Blaubeeren: Jede zweite Probe ist falsch deklariert
24.06.2026 - 20:33:49 | boerse-global.de
Zwischen App-Rabatten, Gesundheitsversprechen und versteckten Mängeln müssen Verbraucher genau hinschauen. Aktuelle Urteile und Tests zeigen, wo die Fallstricke liegen.
Kein Grundpreis bei App-Rabatten
Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg zog im Juni ihre Klage gegen Rewes Bonuscoupon-System zurück. Das Oberlandesgericht Köln hatte signalisiert: Eine generelle Pflicht zur Angabe des Grundpreises bei App-Rabatten besteht nicht. Damit ist ein Urteil des Landgerichts Köln aus November 2025 hinfällig. Rewe sieht sich bestätigt, weitere Verfahren zu App-Rabatten sind aber noch anhängig.
Während die Händler mit neuen Formaten experimentieren – Aldi USA setzt auf „Blind Boxen“ mit Überraschungseffekt – rücken Mogelpackungen wieder in den Fokus. Foodwatch hat für den Goldenen Windbeutel 2026 erneut Produkte nominiert, bei denen Verbraucherschützer Täuschung vermuten: reduzierte Füllmengen bei gleichem Preis oder irreführende Gesundheitsversprechen.
Jede zweite Blaubeer-Probe ist falsch deklariert
Besonders dreist wird bei Frischeprodukten getrickst. Ein Test des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) aus 2024 zeigte: Rund 50 Prozent der untersuchten Blaubeeren im Handel entsprachen nicht der Kennzeichnung als echte Waldheidelbeeren. Statt hochwertiger Anthocyane steckte oft schwarzer Reis in Nahrungsergänzungsmitteln. Dabei hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Blaubeeren in Deutschland zwischen 2018 und 2024 auf rund ein Kilo fast verdoppelt.
Noch gravierender sind die Funde bei Fleisch. Öko-Test wies im Januar 2026 in 14 von 23 Hähnchenbrustfilets antibiotikaresistente Keime nach – auch bei Bio-Produkten. In der Schweiz sorgte zudem ein Großhändler für Aufsehen, der Verbrauchsdaten von Frischfleisch systematisch überklebt haben soll. Die Sache hat strafrechtliche Konsequenzen.
Discounter-Eigenmarken schlagen teure Produkte
Jede zweite Blaubeer-Probe ist falsch deklariert – und bei Hähnchenfleisch lauern antibiotikaresistente Keime. Unser Ratgeber zeigt, wie Sie sich schützen. Jetzt kostenlosen Ratgeber anfordern
Gut muss nicht teuer sein – das belegt ein Test der Stiftung Warentest aus 2025. Von 29 Zitrus-Limonaden (Heft 08/2025) schnitten nur drei mit „Gut“ ab. Neben Markenprodukten war auch Lidls Eigenmarke Freeway für 0,39 Euro pro Liter dabei. Fanta wurde wegen erhöhter Chloratgehalte abgewertet.
Ähnlich bei Sonnenschutz (Heft 07/2025): Günstige Produkte von Edeka, Aldi, dm, Lidl, Müller und Rossmann landeten auf den Spitzenplätzen mit „Sehr Gut“ oder „Gut“. Der Schutz war zuverlässig – zu einem Bruchteil des Preises von Apothekenware.
Neue Studie: Tierisches EiweiĂź verdoppelt Diabetes-Risiko?
Die Forschung liefert neue Daten zur Wirkung von Lebensmitteln. Eine im Mai 2026 im Fachjournal Cell Metabolism veröffentlichte Studie untersuchte eine mit der Aminosäure Methionin angereicherte pflanzliche Diät. Bei alten Mäusen reduzierte sich die Fettmasse, die gesunde Lebensspanne verlängerte sich. Eine begleitende Analyse von Daten über 200.000 Menschen deutete zudem darauf hin: Hoher Konsum von tierischem Eiweiß könnte das Diabetes-Risiko verdoppeln.
Fachleute weisen allerdings auf mögliche Interessenkonflikte hin – einige Studienautoren sind an Unternehmen beteiligt, die entsprechende Nahrungsergänzungsmittel vertreiben. Kritik kommt auch vom Forum for Evidence-Based Preventative Health (FEBPH). Experten warnen dort: Langjährige Ernährungsempfehlungen, die Fette durch raffinierte Kohlenhydrate ersetzten, könnten das Risiko für Fettleber und Diabetes erhöht haben. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hält derweil an der Empfehlung fest: täglich mindestens 30 Gramm Ballaststoffe.
Gesundheitsversprechen auf Verpackungen sind oft irreführend. Mit den 3 häufigsten Mogelpackungen im Supermarkt und einer Checkliste für echte Waldheidelbeeren – gratis für Sie. Ratgeber jetzt sichern
Rückruf: Chio-Käse-Dip falsch etikettiert
Selbst bei strengen Kontrollen bleibt die Allergen-Kennzeichnung eine Herausforderung. Im Juni weitete ein Hersteller den Rückruf für Käse-Dips der Marke Chio aus: Gläser waren fälschlich als Salsa-Dip etikettiert, der Hinweis auf das Allergen Milch fehlte. Betroffen sind Chargen mit Mindesthaltbarkeitsdatum Dezember 2026, die unter anderem bei Aldi Nord und Rewe verkauft wurden. Verbraucher können die Produkte gegen Erstattung zurückgeben.
