Blutdruck-Medikamente: Sartane haben beste Verträglichkeit laut Metaanalyse
25.06.2026 - 13:34:32 | boerse-global.de
Die Auswertung von 716 randomisierten kontrollierten Studien mit über 159.000 Teilnehmern liefert klare Erkenntnisse: Welche Wirkstoffklassen Patienten am besten akzeptieren – und welche häufig zu Abbrüchen führen.
Sartane als Spitzenreiter
Die im Juni 2026 veröffentlichte Analyse belegt: Sartane wie Candesartan oder Valsartan haben die beste Verträglichkeit. Im Vergleich zu Placebo war das Risiko für einen Therapieabbruch bei einer Monotherapie mit Sartanen um 27 Prozent geringer (Odds Ratio 0,73).
Noch besser schnitten Kombinationen ab: Sartane plus Calciumkanalblocker senkten die Wahrscheinlichkeit eines Behandlungsstopps um 39 Prozent (Odds Ratio 0,61). Vier der fünf am besten vertragenen Therapieregime enthielten Sartane.
Schwindelgefühle zu Beginn der Einnahme sind zwar häufig – sie sind aber meist vorübergehend.
Risiken bei anderen Wirkstoffklassen
Bei anderen etablierten Medikamentengruppen sieht die Lage anders aus. Calciumkanalblocker erhöhten das Abbruchrisiko um 43 Prozent. Kombinationen aus ACE-Hemmern und Calciumkanalblockern steigerten es um 46 Prozent. Am schlechtesten schnitten Betablocker plus Thiazid-Diuretika ab: Hier stieg das Risiko um 58 Prozent.
Die Analyse bestätigt bekannte Nebenwirkungsmuster: ACE-Hemmer verursachen häufig trockenen Reizhusten, Calciumkanalblocker führen vermehrt zu Wassereinlagerungen (Ödemen). Diese unerwünschten Wirkungen gelten als Hauptgründe für mangelnde Therapietreue.
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Neue Hoffnung für Nierenpatienten
Ein neuer Wirkstoff rückt in den Fokus: Baxdrostat. Eine Phase-2-Studie im Journal of the American Society of Nephrology (JASN) untersuchte das Medikament bei Patienten mit chronischer Nierenerkrankung und unkontrolliertem Bluthochdruck.
Über 26 Wochen senkte Baxdrostat den systolischen Blutdruck um 8,1 mmHg stärker als Placebo. Zudem fiel der Urin-Albumin-Wert um 55 Prozent – ein Hinweis auf nierenschützende Wirkung. Allerdings: Bei 41 Prozent der Probanden trat eine Hyperkaliämie (erhöhte Kaliumwerte) auf.
Blutdruck und Alzheimer: Ein Paradoxon
Eine Analyse im Journal of the American Heart Association (JAHA) mit über 700.000 Teilnehmern zeigt einen überraschenden Zusammenhang: Bluthochdruck erhöht das Alzheimer-Risiko um den Faktor 1,57. Noch stärker ist jedoch niedriger Blutdruck (Hypotonie) mit der Erkrankung assoziiert (Odds Ratio 2,74).
Genetische Analysen deuten auf gemeinsame Genloci für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Alzheimer hin. Die genauen Mechanismen sind noch unklar.
Während die Wissenschaft noch an neuen Wirkstoffen forscht, können Betroffene selbst aktiv werden, um ihr Herz und Gehirn langfristig zu schützen. Prof. Dr. med. Thomas Kurscheid liefert in seinem Kompakt-Guide 7 praxiserprobte Tipps, wie Sie Ihren Blutdruck auf natürlichem Weg regulieren. Hier den kostenlosen Bluthochdruck-Guide sichern
Gendermedizin und Dosierungsfehler
Experten fordern eine stärkere Berücksichtigung der Gendermedizin bei Blutdruck-Behandlungen. Auf einer Fachveranstaltung am 23. Juni 2026 in Berlin wurde die schwedische Datenbank „Janusmed Sex and Gender“ als Vorbild genannt. Ziel: Diagnoseverzögerungen und falsche Dosierungen vermeiden.
Wie kritisch die exakte Dosierung ist, zeigt ein aktueller Rückruf: Die britische Aufsichtsbehörde MHRA zog eine Charge des Wirkstoffs Ramipril zurück. Grund war ein Verpackungsfehler – Kapseln mit 10 mg statt der deklarierten 2,5 mg gelangten in den Handel. Ein solcher Fehler kann zu schwerem Schwindel, Ohnmacht und Nierenfunktionsstörungen führen.
Patienten, die zwischen Januar und Mai 2026 entsprechende Packungen erhielten, sollten die Einnahme stoppen und ihre Apotheke konsultieren.
