Barrierefreies, Wohnen

Barrierefreies Wohnen: Pflegekassen zahlen bis zu 4.180 Euro für Umbauten

Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 04:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nur zwei Prozent der deutschen Wohnungen sind barrierefrei; Zuschüsse und lokale Beratungsangebote unterstützen Anpassungen im Bestand.
Ein heller, barrierefreier Flur mit breiten Durchgängen, rutschfestem Eichenboden und einem Handlauf an einer weißen Wand. Illustration mit AI erstellt.

Ein selbstbestimmtes Leben im vertrauten Umfeld setzt eine passende Wohnsituation voraus. Um älteren Menschen und Personen mit körperlichen Einschränkungen einen Verbleib in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen, gewinnen gezielte Wohnraumanpassungen, der Einsatz von Hilfsmitteln sowie kommunale und verbandliche Beratungsangebote zunehmend an Bedeutung.

Großer Bedarf bei anhaltendem Mangel an altersgerechtem Wohnraum

Die Notwendigkeit für Anpassungen im Bestand ist hoch. Nach Angaben des Demografie-Portals von Bund und Ländern erfüllen derzeit lediglich 2 Prozent der 43 Mio. Wohnungen und Einfamilienhäuser in Deutschland grundlegende Merkmale der Barrierefreiheit.

Vor diesem Hintergrund sprach VdK-Präsidentin Verena Bentele von einem Millionenmangel bei altersgerechten und barrierefreien Wohnungen infolge jahrelanger Fehlplanungen. Zudem kritisierte Bentele, dass das KfW-Förderprogramm über 50 Mio. Euro jährlich für altersgerechtes Bauen eingedampft worden sei und ab 2028 nur noch ein Volumen von rund 1 Mio. Euro vorsehen soll.

Auch auf kommunaler Ebene wird die Dringlichkeit thematisiert. Bei einem Fachtag im Landkreis Emsland hob Landrat Marc-André Burgdorf hervor, dass Seniorenpolitik als vorausschauende Wohn-, Quartiers- und Infrastrukturpolitik verstanden werden müsse. Im dortigen Kreisgebiet stehe einer hohen Eigenheimquote ein bislang zu geringes Angebot an preiswerten, seniorengerechten Wohnungen gegenüber.

Finanzielle Förderungen und bauliche Maßnahmen

Um Barrieren im häuslichen Umfeld abzubauen, stehen verschiedene Fördermittel bereit. Auf einer Informationsveranstaltung des SoVD-Ortsverbands Nienhagen legte Ute Paulick vom Senioren- und Pflegestützpunkt Celle dar, dass die Pflegekasse Zuschüsse für wohnumfeldverbessernde Maßnahmen von bis zu 4.180 Euro je pflegebedürftiger Person und Maßnahme gewähren kann.

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Diese Unterstützung greift bereits ab Pflegegrad 1, wobei der Antrag zwingend vor Beginn der Arbeiten gestellt werden muss. Zu den typischen empfohlenen Maßnahmen gehören der Einbau ebenerdiger Duschen, die Montage beidseitiger Handläufe und Haltegriffe, Rampen zur Überwindung von Schwellen sowie angepasste Betthöhen, Nachtlichter und Bewegungsmelder.

Über praktische Maßnahmen und finanzielle Zuschüsse informiert unter anderem auch die Wohnbauförderung des Landkreises Darmstadt-Dieburg bei einer Veranstaltung der Stadt Griesheim am 26. Oktober.

Informationsveranstaltungen und Beratungsnetzwerke vor Ort

Zahlreiche Träger bieten Betroffenen und Angehörigen Orientierung durch Vorträge, Ausstellungen und Beratungen:

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  • Musterwohnungen und Ausstellungen: Das Landratsamt Schwarzwald-Baar-Kreis veranstaltet am 27. Oktober einen geführten Rundgang durch die Musterwohnung BEATE in VS-Schwenningen, bei dem Exponate wie Treppenlifte, ebenerdige Duschen und Hausnotrufsysteme erprobt werden können; ein Folgetermin ist für den 22. November angesetzt. Die Kirchliche Sozialstation Ettlingen e.V. zeigt vom 28. bis 30. Oktober im Seniorentreff St.-Vincentiushaus Hilfsmittel aus den Bereichen Mobilität, Sicherheit und Haushalt.
  • Fachvorträge: Am 24. Oktober referiert Wohnberater Herbert Kurz beim VdK-Kreisverband Heilbronn in Neckarsulm zu barrierefreien Anpassungen. Am 5. November widmet sich der Psychologe Hans-Werner Wahl in Landau in einem Vortrag den emotionalen Bindungen und Rahmenbedingungen des Wohnens im Alter.
  • Neutrale Beratung vor Ort: Im Landkreis Emsland unterstützt die ehrenamtliche Wohnberatung Ratsuchende bereits im Vorfeld konkreter Umbauten. Im Schwarzwald-Baar-Kreis halten die Beratungsstelle Alter und Technik sowie der Pflegestützpunkt am 3. November Sprechzeiten im Rathaus Königsfeld ab. Im Saale-Orla-Kreis wiederum unterstützt die Initiative „Agathe“ ältere Menschen mit wöchentlichen Sprechstunden in Triptis sowie Hausbesuchen.
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