Baubot bohrte 16.000 Löcher: Fischer zeigt autonome Robotik
Veröffentlicht am: 26.07.2026 um 16:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bohrer, Bagger und 3D-Drucker: Die deutsche Bauindustrie setzt zunehmend auf autonome Systeme. Vom pilotierten Einsatz geht es nun in die aktive Flächennutzung.
Autonome Bohrer und 3D-Druck im Baugewerbe
Der Befestigungsspezialist Fischer hat diese Woche den „Baubot“ vorgestellt – einen autonomen Roboter für den Innenausbau. In einem aktuellen Projekt bohrte die Maschine 16.000 Löcher in die Decke eines Bürogebäudes – völlig ohne menschlichen Eingriff. Das ist kein Einzelfall: Der „DALE“-Roboter von Dewalt und August Robotics schafft laut Branchenberichten bis zu zehnmal schnellere Bohrergebnisse als herkömmliche Methoden, bei einer Präzision von 99,97 Prozent. Ein Pilotprojekt mit dieser Technologie verkürzte die Bauzeit um beeindruckende 190 Wochen.
In Detmold entsteht derweil das erste 3D-gedruckte Gewerbegebäude Ostwestfalen-Lippes. Bauleiter Kai-Eric Schulz von AS-Bau setzt dabei auf mobile Betondrucktechnologie. Die Maschinen tragen Schicht für Schicht auf – präzise und materialsparend.
Auch der Schwergewichtler Liebherr mischt mit: Der neue Hydraulikhammer H 10 wiegt 27 Tonnen und bewältigt Pfähle bis zu 30 Tonnen bei einem Durchmesser von 1.220 Millimetern. Besonders bemerkenswert: Die Lärmbelastung von vier dieser Hämmer entspricht der eines einzigen konventionellen Geräts. Ein Segen für Anwohner und Bauarbeiter gleichermaßen.
Mobile Roboter und Qualitätskontrolle
Nicht nur bei schweren Arbeiten kommen autonome Helfer zum Einsatz. McLaren Construction setzt künftig auf vierbeinige Roboter für die Qualitätskontrolle. Die Maschinen navigieren eigenständig Treppen und Türen, prüfen die Bauausführung und lernen dabei kontinuierlich dazu. Das Ziel: Mensch und Maschine arbeiten Hand in Pfote.
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Im Privatsektor drängt ebenfalls neue Technik auf den Markt. Der ANTHBOT M9 Pro – ein Mähroboter mit 360-Grad-LiDAR und dualer KI-Bilderkennung – startet am 27. Juli 2026 in den Verkauf. Er bewältigt Flächen bis zu 1.000 Quadratmeter.
Marktentwicklung: Wachstum trotz Gegenwind
Trotz aller Innovationen kämpft der deutsche Robotikmarkt mit wirtschaftlichen Herausforderungen. Der VDMA meldet für 2024 zwar 26.982 Neuinstallationen – das ist europäischer Spitzenwert, aber ein Rückgang von fünf Prozent gegenüber 2023. Für das Gesamtjahr 2026 erwartet der Verband einen weiteren Umsatzrückgang um fünf Prozent auf rund 14,1 Milliarden Euro.
Die Industrie reagiert mit verstärkten Eigenentwicklungen:
- Tesla trainiert seinen humanoiden Roboter Optimus in Grünheide. Mitarbeiter tragen Rucksackkameras, um Bewegungsdaten für die Lernalgorithmen zu sammeln. Zudem entsteht in Reutlingen eine Produktionsstätte für Optimus-Komponenten.
- BMW startet ein Pilotprojekt fĂĽr humanoide Roboter im Leipziger Werk.
- Mercedes-Benz baut sein KI-Zentrum in Berlin aus.
- SoftBank erwägt offenbar die Übernahme von Gravis Robotics, einem Schweizer Startup, das Nachrüstkits für Bagger entwickelt. Das ETH-Spin-off sammelte im November 2025 rund 23 Millionen Euro in einer Series-A-Runde ein.
- microagi – gegründet vom ehemaligen Formel-1-Ingenieur Bercan Kilic – sicherte sich eine bedeutende Seed-Finanzierung für Fabrikroboter, die mit realen Daten trainiert werden.
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Politische Weichenstellungen und wirtschaftliche Sorgen
Angesichts der globalen Konkurrenz aus den USA und China fordern Politiker eine koordinierte Robotik-Strategie. Die CSU schlug bei einem Treffen in Kloster Banz die Einrichtung spezialisierter Robotik-Trainingszentren vor – unter anderem am Münchner Flughafen. Bis 2030 soll ein Massenmarkt für Robotik entstehen.
Doch die Kehrseite der Automatisierung wird immer sichtbarer. Ifo-Präsident Clemens Fuest warnt: Die deutsche Industrie verliert monatlich rund 15.000 Arbeitsplätze durch die digitale und robotische Transformation. Er fordert steuerliche Reformen, Subventionskürzungen und Anpassungen bei den Renten – sonst drohe ein wirtschaftlicher Kollaps, während sich die Industrie an die neue Technologiewelt anpasst.
Die Frage ist nicht mehr, ob die Robotik die Baubranche erobert – sondern wie schnell und zu welchem Preis.
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