Blutdruck-Wearables: Sensorsystem erfasst 110 kardiologische Werte
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 02:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Digitalisierung erobert das Gesundheitswesen: Elektronische Überweisungen, KI-gestützte Diagnostik und vernetzte Datenräume verändern die Versorgung. Ein Überblick über die wichtigsten Entwicklungen.
Elektronische Überweisung: Schluss mit Zettelwirtschaft
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat im Rahmen des Gesundheitsdigitalisierungsgesetzes (GeDIG) ein Modell für die elektronische Überweisung entwickelt. Der Dienst läuft über die Telematikinfrastruktur (TI) und hinterlegt Überweisungen samt Dringlichkeit, Fachrichtung und Vorbefunden digital. Facharztpraxen können die Infos vor dem Termin einsehen, der Zugriff läuft über einen Terminvermittlungscode.
Warum nicht einfach die elektronische Patientenakte (ePA) nutzen? Der KBV-Vorstand hält sie für ungeeignet: Versicherte könnten dort Dokumente eigenständig löschen und so die Prozesssicherheit gefährden.
Parallel wächst die TI-Infrastruktur: Seit Anfang Juli 2026 bieten erste Krankenkassen einen TI-Messenger in ihren ePA-Apps an – sichere Kommunikation zwischen Versicherten, Apotheken und Praxen. Ebenfalls neu: die assistierte Telemedizin in Apotheken. Sie nehmen strukturierte Ersteinschätzungen vor und unterstützen bei Videosprechstunden. Die Vergütung startet bei 30 Euro und sinkt bis 2029 schrittweise auf 21,50 Euro.
KI und Sensorik: Diagnostik der Zukunft
Das Fraunhofer-Institut IZM hat ein Sensorsystem entwickelt, das als Weste kardiologische Parameter im Alltag erfasst. Über 110 Werte werden in Echtzeit ausgewertet, große Sprachmodelle wie MedGemini unterstützen Anamnese und Befundaufbereitung.
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Bei der Überwachung von Bluthochdruck bleiben Experten allerdings vorsichtig: Manschettenlose Wearables sind laut American Heart Association (AHA) noch nicht für die medizinische Diagnose geeignet. Besser geeignet: manschettenbasierte Ereignisrekorder mit CE-Zertifizierung der Klasse IIa, die über längere Zeiträume präzise Daten liefern.
Auf dem Bosch Health Campus in Stuttgart läuft seit 2025 ein KI-Reallabor mit einer Million Euro Förderung pro Jahr. Ziel: KI-Anwendungen wie Patientensteuerung in Notaufnahmen schneller in den Klinikalltag bringen. Seit April 2026 validiert das Projekt ROKAVI an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) zudem KI-Modelle zur Krebsrisiko-Prädiktion auf Basis von Versichertendaten.
Datenmanagement: Mehr Transparenz, mehr Forschung
Der Gesetzesfahrplan sieht den Ausbau digitaler Dienste in Etappen vor: Anfang 2027 startet die Volltextsuche in der ePA, Mitte 2027 folgt die digitale Impfübersicht. Gesundheitsministerin Nina Warken betont die Bedeutung einer vernetzten digitalen Zukunft.
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Für die Forschung fördert Hessen Projekte wie „HealthDMP" und „Digital Broad Consent" – sie erleichtern den Datenzugang und schaffen Anschluss an den Europäischen Gesundheitsdatenraum. Avatare klären Patienten dabei in mehreren Sprachen über die Datennutzung auf.
Digitale Anwendungen: Viel Potenzial, wenig Nutzung
Rund 30 Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) gibt es seit 2020 im Bereich psychische Gesundheit – doch die Nutzung bleibt oft hinter den Erwartungen zurück. Eine aktuelle Studie untersucht deshalb den Einsatz von Digital Health Navigatoren (DHN), die Patienten bei Auswahl und Anwendung unterstützen sollen. Interoperabilität bleibt das Stichwort: Die kv.digital GmbH plant im September 2026 einen Fachworkshop, im Juni 2027 folgt ein Partnermeeting in Berlin.
