Bio-Markt, Europa

Bio-Markt Europa: 58,7 Milliarden Euro und wachsendes Vertrauen

Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 12:31 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Europas Bio-Branche wächst 2025 auf 58,7 Mrd. Euro, doch der Absatz verlagert sich zunehmend in den konventionellen Handel.

Bio-Markt Europa 2025: Wachstum im LEH, Flaute im Fachhandel
Frisches Bio-Gemüse in Holzkisten in einem modernen Supermarkt. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Aktuelle Marktdaten und Branchenbeobachtungen zeichnen ein differenziertes Bild des europäischen Bio-Sektors. Während der Konsum von ökologisch erzeugten Lebensmitteln in weiten Teilen Europas zunimmt, unterliegt die Vertriebsstruktur einem deutlichen Wandel.

Wie Branchenkenner Fritz Prem feststellt, konzentrieren sich die Zuwächse primär auf den Diskonthandel sowie das Vollsortiment im klassischen Lebensmitteleinzelhandel (LEH). Im Gegensatz dazu verzeichnen der spezialisierte Biofachhandel und die Direktvermarktung derzeit eine Phase der Stagnation.

Europäische Marktbilanz und führende Nationen

Ein Rückblick auf die Marktentwicklung des Jahres 2024 verdeutlicht die wirtschaftliche Relevanz des Sektors. Laut einem Bericht von FiBL-IFOAM beliefen sich die Verkäufe in Europa auf insgesamt 58,7 Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 4,1 Prozent entspricht.

Die landwirtschaftliche Bio-Fläche wuchs auf 19,6 Millionen Hektar an, wobei die Europäische Union mit 18,1 Millionen Hektar rund 11,1 Prozent ihrer gesamten Agrarfläche ökologisch bewirtschaftet.

Innerhalb Europas bleibt Deutschland mit einem Marktvolumen von 17,0 Milliarden Euro der größte Einzelmarkt, gefolgt von Frankreich mit 12,2 Milliarden Euro und Italien mit 5,2 Milliarden Euro. Bei den Pro-Kopf-Ausgaben nimmt die Schweiz mit 481 Euro eine Spitzenposition ein. Im globalen Vergleich rangieren die USA mit 60,4 Milliarden Euro vor dem europäischen Gesamtmarkt, während China ein Volumen von 15,5 Milliarden Euro aufweist.

Nationale Entwicklungen im Jahr 2025

Für das Jahr 2025 liegen für mehrere europäische Kernmärkte detaillierte Daten vor, die den Aufwärtstrend untermauern:

  • Frankreich: Der Markt erreichte ein Volumen von 12,6 Milliarden Euro. Dies entspricht einem wertmäßigen Plus von 3,6 Prozent und einem Volumenwachstum von 2 Prozent. Der Haushaltskonsum legte um 5,8 Prozent zu. Bemerkenswert ist hier der Rückgang des Importanteils auf 28,3 Prozent – den niedrigsten Wert seit 2017 –, während gleichzeitig erstmals ein Rückgang bei der Anzahl der Bio-Betriebe registriert wurde.
  • Österreich: Nach Angaben von AMA-Marketing wuchs der Markt im Jahr 2025 über alle Sektoren hinweg, einschließlich Gastronomie und Direktvertrieb, auf einen Gesamtumsatz von 3,4 Milliarden Euro.
  • Spanien: Hier stieg der Marktwert um 7,7 Prozent und das Volumen um 6,6 Prozent. Trotz dieses Wachstums liegen die Pro-Kopf-Ausgaben mit 68 Euro noch deutlich hinter Ländern wie Dänemark (373 Euro) oder Schweden (204 Euro) zurück.
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Strategische Partnerschaften und Konsolidierung im Handel

Der Trend zur verstärkten Integration von Bio-Produkten in den konventionellen Handel spiegelt sich in strategischen Entscheidungen großer Akteure wider. Edeka weitete im Sommer 2026 die Partnerschaft mit dem Anbauverband Bioland aus.

Ziel sei der Ausbau der Eigenmarken nach Bioland-Standards sowie die Einbindung neuer Partnerbetriebe; das Sortiment umfasse bereits über 100 zertifizierte Produkte. Zudem positioniere sich das Unternehmen als Partner für Ernährungsthemen, etwa durch die Präsentation pflanzenbasierter Bio-Produkte beim Longevity Forum.

Auch im Bereich der Produktion finden Konsolidierungen statt. Die Hevo Group, die zum Unternehmen Global Eggs gehört, übernahm im August 2026 die Bio-Geflügelhof Müritz GmbH in Mecklenburg-Vorpommern. Damit stärkt der Konzern seine Kapazitäten im Bereich der Bio- und Freilandeier-Produktion.

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Parallel dazu verfolgen Unternehmen wie Biogran ehrgeizige Wachstumsziele und streben bis zum Jahr 2029 einen Umsatz von 60 Millionen Euro an, nachdem im Jahr 2025 bereits mehr als 50 Millionen Euro erwirtschaftet wurden.

Herausforderungen durch Klimawandel und Kaufzurückhaltung

Trotz der positiven Gesamttendenz steht die Branche vor erheblichen Herausforderungen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) wies darauf hin, dass Dürre und Hitze die Ernten bei Sommergetreide, Gemüse und Kartoffeln bedrohen. Da die Direktvermarktung rund 10 Prozent des Branchenumsatzes von etwa 18 Milliarden Euro ausmacht, appellierte der Verband an die Verbraucher, gezielt Bio-Höfe zu unterstützen.

Regional zeigen sich bereits Auswirkungen wirtschaftlicher Belastungen. In Hamburg berichtete der Anbieter Local Veg von einem Rückgang der Nachfrage nach Bio-Gemüsekisten um 30 Prozent. Kostensteigerungen bei den Betrieben und sinkende Gemüsepreise erschwerten die wirtschaftliche Lage, wobei der Großhandel von diesen Entwicklungen stärker betroffen sei als die direkte Vermarktung ab Hof.

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