BigBear 2.0: Phishing-Kampagne umgeht MFA bei 461 Organisationen
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 22:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In einem aktuellen Bericht vom 8. September 2026 hat das Sicherheitsunternehmen CloudSEK eine groĂangelegte Phishing-as-a-Service-Kampagne namens âBigBear 2.0â identifiziert. Die Operation, die auf der Software Evilginx2 basiert, zielt primĂ€r auf Microsoft-365-Konten ab. Die Besonderheit dieser Angriffe liegt in der FĂ€higkeit, herkömmliche Multi-Faktor-Authentifizierungen (MFA) durch den gezielten Diebstahl von Session-Cookies zu umgehen.
AusmaĂ und Betroffene der Kampagne
Den Analysen von CloudSEK zufolge sind weltweit bereits 461 Organisationen in ĂŒber 40 LĂ€ndern von der Kampagne betroffen. Davon gelten 258 Organisationen als vollstĂ€ndig kompromittiert.
Die Angreifer konnten insgesamt 5.137 DatensĂ€tze mit Zugangsdaten fĂŒr Microsoft 365 erbeuten. Diese Sammlung umfasst 1.032 Passwörter im Klartext sowie 4.148 Session-Cookies.
Die EffektivitĂ€t der Methode zeigt sich darin, dass 474 Anmeldungen unter erfolgreicher Umgehung der MFA durchgefĂŒhrt werden konnten. Insgesamt wurden 3.331 eindeutige IP-Adressen von Opfern erfasst.
Als Hauptziel der Kampagne haben sich IT-Dienstleister und Managed Service Provider (MSPs) herauskristallisiert, wobei in diesem Sektor 151 betroffene Organisationen gezÀhlt wurden. In einer geografischen Auswertung wurden Indien mit 658, Frankreich mit 463 sowie Saudi-Arabien mit 353 betroffenen Organisationen als die am stÀrksten getroffenen Regionen identifiziert.
Technische Vorgehensweise und Infrastruktur
Die Kampagne nutzt sogenannte Adversary-in-the-Middle-Techniken (AiTM). Dabei positionieren sich die Angreifer zwischen den Nutzer und den echten Dienst, um Session-Tokens unmittelbar nach einer erfolgreichen Authentifizierung abzufangen. Zur Verschleierung ihrer AktivitĂ€ten setzen die HintermĂ€nner Wohnproxys (residential proxies) ein. Zudem sind sie in der Lage, FIDO2-Hardware-SicherheitsschlĂŒssel zu deaktivieren, um den Zugriff zu sichern.
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Die technische Infrastruktur von BigBear 2.0 ist laut CloudSEK robust aufgestellt und umfasst 42 VPS-Knoten sowie fĂŒnf Partner, sogenannte Affiliates, die das System nutzen. Experten empfehlen zum Schutz vor solchen Angriffen den Einsatz von phishing-resistenten MFA-Lösungen auf Basis von FIDO2 sowie den sofortigen Widerruf verdĂ€chtiger Session-Tokens, sobald UnregelmĂ€Ăigkeiten festgestellt werden.
Parallele Bedrohungen und der Einfluss von KI
Neben der BigBear-2.0-Kampagne berichten andere Sicherheitsunternehmen ĂŒber Ă€hnliche Bedrohungsszenarien. Arctic Wolf verfolgt eine vishing-Kampagne unter dem Namen âPREY-0058â, die sich als IT-Helpdesk ausgibt. Diese richte sich vorwiegend gegen FĂŒhrungskrĂ€fte in den USA in den Branchen Bauwesen, Gesundheitswesen, Immobilien und Finanzen. Ziel sei ebenfalls der Diebstahl von MFA-Tokens und Session-Cookies, um Daten aus SharePoint, OneDrive und Exchange zu exfiltrieren.
ZusÀtzlich warnt das FBI vor einer Zunahme von OAuth-Consent-Phishing. Bei dieser Methode, die seit Ende 2025 beobachtet wird, erhalten Angreifer dauerhaften Zugriff auf Konten, der weder durch PasswortÀnderungen noch durch MFA unterbrochen werden kann. Ein solcher Zugriff könne nur durch das explizite Widerrufen der Berechtigungen in den App-Einstellungen beendet werden.
Untersuchungen der Google Threat Intelligence Group zeigen zudem, dass Bedrohungsakteure verstÀrkt KI-Frameworks nutzen, um Angriffe zu automatisieren. In einem dokumentierten Fall konnten Zugangsdaten massenhaft in weniger als sechs Stunden gesammelt werden.
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Ein exponierter Command-and-Control-Server namens âReconâ verwaltete dabei ĂŒber 23.800 gestohlene Geheimnisse. Dennoch existieren nach aktueller EinschĂ€tzung der Experten noch keine vollstĂ€ndig autonomen KI-Angriffspipelines.
Laut TransUnion nutzen zudem 63 % der Mitarbeiter nicht autorisierte KI-Tools am Arbeitsplatz, was zusĂ€tzliche Sicherheitsrisiken schafft. WĂ€hrend KI traditionelle Methoden wie Phishing verstĂ€rkt, bleiben Ransomware und Business Email Compromise (BEC) laut dem Unternehmen die gröĂten Bedrohungen fĂŒr die Cybersicherheit.
In einem separaten Fall, ĂŒber den Mondaq berichtete, forderten Angreifer der Gruppe UNC6671 nach Vishing-Angriffen auf US-Finanzinstitute Lösegelder zwischen 750.000 und 3 Millionen US-Dollar.
