Bitcoin: Erste Post-Quanten-Transaktion im Mainnet erfolgreich
Veröffentlicht am: 28.08.2026 um 18:13 Uhr | Redaktion boerse-global.de
In der Entwicklung kryptografischer Absicherungen gegen künftige Hochleistungsrechner wurde ein bedeutender Durchbruch erzielt. Erstmals ist im Bitcoin-Mainnet eine post-quanten-sichere Transaktion unter den bestehenden Konsensregeln erfolgreich abgebaut worden.
Dieser Vorgang markiert den ersten praktischen Nachweis, dass das Bitcoin-Netzwerk theoretisch gegen Angriffe durch Quantencomputer geschützt werden kann, ohne dass dafür ein einschneidender Hard Fork – also eine nicht rückwärtskompatible Änderung des Protokolls – erforderlich ist.
Die Transaktion basierte auf der sogenannten QSB-Konstruktion (Quantum-Secure Bitcoin) von StarkWare. Die technische Umsetzung wurde unter Beteiligung von Avihu Levy von StarkWare realisiert und durch das Unternehmen MARA über dessen Slipstream-Dienst abgewickelt.
Bereits Mitte der Woche war die Transaktion erfolgreich in die Blockchain integriert worden. Auf der Branchenveranstaltung Bitcoin Asia demonstrierte Damian Chen von der Starknet Foundation das Verfahren der Öffentlichkeit.
Technische Spezifikationen und ökonomische Hürden
Grundlage für die Durchführung war die Veröffentlichung der SHRINCS-Entwurfsspezifikation. Ein zentraler Aspekt der Demonstration war die Handhabung der Signaturen, die im Vergleich zu herkömmlichen Bitcoin-Transaktionen deutlich umfangreicher ausfallen.
Die SHRINCS-Signaturen bewegen sich in einem Bereich von 548 bis 4.619 Bytes. Damit einher gehen signifikante Kosten für die notwendige Rechenleistung: Die Erzeugung der Transaktion unter Nutzung von Cloud-GPUs schlug mit Beträgen zwischen 75 US-Dollar und 150 US-Dollar zu Buche.
Trotz des erfolgreichen Mainnet-Debüts betonen Experten, dass das aktuelle Verfahren noch nicht standardkonform und für den alltäglichen Gebrauch zu kostspielig sei. Eine breitere Lösung auf Protokollebene wird weiterhin als notwendig erachtet. Zudem steht der offizielle Migrationsprozess gemäß dem Standard BIP-361 noch aus.
Bitcoin im Visier der Quantenforschung
Die Dringlichkeit solcher Entwicklungen wird durch aktuelle Analysen unterstrichen. Eine Studie von Citi warnt davor, dass Bitcoin anfälliger für Quantenangriffe sei als beispielsweise Ethereum.
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Schätzungen zufolge könnte eine Quantenmaschine mit einer Leistung von 500.000 Qubits die derzeitige Verschlüsselung innerhalb von Minuten brechen. Experten prognostizieren den sogenannten „Q-Day“, an dem Quantencomputer heutige Sicherheitsstandards aushebeln könnten, für den Zeitraum zwischen 2030 und 2032.
Gefährdet sind demnach rund 7 Millionen BTC, deren öffentliche Schlüssel bereits im Netzwerk sichtbar und damit theoretisch angreifbar sind. Darunter befinden sich etwa eine Million der sogenannten Satoshi-Coins mit einem Marktwert von rund 82 Milliarden US-Dollar.
Während Ethereum durch eine flexiblere Struktur als anpassungsfähiger gilt, stehe Bitcoin vor einem Governance-Problem, da für eine langfristige Lösung vermutlich ein Hard Fork unumgänglich sein wird.
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Strategische Einordnung der Post-Quanten-Kryptografie
Auch auf staatlicher Ebene gewinnt das Thema massiv an Bedeutung. Die US-Regierung hat Post-Quanten-Kryptografie (PQC) in ihrer nationalen Strategie für Sicherheit als „Critical Emerging Technology“ (CET) eingestuft. Diese Einordnung beeinflusst künftig die Bundesbeschaffung, Exportkontrollen und globale Lieferketten. Zudem wurden bereits Migrationsfristen für Bundesbehörden festgelegt.
Vertreter der Industrie, unter anderem von Broadcom, fordern Unternehmen dazu auf, umgehend mit der Planung für die Post-Quanten-Ära zu beginnen. Es bestehe das Risiko von „Harvest now, decrypt later“-Angriffen, bei denen Akteure heute verschlüsselte Daten sammeln, um sie in wenigen Jahren mit leistungsfähigen Quantenrechnern zu dechiffrieren.
Auch die NSA empfiehlt in diesem Zusammenhang, Sicherheitsprinzipien bereits im Design von Systemen zu verankern, um die Rückverfolgbarkeit und Sicherheit in einer zunehmend durch KI und Quantentechnologie geprägten IT-Landschaft zu gewährleisten.
Der Markt für Quantencomputing selbst unterstreicht diese Relevanz: Analysten erwarten ein Wachstum von 3,5 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 auf 20,2 Milliarden US-Dollar bis zum Ende des Jahrzehnts.
