Bauchspeicheldrüsenkrebs: Daraxonrasib verdoppelt Überlebenszeit
03.06.2026 - 01:39:36 | boerse-global.deNeue klinische Daten zeigen bahnbrechende Fortschritte bei der Behandlung von Bauchspeicheldrüsenkrebs, Lungenkrebs und Brustkrebs. Im Fokus stehen zielgerichtete Therapien, präzise Gentests und Immuntherapien, die vielen Patienten eine schonendere Behandlung ermöglichen könnten.
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Durchbruch bei Bauchspeicheldrüsenkrebs
Eine der spektakulärsten Neuigkeiten kommt aus der Erforschung des Pankreaskarzinoms – einer der aggressivsten Krebsarten überhaupt. Eine am 1. Juni im New England Journal of Medicine veröffentlichte Phase-III-Studie zeigt, dass das Medikament Daraxonrasib die Überlebenschancen dramatisch verbessert.
Das Präparat des US-Biotechunternehmens Revolution Medicines greift gezielt mutierte RAS-Proteine an – eine lange als „unheilbar" geltende Zielstruktur. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Patienten mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs lebten im Median 13,2 Monate – doppelt so lange wie unter herkömmlicher Chemotherapie (6,6 Monate). Auch die Zeit bis zum Fortschreiten der Erkrankung verlängerte sich von 3,5 auf 7,3 Monate.
Besonders bemerkenswert: Schwere Nebenwirkungen traten seltener auf (61,8 Prozent gegenüber 69,6 Prozent). Noch deutlicher der Unterschied bei Therapieabbrüchen: Nur 1,2 Prozent der Patienten setzten Daraxonrasib ab, in der Chemotherapie-Gruppe waren es 11,2 Prozent. Die US-Arzneimittelbehörde FDA hat dem Medikament bereits den Breakthrough-Therapy-Status und einen Compassionate-Use-Zugang gewährt.
Lungenkrebs: Antikörper-Wirkstoff senkt Sterberisiko
Auch in der Lungenkrebsforschung gibt es Grund zur Hoffnung. Eine Phase-III-Studie, ebenfalls am 1. Juni im The Lancet veröffentlicht, untersuchte den bispezifischen Antikörper Ivonescimab. Das Präparat blockiert gleich zwei Signalwege: den Immun-Checkpoint PD-1 und den Wachstumsfaktor VEGF.
An der Studie nahmen 532 chinesische Patienten mit fortgeschrittenem nicht-kleinzelligem Lungenkrebs vom Plattenepithel-Typ teil. Die Kombination aus Ivonescimab und Chemotherapie senkte das Sterberisiko um 34 Prozent. Die mediane Gesamtüberlebenszeit betrug 27,9 Monate – gegenüber 23,7 Monaten in der Kontrollgruppe.
Einiger Wermutstropfen: Blutungen traten unter der Antikörper-Therapie häufiger auf (24 Prozent gegenüber 12 Prozent). Diese waren jedoch selten schwerwiegend.
Gentests ersparen Tausenden die Chemotherapie
Nicht immer ist die aggressive Chemotherapie nötig. Zwei große Studien zeigen, wie Präzisionsdiagnostik Patienten vor unnötigen Belastungen bewahren kann.
Die Optima-Studie unter Leitung des University College London untersuchte den Prosigna-Gentest bei 4.429 Patientinnen mit frühem hormonrezeptor-positivem Brustkrebs. Die Ergebnisse, Anfang Juni vorgestellt, sind eindeutig: Patientinnen, die aufgrund des Testergebnisses auf Chemotherapie verzichteten, hatten nach fünf Jahren eine krankheitsfreie Überlebensrate von 93,7 Prozent – kaum schlechter als die 94,9 Prozent in der Chemotherapie-Gruppe. Allein in Großbritannien könnten demnach jährlich über 5.000 Frauen sicher auf die Chemotherapie verzichten.
Die CIRCULATE-Studie des Dresdner Universitätsklinikums verfolgte einen anderen Ansatz. Zwischen 2020 und 2025 wurden über 2.100 Patienten mit Darmkrebs im Stadium II auf zirkulierende Tumor-DNA (ctDNA) im Blut getestet. Die am 2. Juni vorgestellten Daten zeigen: Patienten ohne nachweisbare ctDNA blieben zu 87 Prozent drei Jahre lang rückfallfrei. Bei ctDNA-positiven Patienten lag die Rate bei nur 52 Prozent – sie profitierten jedoch massiv von einer Chemotherapie: Die Rückfallfreiheit stieg auf 77 Prozent, verglichen mit 38 Prozent ohne Behandlung.
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mRNA-Impfstoffe: Langzeiterfolg bei schwarzem Hautkrebs
Die mRNA-Technologie, bekannt aus der Corona-Pandemie, zeigt auch in der Krebstherapie ihr Potenzial. Eine Phase-IIb-Studie mit 157 Patienten untersuchte einen individualisierten mRNA-Impfstoff von Moderna in Kombination mit dem Checkpoint-Hemmer Pembrolizumab bei Melanom-Patienten.
Die nach fünf Jahren vorgelegten Daten belegen eine anhaltende Reduktion des Rückfallrisikos und der Fernmetastasierung – im Vergleich zur Immuntherapie allein. Eine größere Phase-III-Studie mit über 1.000 Teilnehmern läuft bereits, Ergebnisse werden für Ende 2026 erwartet. Allerdings hat die personalisierte Behandlung ihren Preis: Die Kosten werden auf über 100.000 Euro pro Jahr geschätzt.
„Zombie-Zellen": Neuer Angriffspunkt entdeckt
Ein völlig neuer Forschungsansatz beschäftigt sich mit sogenannten seneszenten Zellen – auch „Zombie-Zellen" genannt. Diese bleiben nach einer Krebstherapie im Körper zurück und können Rückfälle begünstigen.
Eine am 2. Juni in Nature Cell Biology veröffentlichte Studie identifizierte eine Schwachstelle dieser Zellen: Sie sind auf das Enzym GPX4 angewiesen, das sie vor einer bestimmten Form des Zelltods – der Ferroptose – schützt. In Mausmodellen für Prostata-, Eierstock- und Hautkrebs führte die Blockade von GPX4 zur gezielten Eliminierung dieser Zellen.
Besonders vielversprechend: Bei Eierstockkrebs führte die Kombination eines GPX4-Hemmers mit dem Chemotherapeutikum Cisplatin zu deutlich kleineren Tumoren und verbesserten Überlebensraten – im Vergleich zur alleinigen Cisplatin-Gabe.
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