Bauernhofeffekt: Neun Bakterien erklären zwei Drittel des Asthma-Schutzes
Veröffentlicht am: 09.08.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Forschende der LMU München und von Helmholtz München haben den Bauernhofeffekt entschlüsselt. Neun Bakteriengattungen aus Kuhställen erklären rund zwei Drittel des Schutzes vor Asthma.
Stallmikroben als Schutzschild
Die GABRIELA-Studie analysierte Daten von 1.018 Kindern. Das Ergebnis: Bakterien aus dem Verdauungstrakt von Kühen gelangen über die Stallluft in die Umgebung – und trainieren dort das Immunsystem. Bei allergischen Erkrankungen wie Heuschnupfen oder Neurodermitis reduzieren die Mikroben das Risiko immerhin um die Hälfte. Die Genetik beeinflusst allerdings, wie stark der mikrobielle Schutz individuell wirkt.
Biochemische Signalwege entschlĂĽsselt
Die Forschenden identifizierten auch die zugrundeliegenden Mechanismen. Bestimmte Stoffwechselprodukte der Bakterien – darunter Kynurenin, Xanthin und ?-Linolensäure – binden an zwei spezifische Rezeptoren im menschlichen Körper. Der Aryl-Hydrocarbon-Rezeptor (AhR) und der PPAR?-Rezeptor unterdrücken dadurch entzündliche Reaktionen, die typischerweise zu Asthma führen.
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Prof. Markus Ege betonte die Bedeutung der replizierten Ergebnisse für die künftige Forschung. Allerdings handelt es sich bisher um Beobachtungen – ein direktes Produkt oder eine klinische Empfehlung lässt sich daraus noch nicht ableiten.
Haustiere als natĂĽrliche Helfer
Auch andere mikrobielle Einflüsse rücken in den Fokus. Eine finnische Studie untersuchte 368 Säuglinge und fand acht Mikroben im Staub von Haushalten mit Hunden – darunter Collinsella und Pasteurella. Sie erklären bis zu 25 Prozent des Schutzes vor Infektionen im frühen Kindesalter und senken die Häufigkeit von Fieber sowie den Antibiotika-Bedarf.
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Neue Therapieansätze bei Erdnussallergie
Parallel erforschen Wissenschaftler die fäkale Mikrobiota-Transplantation gegen Erdnussallergien. Erste Ergebnisse: Bei Erwachsenen zeigten drei von zehn Teilnehmern eine verbesserte Toleranz – nach vorheriger Antibiotika-Behandlung sogar drei von fünf. Die übertragenen Bakterien erhöhten die Gallensalzwerte und stimulierten regulatorische Immunzellen.
Supplemente bleiben umstritten
Bei der Asthma-Prävention durch Vitamine ist die Studienlage uneinheitlich. Fachberichte raten von einer Supplementierung mit Vitamin D, E oder A ohne ärztliche Rücksprache ab – der Nutzen ist bislang nicht ausreichend belegt.
