Bewegungsmangel, Regelmäßiger

Bewegungsmangel: Regelmäßiger Sport senkt Depressionsrisiko um 43%

Veröffentlicht am: 17.07.2026 um 07:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Hohe Fehlzeiten belasten Betriebe. Die Regierung plant eine Attestpflicht ab Tag eins, während Experten vor negativen Folgen warnen.

Krankenstand in Deutschland: Rekordhoch und politische Reaktionen
Ein erschöpfter Büroangestellter sitzt gebeugt an einem Schreibtisch in einem schwach beleuchteten Büro, umgeben von Akten. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Nach einer Quote von 5,5 Prozent und durchschnittlich 20 Fehltagen pro Kopf im Jahr 2023 setzte sich der Trend fort. Allein von Januar bis November 2025 verzeichneten die Statistiken rund 18,6 bis 19 Ausfalltage im Schnitt.

Bewegungsmangel und Psyche als Haupttreiber

Muskel-Skelett-Erkrankungen sind der Spitzenreiter unter den Krankheitsursachen. Laut Gesundheitsreports der vergangenen Jahre machten sie 2024 rund 21 Prozent aller Fehltage aus. Dicht dahinter folgen psychische Erkrankungen mit etwa 17,6 Prozent.

Dabei könnte Sport helfen: Regelmäßige Bewegung senkt das Risiko für Depressionen um bis zu 43 Prozent. Doch Langzeitkrankheiten wie psychische Leiden oder Krebs bleiben eine strukturelle Belastung. Sie verursachen rund 40 Prozent der gesamten Ausfalltage – obwohl sie nur einen kleinen Bruchteil der Fälle ausmachen.

Präsentismus: 95 Prozent arbeiten krank

Der Druck in den Betrieben ist enorm. Eine Umfrage unter 2.000 Erwerbstätigen im Juni 2026 zeigt: 72 Prozent der Beschäftigten fühlen sich rechtfertigungspflichtig, wenn sie sich krankmelden. Die Folge: Über 95 Prozent gaben an, bereits trotz Erkrankung gearbeitet zu haben.

Die Angst vor Nachteilen sitzt tief. Knapp zwei Drittel befürchten berufliche Konsequenzen durch Fehlzeiten, fast drei Viertel erlebten negative Reaktionen von Vorgesetzten. Gleichzeitig lehnen 59 Prozent der Erwerbstätigen eine Attestpflicht ab dem ersten Tag ab.

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Regierung Merz plant schärfere Regeln

Die Bundesregierung will gegensteuern. Geplant sind eine generelle Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag sowie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung. Gesundheitsministerin Warken kündigte zudem an, Krankschreibungen per Online-Fragebogen ohne Arztkontakt zu unterbinden.

Die Rechtsprechung stützt diesen Kurs. Bereits im September 2025 erklärte das Landesarbeitsgericht Hamm Online-Atteste ohne persönlichen Kontakt oder Videosprechstunde für unwirksam. Wer solche Zertifikate nutzt, riskiert den Verlust der Entgeltfortzahlung oder gar eine Kündigung. Die Videosprechstunde bleibt als Option erhalten – wird aber nur von rund 20 Prozent der Praxen angeboten.

Ärzte und Gewerkschaften warnen

Der Präsident einer Ärztekammer kritisiert die Pläne scharf. Er plädiert für den Erhalt der telefonischen Krankschreibung als Entlastung für die Praxen. Hausärzte weisen darauf hin, dass sie ohnehin nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller Bescheinigungen ausmacht.

Der Vorstand einer Gewerkschaft für Apothekenangestellte gibt zu bedenken: Eine Pflicht zum Praxisbesuch am ersten Tag könnte die Krankschreibungen eher verlängern. In tarifgebundenen Apotheken gilt oft eine Attestvorlage erst ab dem vierten Kalendertag.

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Hitze kostet Milliarden

Neben Krankheiten belasten auch klimatische Faktoren die Produktivität. Die Hitzewelle im Juni 2026 verursachte wirtschaftliche Kosten von mindestens 6,3 Milliarden Euro durch Leistungsverluste. Ab 30 Grad Celsius sinkt die Produktivität pro Grad um drei Prozent – während die Energiekosten für Betriebe steigen.

Potenzial im Gesundheitswesen

Ein Krankenhaus-Report aus dem Jahr 2026 zeigt: Strukturelle Veränderungen könnten entlasten. Rund 56 Prozent aller stationären Leistungen ließen sich ambulant erbringen oder ganz vermeiden. Da ambulante Behandlungen oft nur ein Viertel der Kosten stationärer Aufenthalte verursachen, fordern Kassenvertreter eine konsequentere Umsetzung entsprechender Reformen.

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