BKA-Bericht: 747 Drohnensichtungen ĂŒber kritischer Infrastruktur
Veröffentlicht am: 03.09.2026 um 22:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das Bundeskriminalamt (BKA) hat in seinem aktuellen Lagebericht zur hybriden Bedrohung eine besorgniserregende Entwicklung fĂŒr die Sicherheit der deutschen Infrastruktur dokumentiert.
Mit dem âLageupdate Hybride Bedrohungâ, das den Stand bis Ende August 2026 zusammenfasst, verzeichnet die Behörde eine hohe Anzahl an SabotageverdachtsfĂ€llen sowie eine intensive AusspĂ€hung sensibler Anlagen durch Drohnen.
Der Bericht hebt hervor, dass insbesondere die BundeslÀnder Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Bayern Schwerpunkte dieser AktivitÀten bilden, wobei hinter vielen FÀllen russische Akteure vermutet werden.
Statistische Zunahme von AusspÀhung und Sabotage
Laut den Daten des BKA wurden im laufenden Jahr bis Ende August bereits 165 SabotageverdachtsfĂ€lle in Deutschland registriert. Zum Vergleich fĂŒhrt die Behörde an, dass im gesamten Jahr 2025 insgesamt 320 solcher FĂ€lle gezĂ€hlt worden waren.
Neben direkten Sabotageakten rĂŒckt die elektronische und optische AusspĂ€hung verstĂ€rkt in den Fokus der Ermittler. Von Januar bis August verzeichnete das BKA 747 Drohnensichtungen ĂŒber kritischer Infrastruktur, wobei insgesamt 1.068 Drohnen identifiziert wurden.
Die Spionageabwehr ist ebenfalls verstĂ€rkt gefordert. Der Lagebericht weist 24 laufende Ermittlungsverfahren wegen Spionage sowie 112 Straftaten mit direktem Spionagebezug aus. Diese Zahlen unterstreichen die EinschĂ€tzung der Sicherheitsbehörden, dass die Bedrohungslage fĂŒr die Versorgungssicherheit und staatliche Einrichtungen ein neues Niveau erreicht hat.
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Aktuelle Angriffe auf die Energieversorgung
Die Relevanz der BKA-Warnungen wurde durch jĂŒngste VorfĂ€lle Anfang September unterstrichen. Unbekannte TĂ€ter verĂŒbten Angriffe auf Umspannwerke in JĂ€nschwalde in Brandenburg sowie in Bergheim in Nordrhein-Westfalen. WĂ€hrend die Behörden in beiden FĂ€llen ermitteln, liegt fĂŒr den Vorfall in Brandenburg bereits ein Bekennerschreiben vor, dessen AuthentizitĂ€t derzeit geprĂŒft wird.
Innerhalb der Politik lösten diese Taten unterschiedliche EinschĂ€tzungen aus. Der nordrhein-westfĂ€lische Innenminister Herbert Reul erklĂ€rte, dass die PrĂŒfungen sowohl den Bereich der fremdstaatlichen Sabotage als auch den Linksextremismus umfassen. Er mahnte an, dass Deutschland unheimlich leicht angreifbar sei, und forderte erweiterte Befugnisse fĂŒr die Betreiber kritischer Infrastruktur, insbesondere im Bereich der VideoĂŒberwachung und der Drohnenabwehr.
Brandenburgs MinisterprÀsident Dietmar Redmann hingegen gab an, dass zum gegenwÀrtigen Zeitpunkt keine Hinweise auf die Beteiligung einer auslÀndischen Macht vorlÀgen.
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Wirtschaft fordert besseren Schutz und klare Standards
Die wirtschaftlichen Folgen der Bedrohungslage werden von Branchenvertretern als gravierend eingestuft. Der Bundesverband Kritische Infrastrukturen bewertete die aktuelle Situation durch seinen Vertreter Holger Borries als eine Form der hybriden VorkriegsfĂŒhrung. Er warnte davor, dass sich die Kosten fĂŒr den notwendigen Schutz der Anlagen vervier- bis versechsfachen könnten.
Auch der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) drĂ€ngt auf einen beschleunigten Ausbau der SchutzmaĂnahmen. Gefordert werden einheitliche Mindeststandards fĂŒr die Bereiche Energie, Verkehr und Informationstechnik. Das im MĂ€rz 2026 in Kraft getretene Kritis-Dachgesetz wird in diesem Zusammenhang als unzureichend kritisiert, da notwendige Rechtsverordnungen zur konkreten Umsetzung weiterhin fehlten.
Zur StĂ€rkung der Resilienz schlug die PrĂ€sidentin des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE), Simone Heinen-Esser, die Einrichtung eines Backup-Systems gegen Sabotage im Stromnetz vor. Dezentrale Erzeuger wie Wasserkraft- und Bioenergieanlagen seien schwarzstartfĂ€hig und könnten im Ernstfall die Versorgung stĂŒtzen.
Auch BDEW-Chefin Kerstin Andreae forderte verstĂ€rkte MaĂnahmen zur Absicherung der Stromnetze. Das Innenministerium erwĂ€gt derweil, private Betreiber kĂŒnftig per Beleihung stĂ€rker in die aktive Drohnenabwehr einzubinden.
