempic eine Rolle spielt.
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Eine Übersichtsarbeit aus dem Journal of Food Science (2025) sieht bei fermentierten Produkten Potenzial zur Regulation von Appetit und Insulinhaushalt. In sozialen Medien kursieren Berichte über signifikante Gewichtsverluste. Mediziner wie Dr. O'Mara unterstützen die These, dass Fermentiertes die GLP-1-Produktion stimulieren könne.
Parallel dazu verbreiten sich Trends zu funktionalem Training. Prominente wie Hailey Bieber setzen laut Berichten vom Juli 2026 auf Gewichtswesten und Okklusionsbänder, um die Intensität ihres Krafttrainings zu steigern.
Backpulver-Drink: 200 Millionen Klicks – null Beweise
Trotz der Popularität vieler Gesundheitstipps mahnen Fachleute zur Vorsicht. Ein Beispiel: das virale Rezept aus Backpulver und Zitronensaft. Bis Mitte 2026 verzeichnete der Trend über 200 Millionen Aufrufe auf TikTok.
Mediziner warnen: Es gibt keine wissenschaftlichen Belege für eine dauerhafte Gewichtsabnahme. Stattdessen drohen gesundheitliche Risiken wie metabolische Alkalose oder eine übermäßige Natriumbelastung.
Forschende des Deutschen Zentrums für Psychische Gesundheit (DZPG) wiesen im Juli 2026 zudem darauf hin, dass Social Media Schlaf, Selbstwertgefühl und soziale Beziehungen beeinträchtigen kann. Entscheidend sei nicht allein die Nutzungsdauer, sondern die Art der Inhalte – und ob das digitale Erleben reale Interaktionen verdrängt.
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EU will strengere Regeln für TikTok & Co.
Angesichts der Risiken fordern politische Entscheidungsträger strengere Regeln. EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen betonte Mitte Juli 2026 die Notwendigkeit: Plattformen wie TikTok, Facebook und Instagram sollen die Unbedenklichkeit ihrer Systeme für Jugendliche nachweisen müssen.
Eine Expertengruppe empfiehlt unter anderem:
- Keine Bildschirmnutzung für Kinder unter drei Jahren
- Begleitete Nutzung für Drei- bis Dreizehnjährige
- „Jugendsichere" Systeme ohne personalisierte Empfehlungen für Nutzer über 13 Jahre
Konkrete Gesetzesvorschläge auf EU-Ebene werden für September 2026 erwartet. In Deutschland fordern die Bundesländer im Entwurf für einen „Digitalen Medien-Staatsvertrag" eine bessere Sichtbarkeit professioneller journalistischer Inhalte durch einen sogenannten „Public Value"-Status.
Apps gegen die Sucht
Gleichzeitig entstehen technische Werkzeuge gegen problematische Dynamiken. Forschende der FH St. Pölten entwickelten mit Jugendlichen eine „Counterspeech-App", die KI-generierte Antworten gegen Hassrede liefert. Ein Bildforensik-Tool soll toxische Körperbilder entlarven.
Im Bereich Fitness setzt die App WeWard auf Gamification: Eine neue Funktion sperrt den Zugang zu sozialen Medien, bis ein individuell festgelegtes Schrittziel erreicht wurde. Das Unternehmen gibt an, damit die tägliche Bewegungszeit seiner rund 30 Millionen Nutzer im Schnitt um 25 Prozent zu steigern.
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