Binance gibt Auszahlungen nach 6,3-Milliarden-Dollar-Hack frei
Veröffentlicht am: 01.11.2026 um 11:55 Uhr | dpa, AD HOC NEWSBinance und die Folgen für den Kryptomarkt
- Binance schaltete am Sonntagvormittag Auszahlungen für stark nachgefragte Netzwerke und Token schrittweise frei.
- Das FBI machte die nordkoreanische Gruppe TraderTraitor für den Diebstahl von mehr als sechs Milliarden Dollar verantwortlich.
- Der SAFU-Fonds umfasst rund eine Milliarde Dollar und deckt damit rechnerisch nur einen Teil des Schadens ab.
Binance schaltet Auszahlungen nach Milliarden-Hack frei
Binance hat nach dem Rekord-Hackerangriff auf die Kryptobörse am Sonntagvormittag erste Kundenauszahlungen wieder freigeschaltet. Nach Angaben des Unternehmens sind rund 95 Prozent der entwendeten Gelder aus eigenen Reserven ausgeglichen.
Proof of Reserves soll Vertrauen stärken
Weitere Netzwerke und Token sollen nach laufenden Sicherheitsprüfungen folgen. Binance warnte zugleich vor Verzögerungen, weil zum Start mit einem hohen Transaktionsvolumen gerechnet werde.
Für diesen Montag kündigte die Plattform einen aktualisierten Deckungsnachweis an. Mit dem kryptografischen Verfahren sollen Nutzer rechnerisch prüfen können, ob ihre Kontoguthaben vollständig durch Bestände in den Firmen-Wallets gedeckt sind.
FBI beschuldigt TraderTraitor
Das FBI macht die nordkoreanische Hackergruppe TraderTraitor für den Diebstahl von Digitalwährungen im Wert von mehr als sechs Milliarden Dollar verantwortlich. Gemeinsam mit dem Secret Service und der Steuerfahndung IRS-CI warnte die Behörde vor Versuchen, die Beute über Ethereum, dezentrale Finanzdienste und Sofort-Tauschbörsen zu verschleiern.
Die US-Ermittler riefen Krypto-Dienste dazu auf, Transaktionen von Wallet-Adressen zu blockieren, die mit der Gruppe verbunden seien. Nach Abschluss der behördlichen Ermittlungen will Binance einen ausführlichen Bericht vorlegen.
Bitcoin gibt nach und erholt sich
Der Bitcoin-Kurs fiel nach dem Angriff vorübergehend von mehr als 80.000 auf rund 76.000 Dollar, erholte sich anschließend aber teilweise. Binance-Mitgründer Changpeng Zhao verwies darauf, dass der Dollarwert des Diebstahls allein wenig über die Wirkung auf den Markt aussage.
Entscheidend seien auch der Anteil an der umlaufenden Währungsmenge, die Zahl der betroffenen Nutzer und die Frage, wer die Verluste trage. Da Binance den Schaden aus eigenen Mitteln ausgleiche und Kundenguthaben schütze, sei ein systemischer Schock ausgeblieben.
Unternehmensreserven federn Schaden ab
Der von Binance beworbene Notfallfonds SAFU umfasst rund eine Milliarde Dollar und damit nur einen Bruchteil des Schadens. Nach Darstellung der Plattform konnten Partnerbörsen und Stablecoin-Herausgeber wie Tether und Circle knapp die Hälfte der Beute im Wert von rund drei Milliarden Dollar auf den Ziel-Wallets der Hacker einfrieren.
Den verbleibenden Finanzbedarf habe Binance mit eigenen Unternehmensbeständen sowie diskreten Zukäufen über Direkthandelskanäle gedeckt. Führende Digitalwährungen wie Bitcoin, Ethereum, Solana und XRP sowie wichtige Stablecoins seien wieder zu 100 Prozent gedeckt; die restlichen fünf Prozent beträfen weniger liquide Digitalmünzen.
Der Angriff trifft eine Plattform, die wegen ihres weltweiten Handelsvolumens eine zentrale Stellung im Kryptomarkt einnimmt. Für die unmittelbare Wirkung auf Kundinnen und Kunden ist deshalb entscheidend, ob Auszahlungen funktionieren und ob die Börse die betroffenen Bestände ersetzen kann.
Die nun angekündigte schrittweise Freigabe der Auszahlungen soll den Abfluss von Kundengeldern unter kontrollierten Bedingungen ermöglichen. Der angekündigte aktualisierte Nachweis der Reserven hat dabei eine doppelte Funktion: Er soll die vollständige Deckung einzelner Guthaben rechnerisch nachvollziehbar machen und zugleich Vertrauen in die internen Kontrollen der Plattform zurückgewinnen.
Geldwäsche und Marktfolgen
Der Fall zeigt außerdem, wie eng Cyberkriminalität, internationale Sanktionen und der Kryptohandel miteinander verbunden sind. Die US-Behörden warnen vor der Verschleierung der Beute über Ethereum, dezentrale Finanzdienste und schnelle Tauschbörsen. Für Krypto-Dienstleister entsteht daraus der konkrete Druck, verdächtige Wallet-Adressen zu erkennen und Transaktionen zu blockieren.
Am Markt blieb der Kursrückgang des Bitcoin trotz der außergewöhnlichen Schadenssumme begrenzt. Ausschlaggebend ist neben dem absoluten Dollarwert, wie groß der Anteil an der umlaufenden Menge ist und wer den Schaden trägt. Dass Binance die Verluste nach eigenen Angaben aus Unternehmensmitteln ausgleicht, verringert den unmittelbaren Druck auf die Kunden, beseitigt aber nicht die offenen Fragen zur Sicherheitsarchitektur und zur Herkunft der verfügbaren Reserven.
Pressespiegel: Einigkeit, Unterschiede und offene Fragen
Stern: „Krypto-Börse Binance nimmt nach schwerem Hackerangriff Auszahlungen wieder auf“ (01.11.2026)
Der Bericht bestätige die schrittweise Wiederaufnahme der Auszahlungen und nenne den von Binance angegebenen Schaden von 6,3 Milliarden Dollar. Einen Schwerpunkt lege er auf die Größe der Plattform, die vorübergehende Auszahlungssperre und die von Binance bereitgestellten Mittel.
Tagesschau: „FBI macht Nordkorea für Hackerangriff auf Binance verantwortlich“ (01.11.2026)
Der Beitrag stelle stärker die FBI-Zuordnung zur nordkoreanischen Gruppe TraderTraitor und mögliche technische Einfallstore in den Mittelpunkt. Gemeinsam sei beiden Berichten die Darstellung des Milliardenangriffs; der Schwerpunkt unterscheide sich bei der Tagesschau durch die Täterfrage.
Übereinstimmung besteht damit beim Umfang des Angriffs und bei der schrittweisen Rückkehr des Plattformbetriebs. Unterschiede ergeben sich vor allem bei der Gewichtung von Kundenschutz, Unternehmensfinanzierung und der möglichen Herkunft der Attacke.
