Biologisches Alter: Harvard identifiziert zwei Gene für Sterberisiko
31.05.2026 - 23:22:38 | boerse-global.deGleich mehrere Studien liefern im ersten Halbjahr 2026 neue Ansätze für Therapien gegen Krebs und Alterskrankheiten.
Neue „molekulare Uhr“ sagt Sterberisiko voraus
Ein Team der Harvard Medical School hat eine neuartige Methode entwickelt, um das biologische Alter zu messen. Anders als bisherige Modelle basiert die „universelle molekulare Uhr“ auf der Analyse der Genaktivität, nicht auf DNA-Methylierung.
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Die Forscher untersuchten dafür über 11.000 Transkriptome aus mehr als 25 Gewebearten von Menschen und verschiedenen Tieren. Als zentrale Indikatoren identifizierten sie die Gene CDKN1A und LGALS3. Daten der UK-Biobank von über 50.000 Teilnehmern bestätigten: Hohe Konzentrationen der entsprechenden Proteine korrelieren mit erhöhtem Risiko für Herzinsuffizienz, Diabetes und vorzeitigen Tod.
Die Studie lieferte auch Erkenntnisse über Verjüngungsprozesse. Bei Mäuseembryonen sank das biologische Alter zwischen dem sechsten und zehnten Tag im Mutterleib deutlich. Die Software tAge und die Plattform TACO stehen der Forschung frei zur Verfügung.
Krebszellen mit doppeltem Wirkmechanismus angreifen
Die Krebsforschung konzentriert sich zunehmend auf die Ferroptose – eine eisenabhängige Form des Zelltods. Eine Studie der Universität Würzburg, veröffentlicht in „Science Advances“, zeigt einen überraschenden Effekt: Der Verlust des Enzyms Phosphoglykolat-Phosphatase (PGP) schützt Zellen paradoxerweise vor Ferroptose. Grund ist eine metabolische Umprogrammierung, die die Produktion von Antioxidantien erhöht.
Die Forscher identifizierten mit dem Wirkstoff CP1 einen doppelten Hebel. CP1 blockiert nicht nur PGP, sondern attackiert auch das Schutzprotein FSP1 und bringt es zum Verklumpen. Dieser duale Ansatz könnte glykolytische Tumoren deutlich empfindlicher für Krebstherapien machen.
Ergänzend dazu untersuchte eine Studie vom 30. Mai 2026 die Rolle des m6A-Readers YTHDC1 beim Ovarialkarzinom. Ein Knockdown dieses Proteins kann die Seneszenz von Krebszellen einleiten – sie treten in einen biologischen Stillstand und werden anfälliger für Medikamente.
Warum die Darmflora im Alter kippt
Die Destabilisierung der Darmflora im Alter liegt laut Forschern aus Jena weniger an den Mikroben selbst. Schuld ist vielmehr die nachlassende Immunüberwachung. In „PLoS Biology“ beschreiben die Wissenschaftler, wie das Immunsystem Bakterien normalerweise über Last- und Aktivitätssensoren kontrolliert.
Ein Schlüsselmechanismus ist das „enchained growth“: Antikörper ketten Tochterzellen von Bakterien aneinander und verhindern so deren dominance. Im Alter geht diese gezielte Kontrolle verloren. Die Folge sind chronische Entzündungen und ein Überwuchern schädlicher Pathobionten.
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Computermodelle der Jenaer Gruppe deuten darauf hin: Therapien wie Stuhltransplantationen oder Probiotika wirken nur dann dauerhaft, wenn das Immunsystem noch aktiv überwachen kann.
Parallel dazu zeigt eine internationale Studie der Medizinischen Universität Graz: Archaeen im Darm spielen eine wichtigere Rolle als gedacht. Besonders Methanobrevibacter smithii tritt bei Dickdarmkrebs-Patienten häufiger auf und beeinflusst das Wachstum krebsassoziierter Bakterien.
Präzise Werkzeuge zur Zellmanipulation
Ein Team der Universität zu Köln und des Max-Planck-Instituts für Biochemie hat entschlüsselt, wie fehlerhafte mRNA zerstört wird. Die Proteine SMG5 und SMG6 bilden gemeinsam eine aktive Endonuklease – eine molekulare Schere. Der Clou: Einzeln bleiben die Proteine inaktiv, um Kollateralschäden in der Zelle zu vermeiden.
Ein weiteres Werkzeug stellten Forscher am 6. Mai 2026 in „Nature“ vor. Das CRISPR-Werkzeug Cas12a2 eliminiert gezielt Zellen mit bestimmten RNA-Sequenzen. Das System erkennt Zieltranskripte von Viren oder Krebszellen und löst eine unspezifische Spaltung von Nukleinsäuren aus – die Zelle stirbt. Da keine messbaren Off-Target-Effekte auftreten, sehen Forscher großes Potenzial für die Behandlung chronischer Infektionen und Krebs.
Zusätzlich gelang es Forschern des Max-Planck-Instituts für Biochemie, die Interaktion zwischen Chaperonen – Proteinfaltungshelfern – und neu entstehenden Proteinen in lebenden menschlichen Zellen sichtbar zu machen. Die im Juni 2026 veröffentlichte Studie zeigt: Fehlerhafte Aktin-Mutanten halten deutlich länger Kontakt zu den Faltungshelfern als gesunde Proteine. Das deutet auf eine geschützte Zone für die Proteinfaltung hin.
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