Blasenkrebs-Test aus Urin: uRARE-seq erreicht 95 Prozent SensitivitÀt
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 09:30 Uhr | Redaktion boerse-global.deIn einer Anfang Oktober 2026 im Fachjournal Nature Medicine veröffentlichten monozentrischen Entwicklungsstudie haben Forschende der Stanford Medicine und des VA Palo Alto Health Care System das Verfahren uRARE-seq vorgestellt.
Bei dem Ansatz handelt es sich um eine Untersuchung zellfreier RibonukleinsĂ€ure (cfRNA) aus dem Urin, die darauf abzielt, lokalisierten Blasenkrebs nicht-invasiv aufzuspĂŒren. Die Methode erreichte in der Untersuchung eine SensitivitĂ€t von 95 % sowie eine SpezifitĂ€t von 90 %, was einer FlĂ€che unter der Grenzwertoptimierungskurve (AUC) von 0,97 entspricht.
In den USA werden jĂ€hrlich etwa 85.000 BlasenkrebsfĂ€lle diagnostiziert. Da herkömmliche Zystoskopien laut den Forschenden bis zu 30 % der FĂ€lle ĂŒbersehen können, suchen Mediziner verstĂ€rkt nach prĂ€ziseren Diagnosewerkzeugen.
Hohe Trefferquote im Vergleich zu herkömmlichen Verfahren
Das Studiendesign von uRARE-seq umfasste eine Trainingskohorte mit 151 Patienten sowie 100 Kontrollpersonen. Die anschlieĂende unabhĂ€ngige Validierung erfolgte an 142 Patienten und 140 Kontrollen. Insgesamt flossen 683 analysierte Urinproben und 381 cfRNA-Gene in die Auswertung ein.
Anstelle von DNA-Mutationen analysiert das Verfahren Tumor-RNA und wird den Studiendaten zufolge nicht durch sogenannte Feld-Effekt-Mutationen beeintrÀchtigt. Das zugehörige Gradmodell zur Bestimmung des Tumorgrades erzielte eine AUC von 0,84.
Im direkten Leistungsvergleich schnitt das RNA-Verfahren deutlich besser ab als etablierte Methoden. In einer Reihe von 93 gepaarten Proben identifizierte uRARE-seq 89 FÀlle (95,7 %), wÀhrend die Zytologie lediglich 32 FÀlle (34,4 %) erkannte.
Besonders deutlich fiel der Unterschied bei low-grade-Ta-Tumoren aus: Hier detektierte der Test 28 von 31 FĂ€llen (90 %), wohingegen die Zytologie keinen einzigen Fall nachwies.
Die Zytologie erkennt in der Studie nur 34 Prozent der FĂ€lle, die Zystoskopie ĂŒbersieht bis zu 30 Prozent â bei low-grade-Ta-Tumoren lag die Trefferquote sogar bei null. Der neue cfRNA-Ansatz erreicht 95 Prozent SensitivitĂ€t und 90 Prozent SpezifitĂ€t, ist aber noch nicht in der klinischen Routine. Unser kostenloser Leitfaden ordnet die Zahlen ein und zeigt in drei Schritten, was Sie heute fĂŒr Ihre Diagnostik prĂŒfen können. Leitfaden zur Urin-cfRNA-Diagnostik jetzt anfordern
GegenĂŒber tumor-naiver Urin-Tumor-DNA erreichte uRARE-seq in 85 FĂ€llen eine SensitivitĂ€t von 99 % im Vergleich zu 85 %. Bei 28 FĂ€llen, die mit einem tumor-informierten und feld-effekt-adjustierten DNA-Test analysiert wurden, erreichten beide AnsĂ€tze jeweils 96 %.
Molekulare Profile zur Steuerung von Immun- und Chemotherapie
Ăber die reine FrĂŒherkennung hinaus erfassten die cfRNA-Analysen auch minimale Resterkrankungen. Das Verfahren konnte molekulare Komplettantworten nach einer Operation von solchen nach einer intravesikalen Therapie mit Bacillus Calmette-GuĂ©rin (BCG) unterscheiden. Bei Patienten, die vollstĂ€ndig auf BCG ansprachen, zeigten sich erhöhte Immun- und T-Zell-Signaturen. Bei Nichtansprechern dominierten hingegen Proliferationsgene.
Ein im Rahmen der Untersuchung entwickelter Biomarker zur Vorhersage des Ansprechens auf eine BCG-Behandlung im Vergleich zu einer Chemotherapie erzielte bei 114 Patienten eine AUC von 0,93 und war mit dem individuellen Rezidivrisiko assoziiert. Nach EinschĂ€tzung des Forschungsteams könnte die Methodik kĂŒnftig dabei unterstĂŒtzen, Immuntherapien oder Chemotherapien gezielter fĂŒr die jeweiligen Patienten auszuwĂ€hlen.
Notwendigkeit weiterer Studien vor dem klinischen Einsatz
Trotz der prĂ€zisen Messergebnisse stellt das Verfahren derzeit noch keinen neuen Therapiestandard dar. Die Studienautoren betonten, dass die Resultate vor einer routinemĂ€Ăigen klinischen Anwendung in weiteren Arbeiten bestĂ€tigt werden mĂŒssen und eine prospektive Validierung erforderlich ist.
Bei bis zu 40 Prozent der Hochrisiko-Patienten versagt die BCG-Therapie â und bislang fehlt ein verlĂ€sslicher Weg, das Ansprechen vorab einzuschĂ€tzen. Die cfRNA-Analyse liefert hier einen möglichen Ansatz: erhöhte Immun- und T-Zell-Signaturen bei Komplettansprechern, dominierende Proliferationsgene bei Nichtansprechern, ein Biomarker zur Therapiewahl mit AUC 0,93 bei 114 Patienten. Unser Leitfaden fasst zusammen, welche Signaturen mit dem Rezidivrisiko assoziiert waren und wo die Grenzen der Datenlage liegen. Ăbersicht zur BCG-Therapiewahl jetzt sichern
Wie Berichte vom 9. Oktober 2026 festhielten, planen Stanford Medicine und das VA Palo Alto Health Care System bereits gröĂere multizentrische Studien; der Test ist bislang nicht in der klinischen Routine angekommen. Im Rahmen der Veröffentlichung legten mehrere Autoren zudem Verbindungen zur Biopharmaindustrie offen, und ein Autor meldete PatentantrĂ€ge im Bereich der Urin-cfRNA an.

