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Big Tech: Ratingagenturen warnen vor KI-Verschuldungsspirale

Veröffentlicht am: 25.07.2026 um 21:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Moody's und S&P warnen vor Rekordverschuldung durch KI-Infrastruktur. Erste Herabstufungen wie bei Oracle belasten den Anleihemarkt.

KI-Investitionen: Tech-Giganten riskieren Kreditwürdigkeit
Leuchtende Server-Racks in einem modernen Rechenzentrum, das massive Kapitalinvestitionen in künstliche Intelligenz repräsentiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die größten Technologiekonzerne der Welt geben Unsummen für Künstliche Intelligenz aus – und gefährden damit ihre Kreditwürdigkeit. Moody's, S&P und andere Ratingagenturen warnen vor einer beispiellosen Verschuldungsspirale.

Rekordinvestitionen ohne Renditegarantie

Der Hype um Künstliche Intelligenz zwingt die Tech-Branche zu einem fundamentalen Wandel. Aus einst schlanken, assetarmen Geschäftsmodellen werden kapitalintensive Schwergewichte. Moody's prognostiziert, dass die sechs wichtigsten Unternehmen – Alphabet, Amazon, Microsoft, Meta, Oracle und CoreWeave – ihre Investitionen auf rund 785 Milliarden Euro im Jahr 2026 steigern werden. Schon 2027 könnte die Milliardengrenze überschritten sein.

Das Problem: Die Konzerne geben mehr für Infrastruktur aus, als sie an freiem Cashflow erwirtschaften. Zwar gelten Microsoft, Alphabet, Amazon und Meta derzeit noch als kreditwürdig. Doch der Druck auf die Bilanzen wächst rasant.

Die finanziellen Verpflichtungen sind enorm. Die direkten Schulden der sechs Firmen belaufen sich auf rund 460 Milliarden Euro. Noch dramatischer sind die außerbilanziellen Verbindlichkeiten: Leasingverträge für Rechenzentren und Ausrüstung haben sich auf 1,2 Billionen Euro aufgebläht – davon entfallen 820 Milliarden auf Projekte, die noch nicht einmal begonnen haben.

Anleihemarkt reagiert nervös

Besonders besorgt zeigt sich der Anleihemarkt. Nachdem Alphabet am 24. Juli 2026 seine Investitionsprognose für das laufende Jahr anhob, stiegen die Renditen für Unternehmensanleihen von Google, Amazon und Meta spürbar an. Barclays-Analysten stellten fest, dass Big Tech inzwischen einen größeren Einfluss auf den US-Anleihemarkt hat als die größten Banken: 8,6 Prozent der Marktgewichtung entfallen auf Tech-Schulden, gegenüber 7,3 Prozent für Finanzinstitute.

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Die Nachfrage nach neuen Tech-Anleihen lässt bereits nach. Eine 25-Milliarden-Euro-Anleihe von Amazon Anfang Juli fand nur verhaltenen Absatz. Noch deutlicher war die Zurückhaltung bei BlackRock: Für eine 12,3-Milliarden-Euro-Anleihe zur Finanzierung eines Meta-Rechenzentrums in Texas gab es kaum Interesse. Investoren verlangen für das Meta-Projekt inzwischen Renditen von über sieben Prozent – ein deutlicher Anstieg gegenüber den Konditionen vom vergangenen Oktober.

Erste Bonitätsherabstufungen sind bereits erfolgt. S&P senkte Oracle auf BBB-, nur eine Stufe über Ramschstatus. Moody's bewertet Oracle mit Baa2 bei negativem Ausblick. Der Cloud-Dienstleister CoreWeave liegt mit Ba3 bereits im spekulativen Bereich.

Das Risiko des KI-Kreislaufs

Analysten warnen zudem vor einem gefährlichen Kreislauf: Die Tech-Riesen investieren massiv in KI-Forschungslabore wie OpenAI und Anthropic. Diese wiederum nutzen das Geld, um Cloud-Dienste genau bei denselben Investoren einzukaufen. Ein System, das auf Gedeih und Verderb auf steigende KI-Nachfrage angewiesen ist.

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Sollte die erwartete Nachfrage nach KI-Dienstleistungen ausbleiben, drohen massive Zahlungsausfälle. Die Aktienmärkte reagieren bereits nervös: Die 30-Tage-Korrelation zwischen KI-schweren Tech-Werten und Halbleiteraktien ist von +0,78 auf nahe Null gefallen – der niedrigste Stand seit viereinhalb Jahren.

Ein weiteres Problem: die Laufzeitinkongruenz zwischen Schulden und Vermögenswerten. Während Konzerne 25-jährige Anleihen begeben, um Rechenzentren zu finanzieren, beträgt die Lebensdauer der dafür benötigten Hochleistungs-Grafikprozessoren (GPUs) schätzungsweise nur fünf Jahre. Alphabet hat angesichts dieser Spannungen kürzlich eine Kapitalerhöhung über 85 Milliarden Euro angekündigt, um die Finanzierungslücke zu schließen.

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