BlueNoroff nutzt KI-Avatare: GefÀlschte Zoom-Calls gegen Krypto-Wallets
Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 05:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die nordkoreanische Hackergruppe BlueNoroff, eine Unterabteilung der Lazarus-Gruppe, setzt derzeit eine technisch fortschrittliche Kampagne ein, um gezielt Akteure der Kryptobranche zu kompromittieren. Laut aktuellen Analysen nutzt die Gruppierung gefÀlschte Einladungen zu Zoom- und Microsoft-Teams-Meetings, wobei sie Typosquatting-Domains und KI-generierte Avatare verwendet. Ziel dieser Angriffe ist es, Krypto-Wallets auf den EndgerÀten der Opfer zu identifizieren und Schadsoftware zu installieren.
Technischer Ablauf und Einsatz von KI-Avataren
Der Angriffsvektor beginnt hĂ€ufig mit der Ăbernahme legitimer Telegram-Accounts, ĂŒber die der Erstkontakt zu potenziellen Opfern hergestellt wird. In den darauffolgenden GesprĂ€chen werden die Zielpersonen zu Videokonferenzen eingeladen. Hierbei kommen Webseiten zum Einsatz, die den Anmeldeseiten bekannter Dienste wie Zoom oder Teams nachempfunden sind. Um die GlaubwĂŒrdigkeit zu erhöhen, setzt BlueNoroff KI-Avatare ein, die wĂ€hrend der vorgetĂ€uschten Treffen als GesprĂ€chspartner fungieren.
Bevor die eigentliche Schadsoftware ausgeliefert wird, fĂŒhrt das Phishing-Kit der Angreifer Scans nach Browser-Wallets durch. Dabei nutzt BlueNoroff sowohl den Standard EIP-6963 als auch Ă€ltere Legacy-Methoden, um installierte Krypto-Erweiterungen aufzuspĂŒren. Ein zentrales Element der Kampagne ist der sogenannte ClickFix-Angriff, bei dem die Zwischenablage (Clipboard) des Nutzers manipuliert wird, um die AusfĂŒhrung bösartiger Befehle zu provozieren.
Plattformspezifische Schadsoftware fĂŒr Windows und macOS
Die Angriffskette ist fĂŒr verschiedene Betriebssysteme optimiert. Auf Windows-Systemen setzt die Gruppe PowerShell-Loader ein, die gezielt Ausnahmen im Windows Defender konfigurieren, um die Erkennung der nachfolgenden Payloads zu verhindern. FĂŒr macOS-Nutzer wurden gefĂ€lschte Installer entwickelt, die einen Stealer enthalten.
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Sicherheitsanalysen identifizierten zwischen dem 22.04.2026 und dem 15.07.2026 insgesamt vier verschiedene macOS-Varianten der Schadsoftware. Das Phishing-Kit selbst wurde im Zeitraum vom 31.05.2026 bis zum 14.07.2026 in fĂŒnf verschiedenen Versionen dokumentiert. Aktuelle Beobachtungen deuten zudem darauf hin, dass sich eine noch unvollstĂ€ndige Variante des Phishing-Kits fĂŒr Google Meet in der Entwicklung befindet. Die Exfiltration von Daten umfasst laut Berichten Browser-Zugangsdaten, Chrome-Master-Keys sowie Telegram-Sitzungen.
Gezielte Auswahl der Opfer in der Blockchain-Industrie
Die Kampagne zeichnet sich durch eine hohe PrĂ€zision bei der Auswahl der Ziele aus. Das Sicherheitsunternehmen Arctic Wolf identifizierte mehr als 80 Lookalike-Domains und ĂŒber 100 Angriffsziele. Davon entfallen etwa 80 % auf Unternehmen aus der Krypto- und Blockchain-Branche. Insgesamt wurden ĂŒber 100 Opfer in mehr als 20 LĂ€ndern dokumentiert.
Besonders im Fokus stehen EntscheidungstrĂ€ger: Rund 45 % der identifizierten Opfer sind CEOs oder GrĂŒnder von Unternehmen. Geografisch liegt ein Schwerpunkt in Nordamerika, wobei 41 % der Betroffenen in den USA ansĂ€ssig sind. Die Effizienz der Angriffe wird als kritisch eingestuft, da eine vollstĂ€ndige Kompromittierung des Systems in unter 5 Minuten erfolgen kann.
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Laufende Operationen und forensische Erkenntnisse
Experten des Sicherheitsunternehmens JUMPSEC analysierten den Quellcode des eingesetzten Phishing-Kits, nachdem JavaScript Source Maps offengelegt worden waren. Den Analysen zufolge finden die AktivitĂ€ten der Angreifer vornehmlich wĂ€hrend der ĂŒblichen nordkoreanischen GeschĂ€ftszeiten statt.
JUMPSEC wies darauf hin, dass die Operation derzeit noch aktiv ist. Branchenexperten raten Unternehmen im Krypto-Sektor zur erhöhten Wachsamkeit bei unangeforderten Kontaktanfragen ĂŒber soziale Medien und zur Verifizierung von Meeting-Links, um den Schutz sensibler Wallet-Infrastrukturen zu gewĂ€hrleisten.
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