Beinwell: Heilpflanze des Jahres 2027 lindert Schmerzen, birgt aber Risiken
Veröffentlicht am: 19.10.2026 um 15:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Verein NHV Theophrastus hat den Echten Beinwell (Symphytum officinale) zur Heilpflanze des Jahres 2027 gewählt. Die Pflanze blickt auf eine lange Tradition zurück: Bereits seit rund 2.000 Jahren wird Beinwell bei Verletzungen und Knochenbrüchen verwendet.
Während die traditionelle Verwendung bei Frakturen eine ärztliche Betreuung oder einen Gips niemals ersetzen kann, steht die Pflanze heute vor allem wegen ihrer lindernden Eigenschaften bei Beschwerden des Bewegungsapparats im Fokus der Naturheilkunde und Phytotherapie.
Wirkstoffe und phytotherapeutische Einordnung
Die pharmakologische Wirkung geht maßgeblich von der Beinwell-Wurzel aus. Sie enthält Schleimstoffe, Gerbstoffe sowie Allantoin, dessen Gehalt bei 0,6 bis 4,7 Prozent liegt. Allantoin fördert die Regeneration von geschädigtem Gewebe.
Äußerlich angewendet kommt Beinwell bei Prellungen, Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen, Sehnenscheidenentzündungen sowie bei Muskel-, Gelenk- und Rückenschmerzen zum Einsatz.
Diese Einsatzbereiche werden auch von offiziellen Gremien gestützt: Laut dem Ausschuss für pflanzliche Arzneimittel (HMPC) und der Kommission E wird die Beinwell-Wurzel äußerlich bei Prellungen, Zerrungen und Verstauchungen eingesetzt.
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Die Sachverständigenorganisation ESCOP nennt zudem Anwendungsgebiete wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Gelenkarthrose, Rückenschmerzen, Sehnenscheidenentzündungen sowie den Tennisellenbogen.
Studienlage zu Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
Klinische Untersuchungen bestätigen das Potenzial der Pflanze. Bei Verstauchungen und Prellungen reduziert eine Beinwell-Salbe Schmerzen und Schwellungen ebenso stark wie einige synthetische, entzündungshemmende Gele. Weitere Effekte wurden bei Knie-Arthrose, Tendinitis und Tennisarm nachgewiesen.
In placebokontrollierten Studien (Koll 2004, Grube 2010, Giannetti 2009) erwies sich Beinwell-Extrakt bei Sprunggelenksverstauchungen, Kniearthrose und Rückenschmerzen als wirksamer im Vergleich zu Placebo. Untersuchungen von Predel (2005) sowie D’Anchise (2007) ergaben zudem eine mit Diclofenac-Gel vergleichbare Wirksamkeit der Salbe. Eine Untersuchung von Staiger (2008) dokumentierte darüber hinaus eine gute Wirksamkeit bei Kindern.
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Risiken durch Alkaloide und Vorgaben zur Anwendung
Trotz der belegten Wirksamkeit erfordert der Umgang mit Beinwell strenge Vorsichtsmaßnahmen. Die Pflanze enthält giftige Pyrrolizidinalkaloide (PA), die in den 1980er-Jahren mit schweren Leberschäden in Verbindung gebracht wurden. Diese Alkaloide schädigen das Lebergewebe und können durch einen Venenverschluss teils tödlich wirken. Eine innerliche Anwendung ist deshalb untersagt; Frankreich und weitere Länder haben den oralen Verkauf verboten.
Für die äußerliche Anwendung gelten klare Richtlinien: Beinwell darf niemals auf offenen Wunden aufgetragen werden. Die Anwendungsdauer sollte maximal vier bis sechs Wochen pro Jahr betragen. Während der Schwangerschaft und Stillzeit sowie bei Kindern unter drei Jahren ist die Anwendung zu meiden.
Um toxische Risiken zu minimieren, sind moderne Apothekenprodukte PA-reduziert verarbeitet. Für Fertigarzneimittel gilt dabei ein gesetzlicher Grenzwert, nach dem maximal 100 Mikrogramm Pyrrolizidinalkaloide pro Tag auf die Haut gelangen dürfen.
