Barrierefreiheit: Bordsteinabsenkungen senken Sturzrisiko für Ältere
Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 09:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Barrierefreie Infrastruktur entsteht selten durch spektakuläre Großprojekte, sondern häufig durch kleine, konkrete Maßnahmen an einzelnen Kreuzungen und Gehwegen. Ein aktuelles Beispiel aus Bremen zeigt, wie solche Vorhaben von der Basis aus angestoßen werden und mit vergleichsweise moderaten Summen umgesetzt werden können.
Bremen-Kattenturm: Bordsteinabsenkungen aus dem Stadtteilbudget
In Bremen-Kattenturm bezahlt der Beirat Obervieland aus dem Stadtteilbudget Verkehr insgesamt 43.000 Euro für abgesenkte Bordsteine an drei Kreuzungen: an der Emanuel-Backhaus-/Theodor-Billroth-Straße werden beide Gehwege angepasst, an der Robert-Koch-/Theodor-Billroth-Straße beide Seiten, und am Arsterdamm unter der Straßenbahnunterführung die Seite Am Mohrenshof.
Die Initiative für die Maßnahme ging vom Sozialen Arbeitskreis Obervieland aus, der die Situation vor Ort begangen und die Notwendigkeit der Absenkungen nach eigener Einschätzung festgestellt hatte. Solche baulichen Details entscheiden im Alltag oft darüber, ob ältere Menschen mit Rollator oder Rollstuhlfahrende einen Straßenabschnitt sicher überwinden können oder nicht.
Ähnliche Maßnahmen in anderen Kommunen
Das Bremer Beispiel steht nicht isoliert. Auch in anderen Städten arbeiten Verwaltungen an vergleichbaren, kleinteiligen Verbesserungen im öffentlichen Raum. In Hanau stimmte der Magistrat dem barrierefreien Umbau von zehn Bushaltestellen in den Stadtteilen Lamboy, Nordwest und Kesselstadt zu, mit einem Kostenvolumen von rund 1,08 Millionen Euro.
Der Beschluss der Stadtverordnetenversammlung steht dort noch aus und ist an positive Förderbescheide des Landes Hessen gebunden. Von den insgesamt 359 Haltestellenpositionen in Hanau sind derzeit 266 barrierefrei; mit den geplanten Maßnahmen kämen 10 weitere hinzu, sodass künftig 276 Positionen barrierefrei wären.
Auch im Landkreis Stade wird an einer barrierefreien Querung gearbeitet: An der K68 zwischen Hammah und Himmelpforten, im Bereich Ramels, ist die Straße für den Bau einer neuen Querungshilfe mit Fahrbahnteiler auf rund 39 Metern Länge sowie neuen Gehwegen voll gesperrt.
Abgesenkte Bordsteine an einzelnen Kreuzungen entscheiden im Alltag darüber, ob ein Spaziergang mit Rollator gelingt oder zur Stolperfalle wird. Genau solche kleinen Maßnahmen werden vielerorts aus Stadtteilbudgets finanziert – oft angestoßen von Anwohnern, die die Situation vor Ort selbst begangen haben. Unser kostenloser Leitfaden zeigt Ihnen, worauf Sie achten müssen und wie Sie selbst etwas anstoßen. Kostenlosen Leitfaden jetzt anfordern
Die Querung wird mit taktilen Leitelementen ausgestattet, die Bauarbeiten sollen spätestens Ende Oktober abgeschlossen sein. Bis dahin gilt eine Umleitung über die K62, die B73 durch Düdenbüttel und die K3 nach Hammah.
Strukturelles Problem: Kommunale Finanzierungslücke
Dass solche Projekte oft klein und lokal finanziert bleiben, hat auch strukturelle Gründe. Der Städte- und Gemeindebund fordert zusätzliche 65 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Kommunen – bislang fließen von den 100 Milliarden Euro, die für die Länder vorgesehen sind, rund 65 Milliarden Euro in diesen Bereich.
Hauptgeschäftsführer Berghegger beziffert den gesamten Investitionsrückstand der Städte und Gemeinden auf 231 Milliarden Euro. Der Bund selbst nimmt für das Sondervermögen insgesamt 500 Milliarden Euro an zusätzlichen Schulden auf.
Vor diesem Hintergrund erscheinen Maßnahmen wie die Bordsteinabsenkungen in Kattenturm als das, was sie sind: notwendige, aber im Vergleich zum bundesweiten Investitionsbedarf kleine Bausteine einer barrierefreien Infrastruktur, deren flächendeckende Umsetzung noch erhebliche zusätzliche Mittel erfordern würde.
Rollator und Rollstuhl kommen an zu hohen Kanten und fehlenden Querungshilfen oft nicht sicher über die Straße – und kommunale Verbesserungen brauchen Jahre. Wer nicht warten will, kann selbst aktiv werden: mit einer fertigen Vorlage für den Antrag beim zuständigen Gremium und einer Checkliste für den gemeinsamen Rundgang durchs Viertel. Vorlage und Checkliste jetzt sichern
Für Anwohnerinnen und Anwohner in Kattenturm bedeutet das konkrete Vorhaben in erster Linie einen direkten Nutzen im Alltag: Wer mit Rollator, Kinderwagen oder Rollstuhl unterwegs ist, kann die drei betroffenen Kreuzungen künftig leichter überqueren.
Solche stadtteilbezogenen Initiativen, getragen von Beiräten und ehrenamtlichen Arbeitskreisen, zeigen, dass Barrierefreiheit im öffentlichen Raum häufig zunächst auf lokaler Ebene vorangetrieben wird, bevor größere Förderprogramme und Landesmittel greifen.
