Betrugs-Welle, Milliarden

Betrugs-Welle: 4,2 Milliarden Euro Schaden in Europa durch Anruftricks

Veröffentlicht am: 21.09.2026 um 23:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Neue Betrugsfälle zeigen hohe Schäden durch falsche Polizisten und Bankmitarbeiter. In Europa stiegen die Verluste auf 4,2 Milliarden Euro.

Telefonbetrug nimmt zu: KI macht falsche Behörden glaubwürdiger
Eine dunkle, ruhige Wohnungsflur-Szene mit einer geschlossenen Haustür bei Dämmerung. Illustration mit AI erstellt.

Kriminelle geben sich am Telefon weiterhin systematisch als Behördenvertreter, Polizisten oder Kundendienstmitarbeiter aus, um Bürger um ihr Erspartes zu bringen. Sicherheitsbehörden und Experten warnen vor einer wachsenden Bedrohungslage, da der Einsatz moderner Technologien und künstlicher Intelligenz die Täuschungsmanöver zunehmend glaubwürdiger gestaltet.

Die Vorgehensweisen der Täter reichen von Schockanrufen über angebliche Notlagen von Angehörigen bis hin zu Warnungen vor angeblich gefährdeten Bankkonten. Wie gravierend die Schäden sein können, belegen jüngste Fälle aus mehreren Bundesländern.

Am Sonntag, dem 20.09.2026, übergab ein 81-jähriger Senior in Kümmersbruck nach einem Anruf eines falschen Polizisten Wertgegenstände im Wert eines mittleren vierstelligen Eurobetrags sowie seine Bankkarte samt Geheimzahl direkt an der Haustür. Die Karte konnte nach Angaben der Kriminalpolizeiinspektion Amberg rechtzeitig gesperrt werden, bevor Abbuchungen erfolgten.

Bereits am Samstag, dem 19. September 2026, fiel ein 82-jähriger Mann in Heiligenhaus auf einen angeblichen Mitarbeiter seiner Hausbank herein. Der Anrufer überzeugte den Senior, sein Geld auf ein angebliches Treuhandkonto abzusichern, woraufhin das Opfer eine mittlere fünfstellige Summe überwies.

Regionale Anrufwellen und Vorgehen an der Haustür

Auch andernorts verzeichnen die Ermittlungsbehörden anhaltende Anrufserien. Das Polizeipräsidium Oberfranken registrierte laut einem Bericht vom 21.09.2026 bis zum Nachmittag mehr als 30 betrügerische Anrufe, bei denen Anrufer teils vorgaben, nahe Angehörige bräuchten dringend Geld für kostspielige Behandlungen im Ausland. Neben manipulierten Rufnummernanzeigen nutzen die Täter auch Vorwände rund um angebliche Kartensperrungen.

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Im Bereich Delmenhorst und Ganderkesee meldete die Polizei Delmenhorst/Oldenburg-Land/Wesermarsch für die letzten Wochen mindestens zwölf vollendete Betrugstaten zum Nachteil älterer Menschen.

Betrüger hatten sich als Mitarbeiter der jeweiligen Hausbank ausgegeben, Zugangsdaten erfragt und die Bankkarten anschließend an der Haustür abgeholt. Bei nachfolgenden Bargeldabhebungen schöpften die Täter das tägliche Limit von bis zu 5.000 Euro teils vollständig aus, was zu einem Gesamtschaden im mittleren fünfstelligen Bereich führte.

Professionalisierung durch digitale Werkzeuge

Hinter den Taten stehen zunehmend arbeitsteilig organisierte Strukturen. Andreas Dietrich von der Hochschule Luzern warnt vor sogenanntem Multirail Fraud, bei dem Angreifer mehrere Zahlungssysteme wie E-Banking oder Sofortüberweisungen parallel attackieren, um die gesamte Kundenbeziehung zu kapern.

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Durch künstliche Intelligenz lassen sich Stimmen synthetisieren und personalisierte Kontaktaufnahmen automatisieren, während im Darknet vorgefertigte Betrugswerkzeuge als Dienstleistung gehandelt werden.

Die Dimension des Problems spiegelt sich auch in europäischen Statistiken wider. Einem Bericht der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) zufolge beliefen sich die Betrugsverluste im Europäischen Wirtschaftsraum zuletzt auf 4,2 Milliarden Euro, ein Anstieg um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kartenzahlungen machten dabei 1,3 Milliarden Euro aus, während Überweisungen ein Volumen von 2,5 Milliarden Euro erreichten. Bei Überweisungsdelikten entsteht knapp drei Viertel des Schadens durch gezielte Manipulation der Opfer.

Polizeidienststellen raten Verbrauchern dringend, bei unaufgeforderten Anrufen sofort aufzulegen, wenn finanzielle Verhältnisse erfragt oder Transaktionen verlangt werden. Kreditinstitute und Behörden fordern niemals am Telefon oder an der Haustür zur Übergabe von Zahlungskarten, Kennwörtern oder Geheimzahlen auf. Im Verdachtsfall sollten Betroffene eigenständig die offiziell bekannten Rufnummern der Institute oder den Notruf wählen.

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