Bewegungsmangel, Modellrechnung

Bewegungsmangel: Modellrechnung sieht 46,6 Prozent weniger Schlaganfälle

Veröffentlicht am: 28.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Regelmäßiges Muskeltraining unterstützt Knochen, Stoffwechsel und den Erhalt der Muskelmasse bei medikamentöser Gewichtsreduktion.

Krafttraining stärkt Muskeln und Gesundheit bei Gewichtsabnahme
Ein heller, minimalistischer Trainingsraum mit hängenden Gymnastikringen in einer ruhigen, modernen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Die gezielte Stärkung der Muskulatur gewinnt in der Präventivmedizin zunehmend an Bedeutung. Während Ausdauersport lange Zeit im Zentrum allgemeiner Fitnessempfehlungen stand, betonen Fachleute mittlerweile die unverzichtbare Rolle von Krafttraining für den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit und die Stoffwechselgesundheit. Zugleich werfen moderne medikamentöse Therapien zur Gewichtsreduktion neue Fragen hinsichtlich des Erhalts der Muskelmasse auf.

Krafttraining als Fundament der Prävention

Krafttraining bildet neben dem Ausdauertraining eine zentrale Säule der Gesundheitsförderung. Richard Crevenna von der MedUni Wien hebt hervor, dass regelmäßige Kräftigung weit über rein ästhetische Ziele hinausgeht.

Für Erwachsene lauten die allgemeinen Bewegungsempfehlungen, pro Woche mindestens 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensivere Ausdaueraktivität zu absolvieren. Ergänzend sollte an mindestens zwei Tagen pro Woche ein Training aller großen Muskelgruppen stattfinden.

Insbesondere für Frauen nach der Menopause ist progressives Krafttraining wertvoll, da es dem natürlichen Verlust an Knochenmasse entgegenwirkt und das Risiko für Osteoporose sowie Knochenbrüche senkt. Schwere Gewichte sind dafür nicht zwingend erforderlich.

Einheiten mit dem Thera-Band oder dem eigenen Körpergewicht genügen; empfohlen werden zwei Einheiten pro Woche im Umfang von 20 bis 30 Minuten. Funktionelle Übungen nach grundlegenden Bewegungsmustern – wie Kniebeugen, Liegestütze, Ausfallschritte oder Treppensteigen – fördern die Körperspannung und Bewegungskontrolle nachhaltig.

Modellrechnungen zeigen hohes Potenzial

Dass im Alltag oft ein erhebliches Defizit herrscht, verdeutlichen wissenschaftliche Erhebungen. Eine in der Fachzeitschrift „Das Gesundheitswesen“ publizierte Studie der MedUni Wien unter Leitung von Cristina Fastl ergab auf Basis von 3.995 Datensätzen der ATHIS-Gesundheitsbefragung, dass lediglich 29,6 Prozent der Österreicher über 65 Jahren die empfohlene aerobe Mindestaktivität von 150 Minuten pro Woche erreichen.

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Modellrechnungen der Autoren legen nahe, dass bei ausreichender Bewegung bis zu 46,6 Prozent der Schlaganfälle, 40,8 Prozent der Herzinfarkte und 35,8 Prozent der Diabetes-mellitus-Fälle im oberen hypothetischen Bereich vermeidbar wären. Neben der Ausdauer empfiehlt sich für Personen über 65 Jahren an mindestens drei Tagen pro Woche gezieltes Gleichgewichtstraining.

Risiken bei medikamentöser Gewichtsabnahme

Die Debatte um den Muskelerhalt wird durch die Verbreitung von Abnehmmedikamenten zusätzlich verschärft. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid schwächen das Hungergefühl und verlangsamen die Magenentleerung, was bei Personen mit Adipositas zu deutlichen Gewichtsverlusten führen kann.

Fachärzte verweisen jedoch auf Begleiterscheinungen: Neben möglichen psychischen Belastungen oder Schmerzen besteht bei einer raschen Reduktion ein relevantes Risiko für allgemeinen Muskelabbau sowie Volumenverlust im Gesicht.

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Wird eine medikamentöse Behandlung abgesetzt, droht ohne veränderten Lebensstil zudem eine rasche Wiederzunahme. Vor diesem Hintergrund betonen Sportmediziner, dass ein gesunder Fettabbau Zeit erfordert. Zertifizierte Trainer verweisen darauf, dass eine Gewichtsabnahme von etwa einem Kilogramm pro Woche als realistisch gilt, während sichtbare Veränderungen oft erst nach mehreren Wochen einsetzen.

Nachhaltige Strategien für Muskelaufbau und Fettabbau

Der menschliche Körper baut Fettgewebe hormonell und genetisch gesteuert systemisch ab, nicht isoliert an einzelnen Zonen. Insbesondere das stoffwechselaktive viszerale Fett um die inneren Organe ist mit Entzündungsprozessen und Insulinresistenz verknüpft.

Um dieses Risiko zu senken, gilt die Kombination aus moderatem Kaloriendefizit, vollwertiger Ernährung, Ausdauereinheiten und konsequentem Krafttraining als wirksamster Pfad, um Muskelmasse langfristig zu sichern und die metabolische Gesundheit zu stabilisieren.

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