Bauchspeicheldrüsenkrebs, Daraxonrasib

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Daraxonrasib verdoppelt Überlebensdauer

01.06.2026 - 21:31:05 | boerse-global.de

Phase-3-Studie belegt: Daraxonrasib verdoppelt Überlebensdauer bei Bauchspeicheldrüsenkrebs und senkt Sterberisiko um 60 Prozent.

Bauchspeicheldrüsenkrebs: Daraxonrasib verdoppelt Überlebensdauer - Bild: über boerse-global.de
Bauchspeicheldrüsenkrebs: Daraxonrasib verdoppelt Überlebensdauer - Bild: über boerse-global.de

Ein neuartiges Krebsmedikament zeigt in einer klinischen Studie bahnbrechende Ergebnisse. Patienten mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs leben doppelt so lange wie unter herkömmlicher Chemotherapie.

Die Daten der Phase-3-Studie RASolute 302 wurden am heutigen Montag auf dem ASCO-Kongress in Chicago vorgestellt und zeitgleich im renommierten New England Journal of Medicine veröffentlicht. Das Präparat Daraxonrasib richtet sich gezielt gegen eine bestimmte Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs – und die Ergebnisse übertreffen alle Erwartungen.

Lebensverlängerung um Monate

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An der Studie nahmen 500 Patienten mit fortgeschrittenem, bereits vorbehandeltem Pankreaskarzinom teil. Die Hälfte von ihnen erhielt das neue Medikament, die andere Hälfte die Standard-Chemotherapie. Das Ergebnis ist eindeutig: Patienten unter Daraxonrasib lebten im Median 13,2 Monate – die Kontrollgruppe hingegen nur 6,6 bis 6,7 Monate.

Noch beeindruckender: Das Risiko zu versterben sank um 60 Prozent (Hazard Ratio 0,40). Auch das Fortschreiten der Erkrankung konnte deutlich verlangsamt werden. Die Zeit bis zur Verschlechterung des Zustands betrug in der Daraxonrasib-Gruppe 7,2 bis 7,3 Monate, in der Chemotherapie-Gruppe nur 3,5 bis 3,6 Monate.

Bei rund 32 Prozent der Behandelten bildeten sich die Tumore zurück oder verschwanden ganz. In der Vergleichsgruppe lag dieser Wert bei lediglich elf Prozent.

Wie das Medikament wirkt

Daraxonrasib, entwickelt vom US-Biotechnologieunternehmen Revolution Medicines, ist ein sogenannter RAS-ON-Inhibitor. Es wirkt wie ein „molekularer Klebstoff": Über das Protein Cyclophilin A blockiert es gezielt mutierte RAS-Proteine – eine der häufigsten Ursachen für unkontrolliertes Zellwachstum bei Krebs.

Die Studie konzentrierte sich auf Patienten mit RAS-G12-Mutationen, die bei fast 92 Prozent der Teilnehmer nachgewiesen wurden. Genau hier setzt der Wirkstoff an.

Paradigmenwechsel in der Krebstherapie

Führende Onkologen sprechen bereits von einem Paradigmenwechsel. Professor Dieter Saur von der TU München und dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) bezeichnet die Ergebnisse als die bedeutendste klinische Entwicklung für diese Erkrankung seit Jahren.

Der Hintergrund: Bauchspeicheldrüsenkrebs gilt als einer der aggressivsten Tumore. Das Robert Koch-Institut meldete für 2023 rund 20.000 Neuerkrankungen in Deutschland. Die Fünf-Jahres-Überlebensrate liegt bei erschreckenden zehn Prozent. Neue Therapieoptionen sind daher dringend notwendig.

Deutlich besser verträglich als Chemotherapie

Ein entscheidender Vorteil des neuen Wirkstoffs: Er wird besser vertragen als die herkömmliche Chemotherapie. Schwere Nebenwirkungen traten bei 61,8 Prozent der Daraxonrasib-Patienten auf – in der Chemotherapie-Gruppe waren es 69,6 Prozent.

Noch deutlicher wird der Unterschied bei den Therapieabbrüchen: Nur 1,2 Prozent der Patienten mit dem neuen Medikament brachen die Behandlung wegen Nebenwirkungen ab. In der Chemotherapie-Gruppe waren es 11,2 Prozent.

Der häufigste unerwünschte Effekt: Hautausschlag, der bei 86,3 Prozent der Teilnehmer auftrat. Im Gegenzug berichteten die Patienten über weniger Schmerzen und eine verbesserte Lebensqualität.

Zulassung noch dieses Jahr?

Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat Daraxonrasib bereits mehrere Sonderstatus verliehen: Breakthrough Therapy, Orphan Drug und Fast Track. Zudem wurde ein Compassionate-Use-Programm genehmigt, das todkranken Patienten den Zugang zum Medikament bereits vor der offiziellen Zulassung ermöglicht.

Revolution Medicines bereitet nun die formellen Zulassungsanträge vor. Analysten von Truist Securities rechnen mit einer US-Zulassung bereits im dritten Quartal 2026.

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Ausblick: Mehr als nur Pankreaskrebs

Die Forscher blicken bereits über den Bauchspeicheldrüsenkrebs hinaus. Klinische Studien zu Lungen-, Darm- und Eierstockkrebs laufen bereits. Überall dort, wo RAS-Mutationen eine Rolle spielen, könnte Daraxonrasib künftig zum Einsatz kommen.

Für die betroffenen Patienten in Deutschland bedeutet dies: Noch in diesem Jahr könnte eine neue, wirksame Therapieoption zur Verfügung stehen – und das ausgerechnet bei einer Krebserkrankung, die bislang als besonders schwer behandelbar galt.

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