Bauchspeicheldrüsenkrebs: EMA empfiehlt Daraxonrasib
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 16:37 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBehandlung nach erster Chemotherapie
- Die EMA empfiehlt Daraxonrasib für Erwachsene mit metastasiertem Pankreaskarzinom nach mindestens einer Vorbehandlung.
- In der Phase-III-Studie lebten 500 Patienten unter dem Wirkstoff median 12,4 Monate.
- Die EU-Kommission muss die Marktzulassung noch formell erteilen.
EMA empfiehlt Daraxonrasib für bestimmte Patienten
Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA empfiehlt die Zulassung des Medikaments Daraxonrasib für Erwachsene mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs nach mindestens einer vorherigen Behandlung. Das Mittel mit dem Handelsnamen Rasonque verlängerte in einer Phase-III-Studie das mediane Überleben gegenüber einer Chemotherapie, verspricht aber keine Heilung.
Überleben in Studie fast verdoppelt
An der Studie nahmen 500 Menschen mit fortgeschrittenem Bauchspeicheldrüsenkrebs teil. Die Patienten lebten unter Daraxonrasib im Median 12,4 Monate, in der Vergleichsgruppe mit Chemotherapie 6,7 Monate.
Auch die Zeit ohne eine Verschlechterung der Erkrankung war länger: Mit dem neuen Medikament betrug sie 7,2 Monate, mit Chemotherapie 3,6 Monate. Alle Teilnehmer hatten zuvor bereits einen ersten Durchgang Chemotherapie erhalten.
Zielgerichteter Angriff auf RAS-Signalwege
Daraxonrasib gehört zur Wirkstoffklasse der RAS(ON)-Inhibitoren. Das Medikament soll ein dauerhaft aktives RAS-Protein und nachgeschaltete Signalwege hemmen, die das Wachstum von Tumorzellen fördern.
Bei etwa 90 Prozent der Bauchspeicheldrüsenkrebsfälle liegen entsprechende RAS-Mutationen vor. Anders als bisherige Hemmer soll Daraxonrasib nicht nur gegen eine einzelne Mutation, sondern gegen verschiedene RAS-Varianten wirken.
Nebenwirkungen bleiben ein Thema
Nebenwirkungen traten bei allen Studienteilnehmern auf. Häufig waren Hautausschlag, Durchfall und Entzündungen der Mundschleimhaut.
Schwere Nebenwirkungen wurden unter Daraxonrasib bei 61,8 Prozent der Patienten registriert, unter Chemotherapie bei 69,6 Prozent. Die Therapie brachen 1,2 Prozent der Betroffenen wegen Nebenwirkungen ab, verglichen mit 11,2 Prozent in der Chemotherapiegruppe.
Deutschland wartet auf EU-Entscheidung
In den USA ist Daraxonrasib seit Ende August für Erwachsene mit metastasiertem Pankreasadenokarzinom nach einer ersten Chemotherapie zugelassen. Wann das Medikament in Deutschland erhältlich sein wird, ist noch offen.
Nach der EMA-Empfehlung muss zunächst die Europäische Kommission über die offizielle Marktzulassung entscheiden. Untersuchungen zu einem möglichen Einsatz bei weiteren Krebsarten laufen, Ergebnisse liegen dafür noch nicht vor.
Die EMA-Empfehlung betrifft eine klar eingegrenzte Patientengruppe: Erwachsene mit metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs, deren Erkrankung nach mindestens einer vorherigen Behandlung fortgeschritten ist. Für diese Situation sind die therapeutischen Möglichkeiten bislang begrenzt, weil eine Operation bei gestreuter Erkrankung in der Regel nicht mehr als heilender Ansatz infrage kommt.
Die Studienzahlen markieren einen deutlichen Unterschied zwischen Daraxonrasib und der verglichenen Chemotherapie. Ein medianes Gesamtüberleben von 12,4 statt 6,7 Monaten bedeutet jedoch nicht, dass jeder Patient um diesen Zeitraum länger lebt. Der Median beschreibt den Zeitpunkt, an dem die Hälfte der Studienteilnehmer noch lebt; individuelle Verläufe können deutlich abweichen.
Entscheidung über Marktzugang steht noch aus
Für Patienten in Deutschland folgt auf die Empfehlung der Arzneimittelagentur noch die Entscheidung der Europäischen Kommission. Erst danach kann das Medikament regulär auf dem EU-Markt angeboten werden. Zusätzlich müssen praktische Fragen wie Erstattung, ärztliche Auswahl der geeigneten Patienten und der Umgang mit Nebenwirkungen geklärt werden.
Die Therapie zielt auf dauerhaft aktivierte RAS-Signalwege und damit auf einen biologischen Treiber vieler Pankreastumoren. Dass der Wirkstoff auch bei weiteren Krebsarten untersucht wird, eröffnet wissenschaftliche Perspektiven, ersetzt aber keine vorliegenden Wirksamkeitsnachweise für diese Erkrankungen.
