Bad, Cannstatt

Bad Cannstatt: Deutschlands Vorzeigemodell für Demenzfreundlichkeit

13.05.2026 - 07:08:27 | boerse-global.de

Das Stuttgarter Netzwerk zeigt, wie Inklusion von Demenzkranken durch Alltagspartnerschaften gelingt und wurde dafür ausgezeichnet.

Bad Cannstatt: Deutschlands Vorzeigemodell für Demenzfreundlichkeit - Foto: über boerse-global.de
Bad Cannstatt: Deutschlands Vorzeigemodell für Demenzfreundlichkeit - Foto: über boerse-global.de

Der Stuttgarter Stadtbezirk Bad Cannstatt hat sich zum bundesweiten Musterbeispiel für die Integration von Menschen mit Demenz entwickelt. Nach über zehn Jahren Aufbauarbeit zeigt das Projekt „Gemeinsam für ein demenzfreundliches Bad Cannstatt“, wie Betroffene und ihre Angehörigen in den Alltag eingebunden werden können. Die Auszeichnung mit dem renommierten Paul-Lechler-Preis unterstreicht die Bedeutung dieses Netzwerks.

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Vom Pilotprojekt zum Kompetenzzentrum

Die Initiative startete Ende 2014, als der Caritasverband für Stuttgart die Koordination übernahm. Ziel war es, die Lebenssituation von Menschen mit Demenz im vertrauten Wohnumfeld zu verbessern. Bad Cannstatt bot dafür eine komplexe Ausgangslage: Rund 70.000 Einwohner leben im größten und ältesten Stadtbezirk Stuttgarts. Etwa 1.000 Menschen haben dort die Diagnose Demenz, davon rund 400 mit Migrationshintergrund.

Das Netzwerk umfasst heute mehr als 40 aktive Kooperationspartner. Neben sozialen Trägern wie der Arbeiterwohlfahrt (AWO), dem Evangelischen Verein für diakonische Arbeit und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) sind auch die Polizei Bad Cannstatt, Kirchengemeinden, der VfB Stuttgart und Einzelhandelsbetriebe dabei. Koordiniert wird die Arbeit von einer Fachkraftstelle bei der Caritas, die die Stadt Stuttgart mitfinanziert.

Fußball, Polizei und Einkauf: Inklusion im Alltag

Ein besonderes Projekt ist „Unvergessen“ in Kooperation mit dem VfB Stuttgart. Menschen mit Demenz erhalten spezielle Arena-Touren, die sinnesorientiert gestaltet sind. Dazu kommen VfB-Erinnerungsnachmittage in Pflegeheimen und ein „Erinnerungskoffer“ in der Stadtbibliothek.

Die Polizei Bad Cannstatt hat umfassende Schulungen absolviert, um im Umgang mit demenziell erkrankten Menschen geschult zu sein. Die Caritas vermittelt praktisches Wissen zur Deeskalation bei Orientierungslosigkeit. Das Revier erhielt dafür eine entsprechende Urkunde.

Für den Einzelhandel gibt es einen Leitfaden mit Tipps zur Kommunikation. Praktische Hilfsmittel wie „Notfalldosen“ – mit medizinischen Informationen für den Rettungsdienst an der Kühlschranktür – ergänzen das Angebot. Der Stadtbezirk Münster schloss sich dieser Aktion 2021 an.

Preisgekrönt und wissenschaftlich begleitet

Die Paul-Lechler-Stiftung würdigte das Engagement mit dem Paul-Lechler-Preis, dotiert mit 50.000 Euro. Die Mittel flossen in die Koordination und neue Projekte. Die Stadt Stuttgart unterstützt die Koordinationsstelle im Doppelhaushalt 2024/2025. Zusätzlich gibt es Fördermittel der Pflegeversicherung nach § 45e SGB XI.

Wissenschaftlich begleitete die DemenzSupport Stuttgart gGmbH das Netzwerk. Die Evaluation belegt: Die enge Vernetzung im Quartier hilft Betroffenen, länger zu Hause zu leben. Das entlastet die stationären Pflegesysteme.

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Humor trotz Vergessen

Zum zehnjährigen Bestehen 2025 gab es eine Reihe von Veranstaltungen. Die Ausstellung „Humor trotz Vergessen“ im Juli 2025 im Alten Rathaus zeigte Cartoons von Peter Gaymann. Der Künstler schuf einen niederschwelligen Zugang zum Thema Älterwerden und Vergesslichkeit.

Fast die Hälfte der Betroffenen hat einen Migrationshintergrund. Deshalb gibt es Informationsmaterialien in mehreren Sprachen. Muttersprachliche Berater und Kirchengemeinden helfen, Sprachbarrieren abzubauen.

Monatliche inklusive Stadtteilspaziergänge und ein wöchentlicher Lauftreff für Ältere sind fest etabliert. Ehrenamtliche tragen diese Angebote, geschult und begleitet durch das Netzwerk.

Vom Modell zur Blaupause

Der Erfolg basiert auf der Abkehr von isolierten Hilfsangeboten hin zur integrierten Stadtteilpolitik. In einer alternden Gesellschaft – allein in Baden-Württemberg sind rund 200.000 Menschen betroffen – stoßen traditionelle Pflegemodelle an Grenzen. Das Cannstatter Modell setzt auf die „Sorgende Gemeinschaft“ (Caring Community).

Die Einbindung von Polizei und Einzelhandel ist kein Beiwerk, sondern essenziell für Sicherheit und Mobilität. Wenn ein Mensch mit Demenz im Supermarkt auf Verständnis stößt, entscheidet das oft über die selbstständige Lebensführung. Die Evaluationen zeigen messbare Effekte auf die psychische Stabilität der Angehörigen.

Für die Zukunft plant das Netzwerk, die Strukturen zu festigen und auf benachbarte Stadtteile auszustrahlen. Die Herausforderung: die Finanzierung angesichts knapper öffentlicher Kassen sichern und neue Ehrenamtliche gewinnen. Ein Schwerpunkt soll die Digitalisierung von Beratungsangeboten sein.

Die Erfahrungen aus Bad Cannstatt dienen bereits als Blaupause für andere Kommunen. Die Kombination aus professioneller Steuerung durch die Caritas und breiter Kooperationsbasis hat sich als robustes Modell erwiesen. Eine demenzfreundliche Umgebung ist letztlich eine menschenfreundliche Umgebung – für alle Generationen.

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