Blutarmut, Demenz-Risiko

Blutarmut als Demenz-Risiko: Neue Studie zeigt dramatische ZusammenhÀnge

24.05.2026 - 10:35:12 | boerse-global.de

Schwedische Forscher belegen: Blutarmut erhöht Demenzrisiko um 66 Prozent und korreliert mit spezifischen HirnschÀdigungsmarkern.

Blutarmut als Demenz-Risiko: Neue Studie zeigt dramatische ZusammenhĂ€nge - Foto: ĂŒber boerse-global.de
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Neue Forschungsergebnisse zeigen: Niedrige HĂ€moglobinwerte könnten ein unterschĂ€tzter Risikofaktor fĂŒr Demenz sein.

Vervierfachtes Risiko bei bestimmten Biomarkern

Eine aktuelle Studie des Karolinska Institutet in Stockholm liefert alarmierende Daten. Forscher um Martina Valletta analysierten ĂŒber 2.200 Erwachsene ab 60 Jahren ĂŒber neun Jahre. Das Ergebnis: Probanden mit AnĂ€mie hatten ein um 66 Prozent höheres Risiko, an Demenz zu erkranken.

Besonders brisant: Die Forscher verknĂŒpften Blutarmut erstmals mit spezifischen Biomarkern fĂŒr HirnschĂ€den. AnĂ€mie korreliert signifikant mit erhöhten Konzentrationen von Phospho-Tau217, Neurofilament Light Chain (NfL) und dem sauren Gliafaserprotein (GFAP). Diese Proteine gelten als Indikatoren fĂŒr Alzheimer-Pathologie und Nervenzellabbau.

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Die Kombination macht's: Bei Personen mit AnĂ€mie und hohen NfL-Werten war das Demenzrisiko fast viermal so hoch. Die Forscher vermuten, dass eine geringe HĂ€moglobinkonzentration die WiderstandsfĂ€higkeit des Gehirns gegenĂŒber schĂ€dlichen Prozessen herabsetzt.

Die U-Kurve der HĂ€moglobinwerte

Bereits die Rotterdam-Studie aus dem Sommer 2019 legte den Grundstein. Über 12.300 Teilnehmer zeigten eine U-förmige Beziehung zwischen HĂ€moglobinspiegel und Demenzrisiko.

Nicht nur zu niedrige, sondern auch zu hohe Werte sind problematisch. Teilnehmer im untersten Quintil hatten ein um 29 Prozent höheres Demenzrisiko. Im obersten Quintil lag das Risiko um 20 Prozent höher. FĂŒr Alzheimer stieg das Risiko bei AnĂ€mie sogar um 41 Prozent.

Die ErklĂ€rung: Niedrige Werte beeintrĂ€chtigen die Sauerstoffversorgung der Neuronen. Zu hohe Werte erhöhen die BlutviskositĂ€t und damit das Risiko fĂŒr mikrovaskulĂ€re SchĂ€den.

Warum das Blut die Kognition beeinflusst

Das Gehirn verbraucht trotz seines geringen Gewichtsanteils etwa 20 Prozent des gesamten Sauerstoffbedarfs. Eine chronische AnĂ€mie fĂŒhrt zu verminderter Durchblutung und langfristig zu strukturellen VerĂ€nderungen.

MRT-Untersuchungen der Rotterdam-Studie bestĂ€tigten: Personen mit abnormalen HĂ€moglobinwerten zeigten hĂ€ufiger SchĂ€den der weißen Substanz und eine geringere Hirndurchblutung.

Eisen spielt eine weitere SchlĂŒsselrolle. Es ist nicht nur fĂŒr die HĂ€moglobinbildung essenziell, sondern fungiert als Kofaktor fĂŒr Enzyme im Gehirn. Ein Forschungsbericht vom November 2025 in Frontiers zeigte: Niedrige Eisenwerte sind unabhĂ€ngig von einer voll ausgeprĂ€gten AnĂ€mie mit schlechteren kognitiven Tests verbunden.

Ein unterschÀtzter Risikofaktor in der Geriatrie

Etwa 10 Prozent der ĂŒber 65-JĂ€hrigen in westlichen Industrienationen leiden an AnĂ€mie. In einigen Weltregionen sind es bis zu 45 Prozent. Die Forschung legt nahe: Die Überwachung der Blutwerte könnte ein einfaches und kostengĂŒnstiges Instrument in der DemenzprĂ€vention sein.

Die schwedische Studie unterstreicht: AnĂ€mie ist ein modifizierbarer Risikofaktor. WĂ€hrend genetische Veranlagungen wie das APOE-?4-Allel nicht verĂ€nderbar sind, lassen sich ErnĂ€hrungsmĂ€ngel oder chronische EntzĂŒndungen behandeln.

Interessant: Der Zusammenhang zwischen AnÀmie und Demenzrisiko war bei TrÀgern des APOE-?4-Gens weniger stark ausgeprÀgt. AnÀmie könnte bei Personen ohne genetische Vorbelastung ein besonders kritischer Treiber sein.

Rund 36 Prozent der DemenzfĂ€lle in Deutschland sind auf verĂ€nderbare Risikofaktoren zurĂŒckzufĂŒhren. Neurologen plĂ€dieren dafĂŒr, den hĂ€matologischen Status konsequenter in PrĂ€ventionsprogramme einzubeziehen.

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Neue Ära der Diagnostik?

Die Integration von Blut-Biomarkern in die klinische Routine gilt als einer der wichtigsten Trends. Wenn AnĂ€mie die Resilienz des Gehirns schwĂ€cht, könnte die frĂŒhzeitige Korrektur von HĂ€moglobinwerten den Ausbruch klinischer Symptome verzögern.

Die Kopplung von Blutbildern mit hochsensitiven Tests fĂŒr neuronale Biomarker könnte die Risikostratifizierung revolutionieren. Ein effektives Screening ermöglicht es, Hochrisipatienten frĂŒhzeitig zu identifizieren.

Offene Fragen zur KausalitÀt

Trotz konsistenter Befunde bleibt die Frage nach der KausalitĂ€t offen. Verursacht die AnĂ€mie die Demenz? Oder haben beide ZustĂ€nde gemeinsame Ursachen wie chronische EntzĂŒndungen?

ZukĂŒnftige Interventionsstudien mĂŒssen belegen, ob die gezielte Behandlung einer AnĂ€mie das Auftreten einer Demenz verhindern kann. Forschungsprojekte aus dem Jahr 2025 untersuchen bereits, ob die Optimierung der SauerstofftransportkapazitĂ€t bei Patienten mit leichten kognitiven BeeintrĂ€chtigungen die Degeneration verlangsamen kann.

Fest steht: Die Überwachung des HĂ€moglobinspiegels geht weit ĂŒber die Diagnose von Erschöpfung hinaus. Als Indikator fĂŒr die Sauerstoffversorgung des Gehirns stellt das Blutbild eine wichtige Schnittstelle zwischen Innerer Medizin und Neurologie dar.

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