Biologisches, Altern

Biologisches Altern: ErnÀhrung und Bewegung verlangsamen den Prozess um 2,2 Prozent

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 08:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Studien verbinden ausgewogene ErnĂ€hrung und Bewegung mit langsamerer biologischer Alterung; fĂŒr mehrere Longevity-PrĂ€parate fehlen Langzeitdaten.

Gesundes Altern: ErnÀhrung, Bewegung und Lebensstil im Fokus
Eine Nahaufnahme von frischen, gesunden Lebensmitteln wie WalnĂŒssen, GrĂŒnkohl und Granatapfelkernen auf einem Holztisch. Illustration mit AI erstellt.

Im Rahmen von Langzeitstudien untersuchen Experten weltweit biologische Mechanismen und Lebensstilfaktoren, die ein gesundes Altern ermöglichen und chronische Beschwerden minimieren können. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse verdeutlichen dabei zunehmend, wie ErnĂ€hrung, gezielte Bewegung und epigenetische Prozesse ineinandergreifen, um altersbedingten Funktionseinbußen entgegenzuwirken.

Epigenetische Uhren und der Einfluss der ErnÀhrung

ErnĂ€hrungsmuster spielen eine messbare Rolle bei der biologischen Alterungsgeschwindigkeit. Eine im SpĂ€tsommer 2026 veröffentlichte Analyse des Deutschen Zentrums fĂŒr Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) auf Basis der Rheinland-Studie untersuchte zehn ErnĂ€hrungsformen, darunter mediterrane, nordische Kost sowie den DASH-Ansatz.

Anhand von DNA-Methylierungsmustern bei 6.470 Teilnehmenden sowie rund 1.000 Probanden der EPIC-Potsdam-Studie des Deutschen Instituts fĂŒr ErnĂ€hrungsforschung (DIfE) zeigte sich eine messbare Verlangsamung der biologischen Alterung. Dieser Effekt erwies sich bei Rauchern als besonders ausgeprĂ€gt.

ErgĂ€nzend dazu untersuchte eine randomisierte kontrollierte 12-Wochen-Studie in der Fachzeitschrift Aging 48 ĂŒbergewichtige MĂ€nner im Alter von 50 bis 74 Jahren. Eine Kombination aus probiotischem Joghurt, individueller ErnĂ€hrungsberatung, der Reduktion von Zucker und Snacks sowie moderater Bewegung an mindestens drei Tagen pro Woche fĂŒhrte zu einem signifikanten RĂŒckgang des DunedinPACE-Werts.

Laut Fachleuten entspricht dies einer Verlangsamung des biologischen Alterns um etwa 2,2 Prozent, wobei das Ergebnis auf das Gesamtpaket der Maßnahmen zurĂŒckzufĂŒhren ist. In der TranslAGE-Datenbank erfasste Auswertungen von 51 humanen LĂ€ngsschnittstudien zeigen zudem, dass 13 von 19 zunĂ€chst signifikanten Interventionen nach statistischer Korrektur das epigenetische Alter messbar senken konnten.

Muskelerhalt und PrÀvention chronischer Beschwerden

Neben Stoffwechselmarkern rĂŒckt der Erhalt der Muskulatur in den Fokus. Wie eine Untersuchung im Journal of Clinical Investigation darlegt, nimmt die Muskelmasse ab dem 30. Lebensjahr jĂ€hrlich um etwa 1 bis 2 Prozent ab, ab dem 60. Lebensjahr beschleunigt sich dieser Prozess.

Ursachen liegen unter anderem in mitochondrialen Fehlfunktionen und gestörten SignalĂŒbertragungen. Zur Gegensteuerung empfehlen Mediziner Krafttraining mit zwei Einheiten pro Woche sowie eine tĂ€gliche Proteinzufuhr von 1,2 bis 1,6 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht fĂŒr aktive Senioren.

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Auf zellulĂ€rer Ebene identifizierten das Leibniz-Institut fĂŒr Alternsforschung in Jena und die BTU Cottbus-Senftenberg das Protein Leiomodin 1 (LMOD1) als zentralen Regulator der Muskelstammzell-Differenzierung, das mit dem Enzym SIRT1 interagiert.

Gleichzeitig verĂ€ndern sich Schmerzmuster im Lebensverlauf grundlegend. Eine im Fachjournal Nature Medicine publizierte globale Analyse von Daten von ĂŒber 6 Millionen Menschen aus 118 LĂ€ndern ergab, dass starke Schmerzen ihren statistischen Höhepunkt mit etwa 50 Jahren erreichen, wĂ€hrend generalisierte Schmerzen mit etwa 70 Jahren gipfeln.

Kopf- und Bauchschmerzen dominieren in jĂŒngeren Jahren, wĂ€hrend Beschwerden an RĂŒcken, Knien und HĂŒfte im Alter zunehmen. Experten fordern daher frĂŒhzeitige PrĂ€ventionskonzepte bereits im mittleren Erwachsenenalter.

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Da Schmerzmuster wie Gelenkbeschwerden oder Erschöpfung oft eine entzĂŒndliche Basis haben, rĂŒckt die tĂ€gliche ErnĂ€hrung immer stĂ€rker in den Fokus der Forschung. Ein spezialisierter Leitfaden zeigt, welche zwölf natĂŒrlichen Lebensmittel dabei helfen können, stille EntzĂŒndungen im Körper effektiv zu bekĂ€mpfen. Gratis-Ratgeber: EntzĂŒndungshemmende ErnĂ€hrung herunterladen

Lebensstil schlÀgt isolierte NahrungsergÀnzungsmittel

Dass grundlegende Verhaltensmuster den stÀrksten Schutz bieten, bestÀtigt eine Analyse des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) an 287.745 Personen der britischen UK Biobank. Ein gesunder Lebensstil mit Verzicht auf Rauchen, moderatem Alkoholkonsum, ausgewogener Kost, Bewegung und Normalgewicht ging im Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 11,5 Jahren mit einem um 29 Prozent verringerten Gesamtkrebsrisiko einher.

Viel beworbene Longevity-Substanzen weisen hingegen deutliche EvidenzlĂŒcken auf. FĂŒr Nicotinamid-Mononukleotid (NMN), das laut EU-Katalog als neuartige Zutat eingestuft ist und in der EU nicht als NahrungsergĂ€nzungsmittel vertrieben werden darf, fehlen verlĂ€ssliche Langzeitstudien am Menschen.

Auch fĂŒr Substanzen wie Resveratrol oder Spermidin in Kapselform fehlen belastbare klinische Wirkungsnachweise, weshalb die Forschung unverĂ€ndert primĂ€r auf Lebensstilinterventionen setzt.

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