Bewegungssucht: Psychologen warnen vor Trainingsfalle mittlerer Dauerlauf
Veröffentlicht am: 20.09.2026 um 06:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Sportliche Betätigung und eine bewusste Lebensweise gelten gemeinhin als Grundpfeiler der Gesundheit. Aktuelle Berichte thematisieren jedoch zunehmend die Schattenseiten dieser Entwicklung: Neben der psychologischen Gefahr einer Bewegungssucht geraten auch methodische Fehler bei der Trainingsgestaltung in den Fokus. Insbesondere falsch eingesetzte Einheiten wie der mittlere Dauerlauf können dabei sportliche Ziele gefährden und physische Risiken bergen.
Wenn Sport zum zerstörerischen Lebensfokus wird
Wie Fachleute in einem Bericht vom 19. September 2026 darlegen, entwickeln Training und Ernährung bei manchen Männern eine Eigendynamik, bei der sportliche Routinen zum dominierenden Lebensfokus werden und erhebliche Schäden im persönlichen Umfeld sowie für die eigene Gesundheit nach sich ziehen.
Roland Müller von der Organisation Männer.ch betont in diesem Zusammenhang, dass der gesellschaftliche und persönliche Druck auf Männer in den vergangenen Jahren zugenommen habe.
Die diagnostische Einordnung erweist sich dabei als komplex. Flora Colledge von der Universität Luzern stellt klar, dass Bewegungssucht bislang nicht als eigenständige Störung anerkannt ist.
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Für die Beurteilung eines problematischen Verhaltens sei nicht die bloße Anzahl der absolvierten Trainingsstunden ausschlaggebend, sondern die spezifische Funktion, die der Sport für die betroffene Person erfüllt. Dient die Bewegung vorrangig der Emotionsregulation oder Kompensation, steige das Risiko für dysfunktionale Muster.
Dass dieses Phänomen keineswegs ein reines Männerproblem darstellt, zeigt eine untersuchte Stichprobe mit einem Durchschnittsalter von 44 Jahren: Männer und Frauen seien demnach ähnlich häufig von einer solchen Verhaltensproblematik betroffen.
Die Trainingsfalle des mittleren Dauerlaufs
Neben den psychologischen Dynamiken erfordert auch die konkrete Trainingspraxis eine differenzierte Betrachtung. Ein Bericht vom 20. September 2026 weist darauf hin, dass falsch eingesetzte Belastungen rasch zur Trainingsfalle werden können. Dies betrifft vor allem den mittleren Dauerlauf, der physiologisch exakt zwischen einem lockeren Grundlagenlauf und einem hochintensiven Tempotraining angesiedelt ist.
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In diesem mittleren Bereich ist die Atmung des Läufers bereits deutlich hörbar und eine Unterhaltung nur noch in abgehackter Form möglich, während eine Übersäuerung der Muskulatur noch ausbleibt. Wird diese Belastungsform jedoch unbedacht und zu häufig absolviert, droht eine Stagnation der Leistungsfähigkeit oder eine physische Überlastung.
Eine Laufexpertin empfiehlt daher klare Vorgaben für den Trainingsaufbau: Der Großteil der Gesamtkilometer sollte in einem betont lockeren Tempo zurückgelegt werden. Ein einziger mittlerer Dauerlauf pro Woche sei im Regelfall vollkommen ausreichend. Entscheidend für einen nachhaltigen Trainingserfolg bleibe, dass jede einzelne Einheit einen klar definierten Zweck erfüllt.
Teile dieses Beitrags beruhen auf Recherchen von NZZ.
