Bauernhof-Effekt: Forscher identifizieren Schutz-Bakterien gegen Asthma
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 22:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen geben neue Einblicke in den sogenannten âBauernhof-Effektâ, der Kinder in lĂ€ndlichen Regionen vor Atemwegserkrankungen und Allergien schĂŒtzt. Forscher des Deutschen Zentrums fĂŒr Lungenforschung (DZL/CPC-M) sowie des LMU Klinikums MĂŒnchen und von Helmholtz Munich konnten in einer Studie zeigen, dass bestimmte Bakterienarten aus dem Stallumfeld eine zentrale Rolle bei dieser PrĂ€vention spielen. Die am 28. Juli 2026 im Fachjournal NEJM Evidence veröffentlichten Ergebnisse identifizieren erstmals konkrete Mikroorganismen, die einen GroĂteil der schĂŒtzenden Wirkung erklĂ€ren.
Identifikation schĂŒtzender Mikroorganismen aus der Stallluft
Im Zentrum der Analyse stehen Gram-positive Bakterien, die in KuhstĂ€llen vorkommen und ĂŒber die Stallluft aufgenommen werden. Insgesamt identifizierte das Forschungsteam neun Gattungen dieser Bakterienklasse. Besondere Bedeutung messen die Wissenschaftler dabei den Arten Romboutsia timonensis und Glutamicibacter arilaitensis bei.
Den Daten der Untersuchung zufolge lĂ€sst sich der Schutz vor Asthma zu zwei Dritteln durch das Vorhandensein dieser Bakterien begrĂŒnden. Bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen und Neurodermitis erklĂ€ren diese Mikroorganismen etwa die HĂ€lfte des beobachteten Schutzeffekts. Damit konnte die ForschungslĂŒcke zwischen der bloĂen Beobachtung des Bauernhof-Effekts und den zugrunde liegenden biologischen Auslösern ein entscheidendes StĂŒck geschlossen werden.
Datenbasis und europÀische Validierung
Die Studie wurde unter der Leitung von Prof. Markus Ege durchgefĂŒhrt, der am DZL, dem LMU Klinikum sowie bei Helmholtz Munich tĂ€tig ist. Die methodische Grundlage bildeten Daten von 1018 Kindern aus lĂ€ndlichen Regionen Europas. Durch diesen umfassenden Datensatz konnten die Forscher die ZusammenhĂ€nge zwischen der mikrobiellen Exposition in der frĂŒhen Kindheit und der spĂ€teren Entwicklung von Allergien detailliert nachverfolgen.
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Um die Belastbarkeit der Ergebnisse zu sichern, wurden die Erkenntnisse zudem anhand von Daten aus weiteren europĂ€ischen LĂ€ndern wie Frankreich und Finnland validiert. Diese geografische Breite der Untersuchung unterstreicht, dass es sich bei den identifizierten Bakterien um einen allgemeingĂŒltigen Faktor im Kontext der lĂ€ndlichen ImmunprĂ€vention handelt.
Biochemische Wirkmechanismen und Stoffwechselprodukte
Ăber die reine Identifizierung der Bakterien hinaus liefert die Studie ErklĂ€rungen fĂŒr die biochemischen Prozesse im menschlichen Körper. Die schĂŒtzende Wirkung der Bakterien wird demnach ĂŒber spezifische Stoffwechselprodukte vermittelt. Die Forscher nannten in diesem Zusammenhang Kynurenin, Xanthin sowie die FettsĂ€uren Alpha-LinolensĂ€ure und StearidonsĂ€ure.
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Diese Metaboliten agieren als Signalstoffe, welche die Rezeptoren AhR (Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor) und PPAR? (Peroxisom-Proliferator-aktivierter Rezeptor gamma) im Körper aktivieren. Diese Rezeptoren spielen eine wesentliche Rolle bei der Regulierung des Immunsystems und der UnterdrĂŒckung entzĂŒndlicher Prozesse, wie sie bei Asthma oder Neurodermitis auftreten. Die Aktivierung dieser Pfade durch die von Bauernhof-Bakterien produzierten Stoffe scheint somit ein SchlĂŒsselelement fĂŒr die lebenslange Allergieresistenz zu sein, die bei vielen in der Landwirtschaft aufgewachsenen Kindern beobachtet wird.
Die Ergebnisse der im Juli 2026 publizierten Arbeit könnten langfristig die Basis fĂŒr neue prĂ€ventive AnsĂ€tze bilden, um die Mechanismen des Bauernhof-Schutzes auch fĂŒr Kinder zugĂ€nglich zu machen, die nicht in einem direkten landwirtschaftlichen Umfeld aufwachsen.
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