Klimawandel, Zukunft

Klimawandel gefÀhrdet die Zukunft der Vanille

04.07.2025 - 12:06:44 | dpa.de

Bis 2050 könnten manche Vanillepflanzen mehr als die HĂ€lfte ihrer natĂŒrlichen LebensrĂ€ume verlieren – mit Folgen fĂŒr Pudding, Eis und andere Speisen.

WĂ€hrend etwa die Vanilla inodora nur in NebelwĂ€ldern und tiefergelegenen Regionen mit starken NiederschlĂ€gen wĂ€chst, kommen andere Arten nur in heißen Regionen mit langen Trockenphasen vor. - Foto: Charlotte Watteyn/Eurekalert/dpa

Der Klimawandel verÀndert die LebensrÀume von Vanillepflanzen - und könnte so langfristig die weltweite Vanilleproduktion beeintrÀchtigen. Ein Team der belgischen UniversitÀt Leuven und der UniversitÀt von Costa Rica berichtet im Fachjournal «Frontiers in Plant Science», dass zunehmende Klimaextreme die LebensrÀume wilder Vanille-Arten - bislang meist in tropischen Regionen Mittelamerikas - und ihrer meist tierischen BestÀuber verÀndern. 

So könnten einige Regionen fĂŒr die Pflanzen attraktiver werden, fĂŒr die Insekten, die die Pflanzen bestĂ€uben, hingegen keine geeigneten Lebensbedingungen mehr bieten. Durch diese VerĂ€nderungen könnten sich die LebensrĂ€ume von BestĂ€ubern und BestĂ€ubten kĂŒnftig weniger ĂŒberschneiden – sodass weniger BestĂ€ubung stattfindet.

«Der Erhalt der natĂŒrlichen Populationen dieser wilden Arten und damit der großen genetischen Vielfalt, die sie reprĂ€sentieren, ist von entscheidender Bedeutung, um die Zukunft der Vanille zu sichern», schreibt das Team in einer Mitteilung.

LebensrÀume der Bienen besonders betroffen

Die Forschenden analysierten mit Hilfe von Modellierungen die Verbreitungsgebiete von elf neotropischen Vanille-Arten und sieben beobachteten Bienenarten unter zwei Klimaszenarien bis zum Jahr 2050 - einem mittleren Szenario mit moderatem Klimaschutz und einem Szenario mit mehr Konflikten und weniger globalem Klimaschutz.

WĂ€hrend einige Arten ihre möglichen LebensrĂ€ume im Zuge der ErderwĂ€rmung sogar ausweiten könnten, droht anderen demnach ein RĂŒckgang um mehr als die HĂ€lfte. FĂŒr alle Bienengattungen sagen die Modellierungen einen RĂŒckgang der geeigneten LebensrĂ€ume voraus – mit besonders drastischen Folgen im Weniger-Klimaschutz-Szenario.

WĂ€hrend etwa die Vanilla inodora nur in NebelwĂ€ldern und tiefergelegenen Regionen mit starken NiederschlĂ€gen wĂ€chst, kommen andere Arten nur in heißen Regionen mit langen Trockenphasen vor – und könnten damit profitieren. 

Vanille oft auf einzelne Bienenarten angewiesen

«Eine Entkopplung von Pflanzen und ihren BestĂ€ubern könnte das Überleben wilder Vanille-Arten gefĂ€hrden», warnt Erstautorin Charlotte Watteyn. Besonders problematisch: Die Arten sind meist auf wenige oder sogar einzelne BestĂ€uber spezialisiert. Ersatzbeziehungen seien daher kaum möglich. Bei Arten, die auf eine einzelne Bienengattung angewiesen sind, könnte die Überschneidung der LebensrĂ€ume gar um 60 bis 90 Prozent schrumpfen. 

Wilde Vanillepflanzen sind auch fĂŒr die Landwirtschaft bedeutsam: Kommerziell genutzte Vanille (Vanilla planifolia) verfĂŒgt ĂŒber eine geringe genetische Vielfalt, was sie besonders anfĂ€llig fĂŒr Krankheiten, Trockenheit und Hitze macht - und womit sie ohnehin schon eine Leidtragende der ErderwĂ€rmung ist.

FĂŒr Vanilleeis, -pudding und andere SĂŒĂŸspeisen könnte sich die ErderwĂ€rmung daher Ă€hnlich auswirken wie heute schon bei vielen anderen Lebensmitteln: So sorgen unter anderem bei Kaffee, Schokolade oder Olivenöl immer wieder schlechte Ernten fĂŒr Knappheit – und damit fĂŒr höhere Preise.

Mehr Forschung und Schutz notwendig

Als EinschrĂ€nkung ihrer Studie fĂŒhren die Autoren an, dass nicht bei allen untersuchten Arten umfassende Informationen ĂŒber die BestĂ€ubungsmechanismen vorhanden waren.

Das Team ruft zu verstÀrkter internationaler Zusammenarbeit und weiterer Forschung auf: Ziel sei es, die Resilienz von Vanilleanbau und damit die Lebensgrundlage vieler Kleinbauern in tropischen Regionen zu sichern.

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