Biologisches Altern: Acht von zehn Ernährungsmustern bremsen den Prozess
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 13:08 Uhr | Redaktion boerse-global.deVerschiedene gesunde Ernährungsmuster stehen in engem Zusammenhang mit einer messbaren Verzögerung biologischer Alterungsprozesse. Das zeigt eine im August 2026 im Fachjournal »Nature Communications« veröffentlichte Beobachtungsstudie von Forschenden des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE).
Die Arbeitsgruppe um Tavares und Liu wies nach, dass mediterrane, pflanzenbasierte und nordische Ernährungsformen sowie die DASH-Diät mit einem langsameren biologischen Altern assoziiert sind. Zwar wiesen die untersuchten Ernährungsweisen unterschiedliche DNA-Methylierungsmuster auf, sie beeinflussten jedoch ähnliche biologische Signalwege.
Nährstoffdichte wichtiger als feste Diätvorgaben
Die wissenschaftliche Untersuchung stützt sich auf die Daten von 6470 Teilnehmenden der Rheinland-Studie und wurde anhand der EPIC-Potsdam-Kohorte mit rund 1000 Probanden validiert. Anhand der tatsächlich konsumierten Lebensmittel erfassten die Forschenden zehn etablierte Ernährungsscores.
Die Relevanz präventiver Ansätze verdeutlicht der Verweis auf die Global Burden of Disease Study, nach der weltweit jährlich etwa 11 Millionen Todesfälle auf ungesunde Ernährung zurückgehen.
Von den zehn analysierten Kostformen waren acht mit einem langsameren biologischen Altern verbunden. Die stärkste Schutzwirkung zeigten die DASH-Diät und die Mittelmeerdiät.
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Ein positiver Zusammenhang bestand zudem für die nordische Kost, den Alternative Healthy Eating Index (AHEI), die Planetary Health Diet – wenn auch mit der schwächsten Assoziation –, den Pflanzenbasierten Ernährungsindex (PDI), den gesunden PDI (hPDI) sowie die MIND-Diät.
Ein beschleunigtes biologisches Altern ging hingegen mit einer ungesunden pflanzlichen Ernährung (uPDI) sowie einer entzündungsfördernden Kost (DII) einher. Den Forschenden zufolge sei eine hohe Nährstoffdichte letztlich ausschlaggebender als das strikte Befolgen eines speziellen Diätmodells.
Einfluss von Zuckerkonsum und Verarbeitungsgrad
Dass einzelne Nährstoffkomponenten die Zellalterung direkt beeinflussen, zeigen begleitende Forschungsarbeiten. Eine im Fachjournal »JAMA Network Open« publizierte Analyse der University of California, San Francisco (UCSF) an 342 Frauen ergab eine klare Korrelation zwischen Ernährungsqualität und einem jüngeren epigenetischen Alter.
Jedes zusätzliche Gramm zugesetzter Zucker stand mit einer epigenetischen Alterung in Verbindung. Die Teilnehmerinnen konsumierten im Schnitt 61,5 Gramm zugesetzten Zucker pro Tag bei einer Spanne von 2,7 bis 316 Gramm; die US-Gesundheitsbehörde FDA empfiehlt maximal 50 Gramm täglich. Laut der Erhebung entsprach die rechnerische Reduktion um 10 Gramm Zucker pro Tag einem biologischen Verjüngungseffekt von 2,4 Monaten.
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Auch der Verarbeitungsgrad spielt eine messbare Rolle im Stoffwechsel. In einer randomisierten kontrollierten Crossover-Studie in »Nature Metabolism« verglichen Hutelin und Kollegen die Reaktionen bei 57 gesunden Erwachsenen nach dem Verzehr ultrahochverarbeiteter und minimal verarbeiteter Mahlzeiten mit jeweils rund 300 Kilokalorien und identischer Nährstoffzusammensetzung.
Nach dem Verzehr hochverarbeiteter Produkte fielen die Insulinspiegel über drei Stunden signifikant höher aus. Wie Prof. Daniela Berg, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Neurologie, dazu ausführte, belege dies zwar keine neurologischen Erkrankungen, unterstreiche jedoch die physiologische Relevanz des Verarbeitungsgrades.
Langfristige Perspektiven für gesundes Altern
Die langfristigen Auswirkungen stabiler Ernährungsgewohnheiten belegen zudem Auswertungen US-amerikanischer Kohorten. Eine im Fachblatt »Nature Medicine« erschienene Analyse begleitete 105.015 Frauen und Männer aus der Nurses' Health Study und der Health Professionals Follow-Up Study über einen Zeitraum von bis zu 30 Jahren.
Gesundes Altern – definiert als das Erreichen des 70. Lebensjahres ohne elf chronische Leiden bei stabiler kognitiver, körperlicher und psychischer Verfassung – erreichten 9771 Personen oder 9,3 Prozent.
Personen mit den höchsten Werten im gesunden Ernährungsindex AHEI wiesen eine um 86 Prozent höhere Chance auf dieses gesunde Altern auf als Teilnehmer mit den niedrigsten Werten. Die Autoren verweisen jedoch darauf, dass es sich um Beobachtungsstudien handelt, die keine kausalen Beweise liefern können.
